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9. April 2009, 16:32 Uhr

Go-Go-Girls von der Stange

Fashion Week in New York und die Topmodels mittendrin. Die Mädchen versuchten sich als Animiertänzerinnen und posierten für eine berühmte Modemarke. Mandy machte dabei eine besonders gute Figur. Doch hat sie wirklich das "gewisse Etwas"? Von Mark Stöhr

Heidi Klum, Germany's next Topmodel, Topmodel, New York

Ist schwieriger, als es aussieht: Posieren an der Stange© ProSieben

"Flirtiv" - schon mal gehört? Wahrscheinlich nicht. "Flirtiv" ist nämlich Estnisch. Die amerikanische Modedesignerin Charlotte Sparre suchte in der neunten Folge Models, die "flirtiv" sind. So stand es in den deutschen Untertiteln. Das babylonische Kauderwelsch, das uns Woche für Woche um die Ohren fliegt, ist damit um eine baltische Note reicher. Da unsere Laufstangen mal wieder nur Bahnhof verstanden, musste Rolf Scheider, der rheinische Voltaire unter den Fashion-Fredis, zur Hilfe eilen. "Ihr sollt den Kunden", sagte er, "wie einen Boyfriend sexy anflirten." Großes Aha! Jetzt war auch den intellektuellen Hinterbänklern um Sarina und Stefanie klar, was gemeint war: Ein bisschen Rumposen, Augen auf Halbmast, Busen in die Höhe, nicht zu "vampy" und nicht zu "cheap". Hätten die auch gleich sagen können.

New York, New York! Die Stadt, die niemals schläft. Die Reisegruppe Klum aus Bergisch-Gladbach bekam den Mund gar nicht mehr zu. Häuser noch höher als der Kölner Dom. Castingdirektoren, die nicht wie Rottweiler rumbellen, sondern ihre Absagen in Komplimente verpacken wie echte Gentlemen. Und Modenschauen, bei denen das Publikum noch glamouröser ist als der Laufsteg. Zufällig war Fashion Week, zufällig suchte das Label Miss Sixty noch ein Model für seine Show. Heidi machte einen Termin für die Mädels klar.

Was ist das "gewisse Etwas"?

Die Marke Miss Sixty um ihren Firmengründer Wicky Hassan entwirft nach eigener Aussage Mode für It-Girls, junge Frauen also mit dem "gewissen Etwas". Was das genau heißen soll, weiß niemand so recht. Dass die Wahl der amerikanischen Designer ausgerechnet auf Mandy fiel, brachte nicht unbedingt mehr Klarheit ins Zielgruppenprofil. Denn die 17-jährige Pferdefreundin aus Witten kann man schwer aus zehn Blondinen heraushalten. Bislang fiel sie eher durch ihre Schusseligkeit auf und sammelte in der Gruppe dadurch Aufmerksamkeitspunkte, dass sie nur selten die Spülmaschine ausräumt. Ihr Teint hat die Vitalität von Christiane F., ihr Körper das Volumen wie nach drei Monaten Pilgern auf dem Jakobsweg. Feiert der Heroin-Look etwa sein Comeback?

Juror Peyman Amin war jedenfalls restlos begeistert und rief aus: "New York ist für mich ab sofort Mandy-Land!" Er bemühte gar das Märchen vom Aschenbrödel, das sich - unter seiner Anleitung, versteht sich - zur Prinzessin und neuen Favoritin für den Topmodel-Titel entwickelt habe. Die Konkurrenz nahm das unterschiedlich auf. Jessica biss vor Frust in den Laufsteg ("Ich habe keinen Bock mehr, in diesem Laden rumzugammeln"). Sara ließ sich durch ein äußerst fragwürdiges Kompliment von Amin ruhig stellen ("Unsere äthiopische Sonne geht auf"). Marie versuchte es mit Autosuggestion ("Ich glaube, ich habe ihnen gefallen"), und Larissa, die ehemalige Freiheitskämpferin aus Kärnten, ist auf dem besten Weg zum Model-Roboter ("Es gibt eine Mauer zwischen Job und persönlichem Empfinden. Das Bild ist letztlich das Wichtigste").

Rauswurf trotz "Hammerfigur"

Wer auch immer diese Staffel gewinnt - es wird kein wie auch immer geartetes It-Girl sein. Keine Julia Stegner, keine Toni Garrn, keine Katrin Thormann, die es ohne die Zangengeburt von Schwester Heidi auf die Titelseiten internationaler Magazine oder in die großen Werbekampagnen geschafft haben. Da kann die Jury noch so die ganz Ausdruckslosen aussieben - gestern traf es Stefanie, die auch ihre "Hammerfigur" nicht retten konnte (Klum: "Du guckst so böse" - Stefanie: "Nein, ich habe versucht, sexy zu gucken."). Da können sich die Kandidatinnen noch so beim "Pole-Shooting" verbiegen wie Go-Go-Girls in einem Vorstadt-Varieté und sich von der Klum wertvolle Ernährungstipps abholen ("Ihr müsst mehr Spinat essen, damit ihr euch ein paar Minuten dort oben halten könnt.") Und da kann auch Boris Entrup, der rasende Schminkstiefel ("Servus und Hallöchen!"), mit seinen Highlightern und Nude-Lippenstiften noch so oft zu Besuch kommen. Es bleiben Mädchen von der Stange.

Die Jury hat das scheinbar bemerkt und ihre Strategie geändert. Inzwischen wird jeder minimale Fortschritt fast jedes Mal mit einer Blaskapelle gefeiert. Dass sich keines der Möchtegern-Mannequins beim Laufen mehr langlegt oder sich beim Grimassieren die Lippen zerrt, sollte man nach neun Wochen Training eigentlich erwarten können. Doch je professioneller sie werden, umso öder wird die Show. Das Model-Camp ist vom Stolper- und Zicken- in den Arbeitsmodus gewechselt. Nicht sehr "flirtiv" für die Zuschauer.

Von Mark Stöhr
 
 
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