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11. Juli 2006, 16:30 Uhr

"Im nächsten Leben werd' ich Spielerfrau"

Was wäre die WM gewesen ohne die Spielerfrauen, allen voran die englischen. Sie haben getrunken, geshoppt und gesungen - und uns damit besser unterhalten als ihre Männer. Von Claudia Pientka

Die Aufregendsten von allen, zumindest was den Lebenswandel betrifft: Die englischen Spielerfrauen während des Spiels England gegen Ecuador© Ronald Wittek/DPA

Aus. Vorbei. Zu Ende. England hat einen neuen Nationaltrainer und der zückt als erste Amtshandlung die rote Karte - und zwar für die Spielerfrauen. Wags, heißt "wives and girlfriends", sollen nach dem Willen von Trainer Steven McLaren bei künftigen Cups bitte zu Hause bleiben, so berichtet die "Sunday Times". Immerhin haben sie während ihres Aufenthalts im Kurort Baden-Baden für jede Menge Schlagzeilen gesorgt, und damit, glaubt McLaren, dem Spiel ihrer Mannen geschadet.

Was den Spielern vermeintlich dienen soll, ist eine Horrorvorstellung für Journalisten, Wirte und Verkäufer. Schließlich haben die hübschen Anhängsel bei dieser Weltmeisterschaft oft für mehr Gesprächsstoff gesorgt als ihre kickenden Männer. Während Becks und Co. uninspiriert von Runde zu Runde stolperten, versüßten Victoria und Konsorten das Leben der Baden-Badener. Und was durfte der interessierte Leser nicht alles erfahren über die Lebensgewohnheiten der Schönen: Wayne Rooneys Freundin Coleen McLoughlin kaufte T-Shirt, Blusen und Schuhe für 1300 Euro. Aha. Stewart Downings Freundin ging zu einem deutschen Friseur - Shocking! Und Victoria Beckham überquerte den Ärmelkanal mit einem Privatjet für 30.000 Euro, weil ihr Linienflug Verspätung hatte. Aber das ist normal.

"Kein Goldkettchen auf zwei Beinen"

Weniger normal fand die englische Boulevard-Zeitung "Daily Telegraph", dass Mrs Beckham abseits der anderen Spielerfrauen speiste: an ihren Tisch durften nur Schwiegermutter, Schwägerin und Cheryl Tweedy, Freundin von Ashley Cole. Noch erstaunlicher war eigentlich nur, dass Victoria überhaupt speiste, hatten ihre öffentlichen Auftritte in Mini-Shorts, Mega-Sonnenbrille und Tops aus der "Gap"-Kinderabteilung anderes vermuten lassen. Überhaupt sorgten die Royals unter den Spielerfamilien für zwischenstaatliche Konflikte: Erst spottete die "Bild-Zeitung" über die Speckröllchen der Beckham-Schwester Joanne, dann wütete die "Sun" empört zurück, woraufhin die "Bild" zu Versöhnung Elen Rives, Spanierin und Freundin des Mittelfeldakteurs Frank Lampard, zur Schönsten aller Spielerfrauen kürte.

England, Brasilien, Deutschland und ihre Spielerfrauen Victoria Beckham, Raica Oliviera und Verena Kerth© Ronald Wittek/DPA; Stephan Schraps/DDP; Sebastian Willnow/DDP

Traurig und leer wären die englischen Zeitungsseiten ohne das fidele Leben der Spielerfrauen gewesen, ebenso leise das Rauschen im deutschen Blätterwald. Von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bis zur "Financial Times Deutschland", vom "Spiegel" bis zur "Bild" wurde das neue soziale Phänomen begutachtet. Der "Spiegel" präsentierte die moderne Spielerfrau als "selbstbewusst und unabhängig", "kein bloßes Anhängsel mehr, kein Goldkettchen auf zwei Beinen", als Beispiel dienten die Models Raica Oliviera (zu Ronaldo), Alena Seredova (an der Seite von Gianluigi Buffon) und Pamela Diaz (Begleitung des Chilenen Manuel Neira), die mit einer Unterwäsche-Schau für Furore gesorgt hatten. Und sogar die "Sunday Times" kürte die "Top Ten World Cup Wives", mit der Siegerin Kristen Shevchenko und Verena Kerth auf Platz neun.

Mehmet Scholl wurde einst gefragt, welchen Beruf er gerne im nächsten Leben ausüben möchte. "Spielerfrau bei Bayern München", antwortete der Fußballer. Denn war die Rolle der Kicker-Partnerin einst assoziiert mit nervenden Managerinnen und scheuen Mäuschen, ist sie heute zu einem regelrechten Beruf mutiert. Die Qualifikationen? Shoppen, Modeln, Kinder kriegen. Und zu Weihnachten gibt's noch einen Präsentekorb vom Verein. Dafür schmücken die holden Gattinnen die Stadientribünen, machen ihre Männer medienfit und ausgehtauglich und beschäftigen die hungrige Pressemeute, damit ihre Kerle in Ruhe trainieren können. Vielleicht sollte Trainer McLaren seine Taktik nochmals überdenken - damit der Schuss nicht nach hinten losgeht.

Von Claudia Pientka
 
 
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