Sein Ruf als fürsorglicher Ehemann ist schon zerstört, seine Frau soll sogar die Scheidung wollen. Nun gerät auch das sportliche Ansehen von Tiger Woods in Gefahr: Doping-Vorwürfe werden laut. Seine private Krise könnte somit eine ganze Sportart in den Abgrund reißen. Von Jens Maier

Gerät immer mehr in Erklärungsnöte: Tiger Woods© Danny Gohlke/DDP
Seine Umfrage-Werte sind mittlerweile ähnlich schlecht wie die der SPD: Golf-Superstar Tiger Woods hat nach seinem Untreue-Geständnis massiv an Popularität verloren. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup und der Tageszeitung "USA Today" stürzte sein Beliebtheitsgrad von zuletzt 85 auf nur noch 33 Prozent ab - der größte Einbruch seit Einführung der Umfrage vor 17 Jahren. Woods sei damit noch hinter die meisten der unbeliebtesten Personen zurückgefallen, nämlich hinter die Politiker, erklärte Gallup-Sprecher Jeffrey Jones. Die Umfrage ist symptomatisch für das, was Woods droht: eine unaufhaltsame Abwärtsspirale nach unten, die eine gesamte Sportart mitreißen könnte.
Dabei galt Golf bisher als Bastion - unaufgeregt, traditionsbewußt und grundsolide: Dunkelgrüne, auf den Millimeter genau getrimmte Rasenflächen mit ordentlich gestutzten Hecken, Poloshirts mit fein säuberlich gerichteten Kragen, Hosen mit präziser Bügelfalte und Sportler, die nicht nur wie perfekte Gentlemen daherkamen, sondern es in den Augen der Öffentlichkeit auch waren. Allen voran Tiger Woods, der Saubermann des amerikanischen Sports. Er war ein Vorbild, nicht nur ein sportliches, sondern mit seiner hübschen Ehefrau und seinen zwei kleinen Kindern das Idol jeder amerikanischen Familie.
Noch kurz vor den Enthüllungen über seine vielen Sex-Affären sagte der US-Golfer in einem Interview mit einem neuseeländische Sportreporter, seine Kinder und seine Frau Elin seien "das beste, was mir jemals passiert ist". Auf die Frage, ob die Familie für ihn vor dem Golf an erster Stelle komme, antwortete Woods: "Immer, immer." Inzwischen weiß die amerikanische Öffentlichkeit, dass Woods nicht nur seine Frau, sondern auch sie schamlos belogen hat. Der schöne Schein vom perfekten Familienvater - alles Lüge. Seitdem zerstören täglich neue Meldungen über ausschweifende Affären Tiger Woods Image als fürsorglicher Vater und Ehemann restlos. Seine Frau soll jetzt nach Informationen von "people.com" sogar die Scheidung einreichen wollen. Doch nicht nur das, auch sein sportliches Denkmal wackelt.
Obwohl er als Schwarzer im weißen Golfsport zu Beginn seiner Karriere von vielen belächelt wurde, beißt er sich durch und kämpft sich nach oben. 1997 gewinnt er mit nur 21 Jahren als jüngster Spieler aller Zeiten das Golf-Masters in Augusta, 13 weitere Major-Golf-Titel folgen. Tiger Woods gewinnt alle namhaften Golfturniere der Welt, steht mehrfach auf Platz 1 der Weltrangliste. Doch all die sportlichen Erfolge, sie könnten bald nichts mehr wert sein. Denn in den Augen der Öffentlichkeit ist ein zweifacher Familienvater, der als mehrfacher Ehebrecher und Lügner entlarvt wird, offenbar zu allem fähig. Berichte über eine angebliche Verbindung zu einem Dopingarzt könnten Tiger Woods' Karriere deshalb jetzt den Todesstoß versetzen.
Der kanadische Sportmediziner Anthony Galea ist ins Visier der Justiz geraten. Er soll mit Dopingmitteln gehandelt haben. Wie die "New York Times" berichtet, steht der 50-Jährige im Mittelpunkt von Untersuchungen der US-amerikanischen und kanadischen Behörden. Nach Angaben der Zeitung war Galea im September und Oktober zweimal an der kanadischen Grenze festgenommen worden, nachdem die Polizei bei ihm Wachstumshormone und das Medikament Actovegin gefunden hatte. Bei Actovegin handelt es sich um ein so genanntes "maskierendes Medikament", mit dem zum Beispiel Effekte des Blutdopingmittels Epo verschleiert werden können. In der Liste der Sportler, die Galea behandelt hat, taucht ausgerechnet auch Tiger Woods auf.
Als der Golf-Profi im vergangenen Jahr wegen Knieproblemen mehrere Turniere absagen musste, soll er sich im Juni 2008 in Orlando mindestens vier Mal in die Hände von Doktor Galea begeben haben. Nach Aussagen von Woods Agenten Mark Steinberg soll Woods dort eine sogenannte "Blutplättchen-Plasma-Therapie" für sein wiederhergestelltes Knie erhalten haben. Diese Behandlung in Zusammenhang mit illegaler Medikamentenabgabe zu bringen, nannte Steinberg "rücksichtslos und unverantwortlich". Trotzdem muss Woods sich jetzt die Frage gefallen lassen, warum er sich ausgerechnet einen Arzt ausgesucht hat, der schon damals unter Sportlern einen höchst zweifelhaften Ruf hatte.
"Er hätte sich mit seinem Geld unter allen Ärzten dieser Welt den besten aussuchen können und entscheidet sich ausgerechnet für einen exzentrischen 50-jährigen Doping-Händler", bringt "Los Angeles Times"-Reporter Bill Plaschke den Verdacht gegen Woods auf den Punkt. Es könne zwar sein, dass die erhobenen Doping-Vorwürfe gegen Woods vollkommen haltlos seien. Aber noch vor wenigen Wochen hätte es niemand gewagt, einen derartigen Verdacht gegen den Saubermann des Golfs auch nur vorzubringen. Das mache erst die wahren Gefahren von Woods' Sexaffären deutlich, meint Plaschke. Woods hat inzwischen jegliche Kontrolle über die Veröffentlichungen in den Medien verloren. Er muss staunend mit ansehen, wie sich jeden Tag neue Frauen, mit denen er angeblich Sex gehabt haben soll, in der Öffentlichkeit zu Wort melden.