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22. Juni 2008, 08:30 Uhr

Auf der Suche nach Mr. Big

Sie sind tolle Frauen: schön, klug und erfolgreich in ihrem Job. Und doch haben sie noch immer nicht den Richtigen fürs Leben gefunden - viele Männer sind ihnen nicht gewachsen. Das Fazit der Karrierefrauen: Auf dem Heiratsmarkt fehlen männliche Spitzenkräfte. Wenn Frauen zu Jägerinnen werden. Von Markus Götting und Anette Lache

Die Supersingles (von links): Christiane Wolff, 37, Beate Weise, 41, Kim Heinzelmann, 29, Alexandra Roderigo, 36, Loren Woka, 40, Gilla Robel, 30, Johanna Kremer, 36© Edgar Rodtmann

Gleich in der Mitte des Ladens sitzt sie, hinter sich die Bar, die aus Naturstein gemauert ist. Sitzen ist vielleicht das falsche Wort: Hier thront sie. Die Königin. Nicht zuletzt ihr Dekolleté macht sie zum Mittelpunkt. Das H'ugo's am Promenadenplatz ist zurzeit Münchens angesagtestes Restaurant, für Loren eine Art zweites Wohnzimmer. Münchens Fußballhelden vom FC Bayern sind fast jeden Abend hier. Aber der Star, das ist Loren. Alle sind da an diesem Abend: die Mädels, die sich mächtig aufgestylt haben, die Geldmänner in wirklich guten Anzügen. Ab und zu blinzelt mal einer rüber. Netter Versuch, Junge. Aber in Lorens Leben gibt es derzeit nur einen Mann: Benji, den Rauhaardackel.

Das H'ugo's ist einer dieser Läden, in denen man ständig aufsteht. Zum Klo, zum Rauchen, warum auch immer. Hauptsache, gesehen werden. Loren hat lange als Model gearbeitet, inzwischen entwickelt sie Fitnesskonzepte, und für 100 Euro die Stunde hetzt sie als Personal Trainerin Geschäftsleute durch den Wald. Sie ist 1,80 Meter groß und steht im Prinzip für alles, was man sich als Kerl wünscht, aber nicht bekommen wird. Jedenfalls nicht so einfach.

In München kommen höchsten fünf Männer infrage

Dabei wäre Loren froh über einen Mann fürs Leben. "Einen, der charismatisch ist, gern mit grau meliertem Haar und älter als ich", sagt sie. Auch sonst hat sie ziemlich klare Vorstellungen: "Größer als 1,90 Meter und Fettwert bitte nicht deutlich über zehn Prozent. Aber in den letzten Jahren ist mir keiner begegnet, der wenigstens 70 Prozent davon erfüllt." München ist ja sehr überschaubar, wie viele kommen da überhaupt infrage hier in der Stadt? Vielleicht 50? Loren lächelt amüsiert. "50? Vielleicht fünf!"

In den Kinos läuft jetzt der lange erwartete Film "Sex and the City", es ist die Fortsetzung einer Fernsehserie, die Millionen Single-Frauen getröstet hat. Oder ihnen zumindest das Gefühl gab, dass Einsamkeit gleich sehr viel glamouröser ist, wenn man Manolo-Blahnik-Schuhe dazu trägt. Loren sieht ein bisschen aus wie Samantha, der blonde Vamp unter den vier Film- Freundinnen; sie ist eine Männerfantasie auf zwei Beinen. In der letzten Staffel hatte sich Samantha so ein junges Schauspielerbürschchen geangelt, Loren kennt das. Sie sagt: "Ich hatte auch mal einen Typen, der zehn Jahre jünger war als ich. Da stehst du nur jeden Tag vor dem Spiegel und fragst dich: Reicht das noch?" Nee, sagt sie, "ich brauche einen, zu dem ich aufschauen kann".

Das wollen viele. Aufschauen. Früher war das rein körperlich zu verstehen, es ist dieses archaische Bild vom starken Mann, der die Höhle bewacht und die Frau vorm Säbelzahntiger beschützt. Gleichzeitig war eine starke Physis gleichbedeutend mit materieller Absicherung. Diese Form männlicher Stärke wird heute durch gesellschaftlichen Status vermittelt.

Frauen waren noch nie so erfolgreich wie heute

Dabei ist dies die erste Generation von Frauen zwischen 30 und 40, die Aufschauen gar nicht nötig hat. Frauen, die anscheinend alles haben: eine gute Ausbildung, coole Jobs, genug eigenes Geld - nur eben keinen Partner fürs Leben. Mr. Right reicht da nicht mehr, sie wollen gleich Mr. Big. Und halten das für einen legitimen Anspruch.

Frauen waren noch nie so erfolgreich wie heute. Sie sind all das, was sie früher von den Männern gefordert haben. Früher hat man halt seinen Doktor geheiratet, heute macht man ihn selbst. Die Zahl berufstätiger Akademikerinnen stieg in Deutschland zwischen 1991 und 2004 um 70 Prozent, bei den Männern gerade mal um 23 Prozent. Im selben Zeitraum drängten etwa 1,1 Millionen Frauen zusätzlich auf den Arbeitsmarkt, die Zahl berufstätiger Männer sank derweil um 1,4 Millionen. Inzwischen sind 54 Prozent aller Erstsemester an Universitäten weiblich, Frauen haben die Männer im Bildungsniveau längst überholt. Und jetzt wollen sie auch noch einen Typen, der mindestens auf Augenhöhe ist! Das Unglück für Akademikerinnen ist also programmiert: Auf dem Heiratsmarkt fehlen männliche Spitzenkräfte.

Der Soziologe Hans-Peter Blossfeld ist Direktor des Staatsinstituts für Familienforschung in Bamberg, und sein Lehrstuhl untersucht gerade am Beispiel einer Online- Partnerbörse das Verhalten von Singles bei ihrer Suche. In einem anonymisierten Verfahren können die Forscher genau sehen, wie das Rosinenpicken im Internet läuft: Frauen gehen gezielter und strategischer vor. Blossfeld sagt: "Je mehr sozialen Status und materielle Sicherheit ein Mann verspricht, umso attraktiver wird er. Frauen suchen immer noch den Ernährertypen." Als hätte es den Feminismus nie gegeben.

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Ausgabe 25/2008

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