Lieschen Müller und der Luxus

17. Mai 2008, 10:00 Uhr

Massivgold-Handys, edelsteinbesetzte Schrotflinten, ein Parfüm für 250.000 Euro – auf der Luxus- und Millionärsmesse in München gibt es alles, was den "Reichen vom Armen unterscheidet". Kritiker dagegen meinen, auf der Messe sei lediglich das zu sehen, was sich Lieschen Müller unter Luxus vorstellt. Von Sylvie-Sophie Schindler

Luxus

Eine Million Euro soll das Selbstbildnis der Künstlerin Tania Prinzessin Bose Roy Chowdhury auf der Millionärsmesse "Luxurious Fair" kosten©

Jetzt ist es aber gut! Frank Elstner kann ruhig rauskommen, das muss doch hier die versteckte Kamera sein, ganz klar. Doch Frank Elstner taucht nicht auf. Und Holger Breiner bricht auch nicht in schallendes Gelächter aus und schlägt sich dabei mit seiner Hand auf die Stirn, diese typische Ach-wie-blöd-bin-denn-ich-Geste. Hier wird also nicht für die TV-Show "Verstehen Sie Spaß?" gedreht. Aber irgendjemand muss sich diese fernsehreife Szene doch ausgedacht haben: Holger Breiner, Veranstalter der Luxusmesse "Luxurious Fair", hat es eilig. Sehr eilig sogar, da wird er plötzlich von vier dunkel gekleideten Ausstellern umzingelt. Aufregung, hektische Gesten. "Hier rennt einer herum und erzählt den Leuten, unsere Messe sei keine Luxusmesse", zischelt einer zu ihm. "Er nennt sich Mister Moneymaker", raunt ein anderer. Holger Breiner setzt ein Gesicht auf wie ein "Tatort"-Kommissar kurz vor der Überführung des Täters. Er sagt, und sein Tonfall ist schneidend: "Zeigt ihn mir!"

Dagegen kommt auch Gast und Never-Ending-Playboy Rolf Eden nicht an, und mag sein geschniegelter Anzug noch so blendend weiß sein. Michael Ammer ist übrigens auch da auf der Münchner Praterinsel, genau wie Katja Bienert und Giulia Siegel. Wer die Namen nicht kennt, hat auch nichts verpasst. "Robbie Williams kommt auch noch", verrät Holger Breiner. Robbie Williams? Der Superstar? Wirklich? Holger Breiner überlegt, runzelt die Stirn, die Augen hinter seiner Sonnenbrille blicken müde. "Ron Williams", verbessert er sich. Gut, kann schon mal passieren, dass man einen D-Prominenten mit einem A-Prominenten verwechselt.

Keine Exklusivveranstaltung für Superreiche

Breiner betitelt die von ihm und Jürgen Bremer aus dem Boden gestampfte "Luxurious Fair" als "erste deutsche Luxus- und Millionärsmesse." Das missfällt nicht nur dem mysteriösen "Mister Moneymaker", auch Klaas Obma hat etwas dagegen. Der nämlich veranstaltet die "Millionaire Fair", die im Oktober erstmals in Deutschland stattfinden wird, auf dem Messegelände in München Riem. "Wir sind das Original", sagt Klaas Obma. Und tatsächlich gibt es die "Millionaire Fair" bereits seit 2001, die Messe für die oberen Zehntausend gastierte schon in Dubai, Moskau, Cannes, Amsterdam und Shanghai. "Wir können das auch", meint Holger Breiner.

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Holger Breiner - als Organisator der "Luxurious Fair" ist er dieser Tage ein gefragter Mann©

Bis Sonntag, 18. Mai werden 70 Aussteller auf 3000 Quadratmetern ihre Produkte zeigen. Eine Exklusivveranstaltung für Superreiche ist es nicht: Wer 35 Euro zahlt, kommt rein. Renate Steiger zum Beispiel, die gesteht: "Mein Geldbeutel ist zu klein, um etwas zu kaufen." Vor wenigen Minuten noch bestaunte sie ein Handy aus Massivgold, mit 1720 Diamantsteinchen besetzt. Kostenpunkt: 179.000 Euro. "So etwas sieht man nicht alle Tage, mir ist jetzt noch ganz heiß", sagt sie. Freundin Edeltraud Langer stöhnt: "Oh je, hier kommt man erst auf Ideen, was man sich wünschen könnte." Eine Hoffnung haben beide: "Vielleicht gewinnen wir noch im Lotto, dann schlagen wir zu."

