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TV-Tipp 31.12.: "Ein Herz und eine Seele - Silvesterpunch": "Das ist Punsch, du dusselige Kuh. Punsch, Punsch, Punsch!"

The same procedure as every year. Nein, nicht die mit dem Tigerfell. Zum Jahresausklang lädt Ekel Alfred zum "Silvesterpunsch". Stößchen!

Ein Ekel zum Liebhaben: Alfred Tetzlaff (Heinz Schubert, 2.v.r.) motzt sich durch den Silvesterabend

Ein Ekel zum Liebhaben: Alfred Tetzlaff (Heinz Schubert, 2.v.r.) motzt sich durch den Silvesterabend

"Ein Herz und eine Seele - Silvesterpunsch"
17.55 Uhr, NDR; 18.20 WDR; 18.35 RBB; 18.40 SWR; 22.15, WDR
SOZIALSATIRE. Da kann Freddie Frinton noch so häufig über den Tigerkopf stolpern. Ich stehe auf Arschlöscher, zumindest im TV-Programm und an Silvester. Jedes Jahr zum Jahresende blicken die dritten Programme in die hässliche Fratze reaktionären Spießertums. Und Alfred Tetzlaff (Heinz Schubert), Gatte von Else (Elisabeth Wiedemann) und ewiger Nemesis von Frau Suhrbier, grinst zurück. Zieht sich die Hosenträger zurecht und poltert gegen Sozis, Frauen, Ausländer und so ziemlich alles, was auf Erden kreucht und fleucht. Kaum zu glauben, dass eine derart anarchische Serie heute noch durch die hyperkorrekten Gremien der Öffentlich-Rechtlichen gewunken würde.

Dabei war "Ekel Alfred" schon politisch inkorrekt, als auf der Mattscheibe noch wie ein Schornstein gequarzt und gesoffen wurde. Statt Bilderbuchfamilie knallte uns der große Wolfgang Menge bitterböse Satire vor den Latz. Und schuf mit dem Familientyrannen und seiner leicht bräsigen Ehefrau Figuren, die viel weniger Karikatur waren, als uns auch heute noch lieb ist.

Dass ausgerechnet die Menschen, die Menge mit seinem Alfred parodieren wollte, zu den glühendsten Verehrern des Pantoffelhelden zählten, dürfte den Autoren allerdings selbst überrascht haben. Ganz unverständlich ist es allerdings nicht. Denn gerne wird vergessen, dass in Menges Serie praktisch jeder sein Fett weg bekam. Selbst in Sozi-Schwiegersohn Michael (Diether Krebs), noch am ehesten als Identifikationsfigur für den Zuschauer zu erkennen, ist längst als ein kleiner Macho angelegt.

Lange vor "Stromberg" und Co. schuf Menge mit den Tetzlaffs die ersten Anti-Helden der bundesrepublikanischen TV-Geschichte. Doch bleibt die Serie auch im 21. Jahrhundert mehr als nur faszinierendes Kuriosum: Denn irgendwann kommt er immer, dieser Moment, in dem mir Alfred mit seinem sexistischem Müll ein Lachen entlockt. Ein Stück Tetzlaff steckt wohl in uns allen. Gruselig.

Ein bisschen naiv ist Sugar (Marilyn Monroe) schon: Noch ahnt die Sängerin nicht, dass ihre "Kollegin" in der Badewanne in Wirklichkeit Joe (Tony Curtis) heißt und ein Mann ist.

Ein bisschen naiv ist Sugar (Marilyn Monroe) schon: Noch ahnt die Sängerin nicht, dass ihre "Kollegin" in der Badewanne in Wirklichkeit Joe (Tony Curtis) heißt und ein Mann ist.

"Manche mögen's heiß"
1.55 Uhr, ARD

SCREWBALL-KOMÖDIE "Well, nobody's perfect!" Der allerletzte Satz von Billy Wilders Kult-Komödie ist längst zum geflügelten Wort geworden. Lange vor Mrs. Doubtfire und Olivia Jones schmissen sich Tony Curtis und Jack Lemmon bereits 1959 in Frauenkleider, um der Rache der Mafia zu entkommen und den Kinozuschauern ein Feuerwerk an frivolen Gags zu liefern.

Wir befinden uns im Chicago der Prohibitionszeit. Die Jazz-Musiker Joe und Jerry werden zufällig Zeuge, wie sich die Mafia einiger Gegenspieler entledigt. Um nicht selbst bei den Fischen zu enden und unerkannt aus der Stadt zu fliegen, verkleiden sich die beiden als Damen und heuern bei einer Frauenkombo an. Doch damit beginnen erst die Probleme: Während Joe sich in einer bezaubernde Sängerin (Marilyn Monroe) verguckt, hat Jerry mit den Avancen eines Multimillionärs zu kämpfen. Als dann auch noch das Mafia-Syndikat seine Hauptversammlung in Joes und Jerrys Hotel abhält, wird ihnen der Boden endgültig zu heiß unter den Füßen.

Zwei TV-Tipps von Jens Wiesner, freier Autor beim stern, der sich hiermit von den TV-Tipps verabschiedet. It was a fun ride. Folgen können Sie mir natürlich trotzdem noch, wenn Sie mögen - auf Facebook oder Twitter