Der gelernte Journalist schrieb unter anderem mit der Serie "Ein Herz und eine Seele" und seinem Protagonisten Ekel Alfred Fernsehgeschichte; die Serie startete 1973.

Wolfgang Menge, 84, im Garten seines Hauses in Berlin-Zehlendorf© Gerhard Westrich
Natürlich, warum sollte ich nicht?
Ach nein, ich schalte sogar häufig ein. Oft allerdings nur, um nach zehn Minuten wieder auszuschalten oder auf Premiere überzugehen.
Serien aus Deutschland langweilen mich zu Tode. Die seh ich schon seit Jahren nicht mehr.
Ohne mich selbst als Nörgler zu bezeichnen: Nörgler und Weise sind keine Gegensätze. Weise können ebenfalls nörgeln.

Und Mitte der 70er Jahre: das Moderatoren-Team von "3 nach 9", Marianne Koch und Wolfgang Menge, mit einem Gast (M.)© Picture-Alliance
Wenn ich einschalte, läuft fast immer Werbung. Und fast regelmäßig werde ich dann mit einem Spot für die "Apotheken Umschau" konfrontiert. Da wird mir mitgeteilt: "Fragen Sie in Ihrer Apotheke gezielt nach der 'Apotheken Umschau'." Gezielt, sagt der Sprecher. Soll ich in der Apotheke etwa nach neuen Kartoffeln fragen?
Was Serien angeht, halte ich fast sämtliche britischen oder amerikanischen für besser. Wie "CSI" aus Amerika. Anspruchsvoll, gute Handlung und von Leuten gemacht, die sich Mühe geben. Deutsche Serien stecken noch in der analogen Technik; amerikanische und britische Serien sind schon lange in der digitalen Welt eingetroffen. Allerdings haben amerikanische Produzenten für eine Folge mehr Geld zur Verfügung als wir für einen 90-Minuten-Film!
Ich mag nicht mehr. Wir hatten früher ja auch Sorgen. Auch wir haben uns ständig überlegt, wie man das Publikum fesselt. Aber wir haben uns immer nur an das gehalten, was wir für richtig hielten. "Ein Herz und eine Seele" oder "Stahlnetz" wären heute nie ins Programm gekommen. Man muss den Zuschauer auch ein wenig erziehen, wenn man Qualität haben will.
Nein. Ich hätte aber Lust, etwas über Hamburger Straßennamen zu machen. In meiner Heimatstadt gibt es viele Straßen ohne "Straße" oder "Allee" im Namen. "Große Bleichen", "Schulterblatt" oder "Speersort". Das ist doch faszinierend, oder?
Das weiß ich noch nicht. Ich hoffe, dass mir etwas Passendes einfallen wird.
Das läuft ziemlich spät, oder?
Um die Zeit liege ich schon im Bett. Aber auch als ich die Sendung noch moderiert habe, habe ich sie nur in den seltensten Fällen noch mal auf Band angesehen. Marianne Koch, meine Co-Moderatorin, hat das immer am Tag nach der Ausstrahlung gemacht. Für mich wäre das Zeitverschwendung gewesen.
Nicht viel. Ich lese vier Zeitungen, ein paar Wochen im Jahr bin ich im Haus auf Sylt, wir bekommen viel Besuch, und sonst sage ich dem Gärtner, was zu tun ist. Aber der macht sowieso, was er will.
Eigentlich schon, ein paar Gedächtnislücken sind geblieben. Das ärgert mich. Und dass ich seitdem nicht mehr Auto fahren kann. Das ist das Schlimmste. Seit einem halben Jahr will ich schon ins KaDeWe. Denken Sie, ich komme dahin? Nein.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 39/2008
Zur Person Wolfgang Menge, 1924 in Berlin geboren, wuchs in Hamburg auf. Er arbeitete zunächst als Journalist im In- und Ausland, war zum Beispiel der erste deutsche Reporter in Tokio oder auf der Fahrt der transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau. Ab Mitte der 60er Jahre begann er Drehbücher zu schreiben, u. a. für die Reihe "Stahlnetz" oder den "Tatort". 1974 gehörte er zu den Gründungsmoderatoren der Bremer Talkshow "3 nach 9". Heute lebt er mit seiner Frau Marlies in Berlin-Zehlendorf; das Paar hat drei Söhne.