Der Jurist, mit einem vereinfachten Steuermodell bekannt geworden, gehörte 2005 zum Wahlkampfteam von Angela Merkel und wurde von Gerhard Schröder als "dieser Professor aus Heidelberg" geschmäht.

Paul Kirchhof, 64, im Garten der Universität Heidelberg© Espen Eichhöfer
Selten. Auch wenn mir dieser Wahlkampf manche wichtige Erfahrung gebracht hat. Er war ein vierwöchiger Crashkurs in praktischer Demokratie und ein Vertiefungskurs in Fragen der Menschenkenntnis.
Das glaube ich nicht. Wäre ich nicht gewesen, hätte sich der Wahlkampf auf eine andere Person konzentriert. So waren es eben der ‚Professor aus Heidelberg‘ und seine Reform der Steuergesetzgebung. Der politische Gegner hat sehr schnell erkannt, dass unser Konzept ein Juwel ist. Und die Menschen haben das auch verstanden.
Nein. Ich bin nicht Finanzminister, weil das Wahlvolk anders entschieden hat. In der Aufgeregtheit des Wahlkampfes ist es der anderen Seite gelungen, das Steuerkonzept, für das ich stehe, durch Desinformation so zu verfremden, dass die Menschen am Ende gar nicht mehr gewusst haben, worüber sie eigentlich abstimmen.
Na ja, ich sehe eher, dass wir die einmalige Chance des Aufschwungs nicht nutzen, unser Recht dauerhaft so umzubauen, dass Deutschland stärker und nicht schwächer wird. Wir müssen endlich diese Beharrungselemente des Bürokratischen, der Übernormierung und der vermeintlichen Einzelfallgerechtigkeit - die der sicherste Weg zum Einzelfallunrecht ist - überwinden. Das Gegenteil geschieht.
Eine solche Frage wird ein kluger Mensch offenlassen. Aber ich habe natürlich sehr klare Vorstellungen, wie ich Ihre Frage beantworten könnte.
Ich bereite sie selbst vor und verantworte sie selbst. Das sind die beiden schwersten und unerfreulichsten Tage des Jahres: ein völlig überflüssiger Verschleiß von Konzentration und geistiger Energie. Würden wir alle Steuerprivilegien abschaffen, könnten wir die Steuererklärung im Normalfall zu einer Sache von zehn Minuten machen! Bedauerlicherweise hat unser Steuerrecht mit den Jahren ein unüberschaubares System der Privilegien geschaffen, in welchem sich zwar jeder Bürger auf der Seite der Begünstigten wähnt, eigentlich aber alle benachteiligt sind.
Falsch! Als das Bürgerliche Gesetzbuch im Jahr 1900 veröffentlicht wurde, da schrieb die "Juristische Wochenschrift", dies sei ein Professorenwerk, viel zu theoretisch, ohne Zukunft. In Wirklichkeit profitieren wir noch heute vom BGB - es begründet unseren Wohlstand. Die Rechtsgeschichte lehrt: Ein in sich stimmiges und geschlossenes Konzept, ordentlich formuliert und hinreichend energisch verbreitet, setzt sich durch. Gegen allen Kleinmut, gegen Partikularinteressen, gegen tagesaktuelle Einwände. Da muss man nicht verzagt sein.
So mir eine normale Lebensfrist beschieden ist – mit Sicherheit! Dafür kämpfe ich in einem ermutigenden Umfeld.
Nein. Wenn es denn geschafft sein wird, dann schauen wir nicht zurück, sondern freuen uns an der Gegenwart. Und den Minister, der dieses dann bewirkt hat, den heben wir auf den Schild und rufen: "Bravo! Danke! Das war eine Tat!" - und wählen ihn geschlossen wieder.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 26/2007