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19. Juli 2005, 12:36 Uhr

...Basilius Streithofen?

Der streitbare Dominikanerpater - Mitglied der CDU - galt jahrzehntelang als "politischer Beichtvater" der Bonner Unions-Prominenz.

Dr. Basilius Streithofen, 80, in seiner Bibliothek in Bonn© Stefan Enders

Pater Basilius, der "FAZ" haben Sie mal verraten, nach welchem Motto Sie leben: Contra torrentem - gegen den Strom. Mit wem legen Sie sich gerade an?

Mit diesem Fräulein Nahles von der SPD beispielsweise. Die hat sich unausgegoren über den Papst geäußert. Sie beruft sich bei ihren theologischen Einlassungen immer auf ihre Zeit als Messdienerin. Nun freut es mich, dass sie in ihrer Pubertät kirchlich aktiv war, ich glaube nur nicht, dass sie das hinreichend qualifiziert.

Umgekehrt gefallen Ihnen Belehrungen besser? Ihr Chef, der Kölner Kardinal Meisner, will der CDU das "C" im Namen streichen - sie sei keine christliche Partei mehr.

Zunächst mal ist Herr Meisner nicht mein Chef, der hat mir nichts zu sagen. Ich lehne es allerdings ab, dass er Angela Merkel als geschieden verurteilt. Ihre Gewissensentscheidung hat die Kirche zu respektieren. Das fällt nicht in die Kompetenz des Erzbischofs von Köln.

Mit Helmut Kohl sind Sie lange bekannt. Was denken Sie über sein junges Glück?

Da halte ich mich raus. Ich kann Ihnen nur aus meiner seelsorgerischen Erfahrung sagen: Witwen werden leichter mit ihrem Schicksal fertig als Witwer. Männer sind Weicheier. Frauen sind leidensfähiger, selbstständiger.

Apropos Angela Merkel ...

Genau! Zielstrebig und machtbewusst. Die hat von Kohl über Schäuble bis Merz immerhin die halbe CDU-Führungsriege hingemeuchelt. So eine brauchen wir!

Sie kennen die CDU bestens, waren laut "Spiegel" jahrzehntelang "in jede Personalrangelei verwickelt" - treffen Sie sich denn noch oft mit Parteifreunden?

Ich bitte Sie. Was stellen Sie für unkeusche Fragen?

Wir vermuten, das Ende der Bonner Republik entsprach nicht so ganz Ihrem Geschmack.

O ja. Der Politik fehlt in Berlin die rheinische Leichtigkeit. Das heidnische Klima dort tut ihr nicht gut.

Färbt das auch auf die Politiker ab?

Und wie. Sehen Sie sich die doch mal an: Geschwätzigkeit, Disziplinlosigkeit, Wichtigtuerei und Feigheit. Denen fehlen alle Kardinaltugenden. Dauernd kommt einer mit halbgaren Ideen um die Ecke.

Wie eine vorgezogene Neuwahl?

Ein hervorragendes Beispiel. Schröder und Fischer geht jedes Verfassungsverständnis ab. Die schustern sich Recht und Ordnung nach Lust und Laune zusammen. Das sind reine Machtmenschen und dazu noch unmoralische und verkrampfte Laienschauspieler. Klar, dass die Wähler die Schnauze voll haben.

Zum Beispiel ...

... von den Grünen. Und besonders von Claudia Roth. Ich muss Ihnen sagen, die Frau wirkt auf mich hochgradig zölibatverstärkend.

Als Verfechter der katholischen Soziallehre haben Sie den Deutschen schon vor 20 Jahren eröffnet, sie seien ein selbstmitleidiges Volk, lebten über ihre Verhältnisse ...

Ich lag doch nicht falsch. Soziale Gerechtigkeit ist ein Gummibegriff und eine politische Worthure. Und die politischen Freier tänzeln ständig um sie herum.

Also keine Milde für die neue Linkspartei?

Milde? Das sind doch bestenfalls Querulanten. Der bemitleidenswerte Herr Lafontaine hat sich zum Spätpubertierenden entwickelt.

Was tun Sie eigentlich, wenn Sie mal nicht stänkern?

Espresso trinken, Bücher schreiben, für die Menschheit beten und mir in meiner Hauskapelle selbst die Predigt halten. Außerdem bin ich ein großer Anhänger des Mittagsschlafes.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 30/2005

Zur Person Streithofen, 1925 in Anrath geboren, lernte Textilkaufmann. Als 17-Jähriger wurde er zur Wehrmacht eingezogen. 1950 trat er in den Dominikanerorden ein; Priesterweihe 1956. Im Kloster Walberberg bei Bonn profilierte sich der mediengewandte Pater, der neben Philosophie und Theologie auch Volkswirtschaft und Soziologie studierte, zum meinungsstarken Konservativen. Wie groß sein politischer Einfluss als Berater Helmut Kohls war, wusste er stets zu verschleiern.

Christoph Wirtz
 
 
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