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8. Februar 2009, 05:54 Uhr

... Birgit Breuel?

Die Tochter aus hanseatischer Kaufmannsfamilie und CDU-Politikerin leitete als Generalkommissarin die Organisation der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover.

CDU, Roman Herzog, Expo, Weltausstellung

Birgit Breuel, 71, im Garten ihres Hauses in Hamburg© Volker Hinz

Seit die Weltausstellung 2000 zu Ende ging, hat man kaum mehr etwas von Ihnen gehört. Warum?

Nach der Expo habe ich mich selbst privatisiert und nach über 20 Jahren intensiver Arbeit in öffentlichen Ämtern ein neues Kapitel meines Lebens begonnen.

Sie haben sich früher nicht immer die leichtesten Jobs ausgesucht - Finanzministerin in Niedersachsen, Treuhand-Chefin, später dann Leiterin der Expo. Gab es keine dankbareren Aufgaben?

Alle drei Ämter habe ich aus innerer Überzeugung wahrgenommen. Als Landesministerin bieten sich viele Möglichkeiten, eigene politische Vorstellungen zu verwirklichen. Die Treuhand hatte nach der wunderbaren Wiedervereinigung Deutschlands die gewaltige historische Aufgabe, eine ganze Planwirtschaft in eine soziale Marktwirtschaft zu überführen - eine Voraussetzung für das Zusammenwachsen von Ost und West. Die Expo bot die Chance, nachhaltiges Denken zu fördern und unser Land der Welt als sympathischen Gastgeber zu präsentieren.

CDU, Roman Herzog, Expo, Weltausstellung

Und im April 1998 mit dem damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, der sich über die Expo informieren lässt© Andreas Altwein/Picture-Alliance

14 Jahre ist es her, dass die Treuhand ihre Arbeit eingestellt hat. Eine Bilanz?

Für mich war das Wichtigste, dass wir um jede einzelne Firma gerungen haben. Das hat die Öffentlichkeit leider oft anders wahrgenommen. Bei allen schmerzlichen Entscheidungen, die wir treffen mussten, stehe ich zu dieser Arbeit. Natürlich haben wir auch Fehler gemacht, von denen jeder einzelne zu bedauern ist. Aber wir mussten gerade am Anfang schnell entscheiden, um den Firmen und den Menschen zu helfen. Wenn ich heute die neuen Länder besuche, finde ich nicht nur eine gute Infrastruktur, sondern auch eine in weiten Teilen gute Wirtschaftsstruktur vor.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag bei der Treuhand erinnern?

Karsten Rohwedder begrüßte mich mit den Worten: "Willkommen, Sie haben kein Büro, keine Mitarbeiter, aber sechs Säcke Post im Keller." Die ersten Tage hatte ich jede halbe Stunde ein Gespräch mit Unternehmensberatern aus ganz Deutschland, die ich einstellen konnte. Jedem war gesagt worden: "Bringen Sie Ihre Zahnbürste mit." Wenn sie gut waren, habe ich sie auch sofort genommen. Am nächsten Tag rief ich dann den jeweiligen Arbeitgeber an und sagte: "Der kommt nicht wieder."

Das größte Versäumnis?

Dass wir uns nicht genügend um die Industrieforschung gekümmert haben.

Und heute …

… kümmere ich mich um meinen Mann, meine drei Enkel und um unsere Stiftung. Außerdem liebe ich Gartenarbeit - und das war es. Erstaunlicherweise geht es mir gut dabei. Meine Familie hätte mir das übrigens nie zugetraut.

Ihre Stiftung, wofür engagiert die sich?

