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6. August 2009, 10:10 Uhr

Star-Fotografin steht vor dem Ruin

Nach privaten Schicksalsschlägen muss Annie Leibovitz gegen ein finanzielles Desaster ankämpfen. In New York wurde sie wegen eines 24-Millionen-Kredits verklagt. Gläubiger erheben schwere Vorwürfe.

Annie Leibovitz, Star-Fotografin, Schulden, Finanzkrise, zahlungsunfähig

Star-Fotografin Annie Leibovitz muss sich vor Gläubigern verantworten© Philippe Desmazes/AFP

Annie Leibovitz ist die wohl berühmteste Fotografin der Welt: Sie porträtierte die hochschwangere, nackte Demi Moore, nahm John Lennon am Tag seines Todes auf und brachte als erste die amerikanische Präsidentengattin Michelle Obama auf ein Hochglanz- Cover. Dass ausgerechnet diese Frau vor dem Ruin steht, ist kaum zu glauben. Seit die 59-jährige Starfotografin in New York wegen eines 24-Millionen-Dollar-Kredits verklagt wurde, rätseln US-Medien und Kunstexperten über die Hintergründe.

"Jemand, der so außergewöhnliche Bilder machen kann, ist nicht unbedingt ein guter Finanzmanager", sagte Graydon Carter, der Herausgeber der Zeitschrift "Vanity Fair". Bei dem Promi-Magazin verdient Leibovitz pro Jahr angeblich mehr als zwei Millionen Dollar (1,4 Millionen Euro). Für andere Arbeiten - etwa im Auftrag der Kofferschmiede Louis Vuitton oder der Modefirma Gap - verlangt sie mehrere zehntausend Dollar am Tag.

Dennoch musste die Bildkünstlerin im vergangenen Jahr zunächst 22 Millionen und kurz darauf weitere zwei Millionen Dollar Schulden aufnehmen. Die in New York ansässige Firma Art Capital Group, eine Art Edel-Pfandleihe für die Kunstszene, bekam dafür die Rechte an ihrem Landhaus in Rhinebeck (US-Bundesstaat New York), an drei denkmalgeschützten Stadthäusern in Manhattan - und vor allem an ihrem Fotokatalog. Sie habe praktisch nur noch ihr Hemd auf dem Leib behalten, schrieb das "Forbes"-Magazin.

Kreditgeber erhebt schwere Vorwürfe

Bis zum 8. September muss Leibovitz das Geld auf Heller und Pfennig zurückzahlen - mit Zins und Zinseszins. Weil sie jedoch weiter klamm ist, will der Kreditgeber einen Teil des überschriebenen Besitzes zu Geld machen und wirft ihr vor, dies zu blockieren. "Die Beklagte bricht die Geschäftsvereinbarung wissentlich, willentlich und schamlos", heißt es in der vergangene Woche beim Obersten Gerichtshof New Yorks eingereichten Klage. "Es scheint, als habe Leibovitz nie die Absicht gehabt, den Vertrag zu erfüllen."

Dass die in der Arbeit als perfektionistisch geltende Künstlerin in Geldsachen mehr als lax ist, zeichnete sich schon seit einiger Zeit ab. Für die vergangenen beiden Jahren musste der Fiskus 1,4 Millionen Dollar Steuern nachträglich eintreiben. In zwei Klagen wurde ihr zudem vorgeworfen, Rechnungen für Fotoarbeiten über mehr als 700 000 Dollar nicht gezahlt zu haben.

Überdies verhob sich Leibovitz möglicherweise mit ihren Immobilienprojekten. 2002 hatte sie nach Angaben der "New York Times" im angesagten New Yorker Stadtteil West Village für 4,15 Millionen Dollar zwei historische Stadthäuser gekauft und aufwendig renovieren lassen. Als ein Nachbar sie wegen Beschädigung der Trennmauer auf millionenschweren Schadensersatz verklagte, konnte sie den Streit nur mit dem zusätzlichen Kauf von dessen Haus für 1,9 Millionen Dollar beenden.

