Ganz Amerika verfolgt das Drama um Tiger Woods. Der milliardenschwere Profigolfer verliert täglich an Marktwert. Medien und vermeintliche Ex-Geliebte schlagen reichlich Kapital. Von Frank Siering, L.A.

Tiger Woods wird zum Gespött der Nation: Eine Radio-DJane hält vor Woods' Anwesen ein Schild mit der Aufschrift "sie boten mir 500.000 Dollar, aber ich halte meinen Mund" in die Kamera© Joe Radle/Getty Images
In Amerika gibt es derzeit nur ein Gesprächsthema: Der Skandal um Tiger Woods, einst als Musterathlet ohne Makel gefeiert, sorgt für die größte Klatschgeschichte in diesem Jahr und drängt seriöse Nachrichten über Arbeitslosenzahlen oder den Klimagipfel in Kopenhagen in den Hintergrund. Die US-Medien haben für den Skandal um Tiger Woods, der etliche Affäre haben soll, schon einen Begriff geprägt: "Tigergate". Jedes Klatschblatt in den USA hat in dieser Woche den milliardenschweren Golfprofi auf dem Titelblatt - von "People" bis "US Weekly". "Die Auflage schießt durch die Decke", verrät ein Blattmacher des Verlagshauses "American Media", das Zeitungen wie "The National Enquirer" und "Globe" verlegt. Er hofft, dass "noch möglichst viele neue Wendungen in dieser scheinbar unendlichen Geschichte auftreten".
Die gibt es derzeit mehr als genug. Im britischen "Sunday Mirror" beispielsweise berichtet ein Unternehmer, seine Verlobte sei von Woods verführt worden, die "New York Daily News" will von einem Partygirl wissen, das eingeflogen worden sei, wenn der Golfer auf Tour war. Die "New York Post" spricht gar vom "Harem" des 33-jährigen Woods und zählt insgesamt neun Frauen auf. "Eine Affäre hätten ihm die Puritaner vielleicht noch verziehen", sagt Jeff Gardere, Sportpsychologe aus New York. "Aber zwei, drei, fünf, vielleicht sogar zehn oder elf Seitensprünge? Das ist selbst für eingefleischte Tiger-Fans ein bisschen viel".
Ausgerechnet Tiger Woods, jener Überathlet, der jahrelang als Saubermann galt, rund 100 Millionen Dollar jährlich verdient und allein von seinem Hauptsponsor Nike 30 Millionen Dollar im Jahr bekommt, soll ein notorischer Fremdgeher sein? Ein unglaublicher Skandal für ein so bigottes Land wie Amerika, das seine Helden für ihre Erfolge feiert und sich an den Abstürzen ergötzt.
Derweil tingelt die angebliche Geliebte Nummer zwei, Jaimee Grubbs, durch die Talk-Shows und plaudert munter drauf los, als ginge es um die Vermarktung eines neuen Fernsehformats. "Ich habe ja versucht, Tiger zu entkommen", sagt Grubbs. "Aber er schrieb mir immer noch eine SMS. Mein Herz fühlte sich zu ihm hingezogen, er hat einfach nicht losgelassen."
Dem Vorbild Grubbs' folgen weitere mutmaßliche Gespielinnen und versuchen mit Geständnissen, deren Wahrheitsgehalt kaum überprüfbar ist, Aufmerksamkeit zu erheischen und intime Geschichten in bare Münze umzuwandeln. Allein in dieser Woche haben sich Veronica Siwik-Daniels - unter den Anhängern der Pornofilm-Industrie auch als "Joslyn James" bekannt - und ihre Kollegin Holly Sampson als "Freundinnen von Tiger Woods" geoutet. Letztere hatte ihre Affäre mit Woods schon vor geraumer Zeit in einer Sex-Talkshow im Internet eingeräumt. Damals interessierte sich allerdings niemand für das Eingeständnis. Jetzt ist die Show mit Sampson auf YouTube ein Hit. Das liegt möglicherweise auch daran, dass die Blondine halbnackt auftritt und Woods Ehefrau Elin Nordegren zum Verwechseln ähnlich sieht. Sampsons Kommentar: "Ja, Tiger mag Blondinen mit großen Brüsten."