Mitten in einem Gerichtssaal in New York City hat eine Frau ihr Kind zur Welt gebracht. Die 33-Jährige war wegen geringfügiger Delikte wie Drogenbesitz und Hausfriedensbruch festgenommen worden. Danach verbrachte sie zunächst 24 Stunden in Polizeigewahrsam und wurde dann dem Haftrichter vorgeführt.
Während der Anhörung vor dem Gericht in Brooklyn setzten bei der 33-Jährigen jedoch die Wehen ein, berichtet die „New York Times“. Es blieb keine Zeit mehr, die Frau ins Krankenhaus zu bringen. Mithilfe von Gerichtsmitarbeitern verlief die Geburt erfolgreich, ein kleiner Junge erblickte das Licht der Welt. Sowohl Mutter als auch Kind befinden sich in einem stabilen Zustand.
Offenbar wusste außer der Frau niemand der Beteiligten von ihrer Schwangerschaft. Sie habe bei ihrer Festnahme ihre Schwangerschaft nicht offengelegt, sagte ein Polizeisprecher der „New York Post“. Da sie weit geschnittene Kleidung getragen habe, sei das den Polizisten auch nicht aufgefallen.
Geburt in New Yorker Gerichtssaal: Schwangere trug Handschellen
Tatsächlich aber war die 33-Jährige im neunten Monat schwanger und stand unmittelbar vor der Entbindung. Dazu kam es dann ausgerechnet vor Gericht. „Wir sahen es“, beschrieb ihr Anwalt Wynton Sharpe der „New York Times“ die Situation. „Sie musste gar nichts sagen.“ Es sei eine gleichzeitig „schöne und traurige Situation unter diesen Umständen“ gewesen.
Laut Sharpe hatte die Schwangere zunächst ihre Hände hinter dem Rücken gefesselt. Nach Angaben des Gerichts wurden ihr die Handschellen abgenommen, als ihre Fruchtblase geplatzt war.
Die Legal Aid Society, eine gemeinnützige Organisation von Strafverteidigern, kritisierte die Behörden. „Niemand sollte jemals gezwungen werden, in Handschellen zu gebären oder Wehen zu ertragen, während er gefesselt, entblößt und ihm grundlegende medizinische Versorgung und Menschenwürde verweigert werden“, heißt es in einer Erklärung. Die Organisation fordert eine Untersuchung des Vorfalls.
Quellen: „New York Times“, „New York Post“, Legal Aid Society