Private Verluste trugen zur Misere bei

Und schließlich dürften wohl private Probleme einige Löcher in die Kasse gerissen haben. Ende 2004 starb ihre langjährige Lebensgefährtin, die US-Schriftstellerin Susan Sontag, sechs Wochen später ihr Vater Samuel Leibovitz. In den langen Leidensjahren der beiden war sie immer wieder um die halbe Welt gejettet, um möglichst oft am Krankenbett zu sein.

Selbst die eigenen Kinder bekam die Fotografin nicht geschenkt. Nachdem sie im Alter von 51 Jahren ihr erstes Kind Sarah auf die Welt gebracht hatte, ließ sie 2005 die Zwillingsmädchen Susan und Samuelle von einer Leihmutter austragen - ein teures Verfahren.

Bankrotterklärung als letzte Hoffnung?

Finanzexperten spekulierten dieser Tage bereits, dass Leibovitz sich möglicherweise am besten durch eine Bankrotterklärung retten könnte. Damit würde ihr Besitz vorerst unter den Schutz eines Bundesrichters gestellt. Ihr bliebe so mehr Zeit zum Überlegen, zitierte der Wirtschaftsdienst Bloomberg den Kunst-Rechtsexperten Thomas Kline. Allerdings würde sie auch dann nicht ungeschoren davonkommen: "Sie hat keine kostenlose Rückfahrkarte."

Nada Weigelt/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Silbador (06.08.2009, 22:41 Uhr)
Wie immer in solchen Fällen ...
mein Mitleid hält sich in Grenzen.
Aquarius2 (06.08.2009, 20:06 Uhr)
Doc_D
Nie mehr ausgeben, als man hat?
Da können wir doch gleich den Sozialismus einführen!
Nationale und internationale Geldinstitute machen uns doch gerade vor, dass es in der freien Marktwirtschaft trotzdem (wieder) geht.
Doc_D (06.08.2009, 15:05 Uhr)
Kaufmännisches Basiswissen hin oder her
aber es reicht eine einzige Regel: Nie mehr ausgeben, als man hat.
Kris77 (06.08.2009, 14:45 Uhr)
Wie ironisch
Unter dem Textteil: "...Rechnungen für Fotoarbeiten über mehr als 700 000 Dollar nicht gezahlt zu haben"..steht eine Anzeige um einen Kredit mit 3,5% Zinsen aufzunehmen... :-))). Ich lach mich schlapp.
paull (06.08.2009, 14:10 Uhr)
genial 007
sich mit der vorletzten zeile selbst als Pfosten zu beschimpfen!
Ich hab mich amüsiert!
Crossbow (06.08.2009, 13:58 Uhr)
Kaufmännisches Basiswissen...
...ist gerade bei Künstler häufig nicht vorhanden weil verachtet. Und die Amis haben zu Schulden eh' ein eher gestörtes Verhalten, siehe Immobilien- und Kreditkartenkrise. Was soll's?
butcher99 (06.08.2009, 13:47 Uhr)
kann
mal jemand den Sack Reis zusammenfegen
Malt (06.08.2009, 13:24 Uhr)
Man möge mir verzeihen...
...aber irgwendwie fehlt mir hier das Mitleid.
Staudenmaier007 (06.08.2009, 13:06 Uhr)
Genie und Wahnsinn........
.........liegen manchmal dicht beinander.
*So zumindest die Volksweisheit*
Doch mal ganz ehrlich - was wäre die Welt
ohne solche Menschen ?
Was wäre die Fotografie ohne Annie ?
Wie viele Kollegen wurden durch Ihre Arbeiten
inspiriert ?
Wie vielen Menschen fällt zu einem Thema
plötzlich eines Ihre Bilder ein ?
Schadenfreude ist ein Eingeständnis von Armut.
Darüber sollten sich die beiden Vorp(f)oste(n)r
mal Gedanken machen.
HardCheck (06.08.2009, 12:21 Uhr)
also,
ich bräuchte neue Bilder für einen Personalausweis. Wenn Sie die Anreise übernimmt, geb ich Ihr für 4 Bilder 50 Euro. Das ist doch was!?
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