Mein Mann und ich haben die Philip Breuel Stiftung im Namen unseres 1990 verstorbenen Sohnes Philip gegründet. Er war bildender Künstler und hatte den Traum, mit Kindern, die es schwer haben, künstlerisch zu arbeiten. Wir wollten das, was ihm vorschwebte, in diese Familienstiftung einbringen: Kinder aus sozialen Brennpunkten und schwierigen Familienverhältnissen haben in unseren Kinderkunstklubs die Chance, ihrem Leben einen Schubs für eine bessere Entwicklung zu geben. Sie sollen durch kreative Arbeit Selbstvertrauen gewinnen, damit sie dann auch in der Schule besser bestehen können, bessere Abschlüsse erreichen und die Integration in unsere Gesellschaft aus eigener Kraft schaffen können.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 06/2009

Zur Person Birgit Breuel wird 1937 als Tochter des Kaufmanns und Bankiers Alwin Münchmeyer in Hamburg geboren. Sie studiert Politikwissenschaften in Hamburg, Oxford und Genf, heiratet 1959 den Kaufmann Ernst-Jürgen Breuel. 1966 Eintritt in die CDU. Ernst Albrecht holt sie 1978 als Ministerin für Wirtschaft und Verkehr nach Niedersachsen, 1986 wird sie Finanzministerin. Von 1991 bis 1994 ist sie als Nachfolgerin des ermordeten Detlev Karsten Rohwedder Präsidentin der Treuhand, später übernimmt sie die Leitung der Expo 2000 in Hannover. Birgit Breuel lebt mit ihrem Mann in Hamburg; sie haben zwei Söhne. Ein dritter, Philip, starb 1990 an Krebs. Ihm ist die "Philip Breuel Stiftung" für Kinder in Not gewidmet (www.philip-breuel-stiftung.de).

Interview: Stefan Doblinger
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
mea_culpa (08.02.2009, 16:56 Uhr)
Abzockerin
mehr nicht.
fritzfrie (08.02.2009, 15:00 Uhr)
Vielleicht wäre es interessant....
...auch noch einmal an Bilanz der Expo zu erinnern. War das Minus eigentlich noch im Millionen- oder schon Milliardenbereich ??
Livia008 (08.02.2009, 12:09 Uhr)
Ich kritisiere nicht gerne Geschlechtsgenossinen, aber
Birgit Breuel ist die meist überschätzte Frau unserer Republik!
Alles was sie geworden ist, wurde sie durch ihre großbürgerliche Herkunft und durch ihren Ehemann!
Sie selbst hatte lediglich ein abgebrochenes Studium und eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau zu bieten (und natürlich eine CDU-Parteimitgliedschaft). Das war alles. Aber: mit viel Vitamin B konnte sie damit niedersächs. Finanzministerin (als Einzelhandelskauffrau!), Präsidentin der Teuhandanstalt und Generalkommissarin der Expo 2000 werden.
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Gerade als Teuhandchefin empfand ich sie als Totalversagerin. Aufgabe der Treuhand war damals, die Volkseigenen Betriebe der DDR nach den Grundsätzen der Marktwirtschaft zu privatisieren oder, wenn das nicht möglich war, stillzulegen und die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern. Aufgrund unterschiedlicher Probleme wurden jedoch viele Betriebe geschlossen und im Umfeld der Privatisierung kam es zu einigen Fällen von Fördermittelmissbrauch und Wirtschaftskriminalität, was das Ansehen der Bundesanstalt beschädigte. Wer das ganze Ausmaß des Versagens der Treuhandmanager unter ihrer Ägide nachlesen möchte, dem empfehle ich als Kurzinfo: "http://de.wikipedia.org/wiki/Treuhandanstalt" und hier v.a. den Abschnitt "Betrugsfälle". Frau Breuel zog am Ende ihrer Treuhandherrschaft übrigens eine positive Bilanz!
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Nein, an unqualifizierte (überschätzte und überbezahlte) Menschen wie Frau Breuel möchte ich mich nicht mehr erinnern. Ihr "Verdienst" war ihre Herkunft aus dem Geldadel. Und von Adel jeglicher coleur sollten wir eigentlich alle die Nase gestrichen voll haben! Das bürgerliche Prinzip heißt: Leistung!
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