"Der reiche Jäger will sich vom armen Jäger unterscheiden"

Ob man aber seinen Lottogewinn ausgerechnet auf der "Luxurious Fair" lassen sollte, darf man sich gerne zwei Mal überlegen: Einige Produkte geben zwar vor, exklusiv zu sein, doch man hat so seine Zweifel, ob sie es tatsächlich sind. Wie erklärt sich beispielsweise der Preis für das 13-seitige Buch "Die Aufgabe", für das der Schweizer Autor Alexander Hartmann 156 Millionen Euro verlangt? "Niemand weiß, was drin steht", argumentiert Messesprecher Hans Mühlbauer. "Sonst wäre es ja nicht so teuer." Und wie erklärt sich, dass die Urenkelin des letzten Königs von Bengalen Selbstporträts verkauft, deren künstlerische Qualität in einem merkwürdigen Verhältnis zum Preis von einer Million Euro steht?

Manche Dinge werden auch einfach nur auf Luxus getrimmt: bauchige Plastikflaschen beispielsweise mit Diamanten besetzt, Opale auf Schrotflinten angebracht. Und wer wissen will, ob die Welt wirklich auf eine Edelstein besetzte Schrotflinte für 70.000 Euro gewartet hat, dem antwortet Hersteller Oswald Prinz: "Der reiche Jäger will sich ja vom armen unterscheiden". Und weil sich der reiche Strandkorbbesitzer vom armen Strandkorbbesitzer unterscheiden will, sind Strandkörbe mit Infrarotlampen zu haben, mit Kühlbox und mit eingebautem Aschenbecher. Auf der Messe gibt es auch Whirlpools mit Düsen, die irgendwie alles können. Keramiküberzüge für die Zähne, ein 250.000- Euro-Parfum, einen 375.000-Euro-Flügel mit einer Tonne Gewicht und die Yacht "Christina O." für 70.000 Euro Chartergebühr pro Tag. Immerhin inklusive einer 30-köpfigen Crew.

Luxus à la Lieschen Müller

Für zwölf Quadratmeter Ausstellungsfläche müssen die Aussteller 4800 Euro hinblättern. Ob sich die Investition lohnt? "Jede Möglichkeit, sich zu präsentieren auf einer Messe ist eine tolle Chance", sagt Oliver Gebert mit seiner Edelhandy-Kollektion. "Das ist reine Zeitverschwendung hier", schimpft ein anderer Aussteller. "Die wirklich Reichen kommen garantiert nicht. Hier wollen alle nur gucken, aber nicht kaufen." Er sagt, er habe sich das anders vorgestellt. Als er sieht, wie zwei sehr blondierte Frauen im weißen Luder-Outfit mit Cowboystiefeln hereinkommen, schüttelt er den Kopf.

Alles nur geträumt? Messebesucher Hasan Cobanli, noch eben in eine Armbanduhr vertieft, ist sich nicht sicher, wo er hier gelandet ist. "Wird hier gezeigt, was sich Lieschen Müller unter Luxus vorstellt?", fragt er sich. Seine Beurteilung der "Luxurious Fair" lautet: "Grässlich!" Und seine einzige Hoffnung ist: "Vielleicht ist das alles eine ganz große Verarschung, und wir fallen alle drauf rein". Insofern, lieber Frank Elstner, kommen Sie doch bitte endlich heraus aus Ihrem Versteck.

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KOMMENTARE (6 von 6)
 
Zuechter (18.05.2008, 08:36 Uhr)
was ist ein Luxusartikel?
wenn cih mir einen Diamanten auf meine Zahnbürste klebe habe ich einen Luxusartikel? Ist doch albern
mupfeline (17.05.2008, 15:24 Uhr)
@Barbourboris
Nicht dass ich wüsste!
Barbourboris (17.05.2008, 15:01 Uhr)
@mupfeline
Sie träumen also nicht von diamantenbesetzten Birkenstocksandalen ?
mupfeline (17.05.2008, 13:18 Uhr)
Reichtum ... wenn man es so nenne will
ist Gesundheit, eine liebevolle Familie und ab und zu ein paar schöne Stunden. Mitnehmen können die Reichen auch nichts ins "nächste" Leben und das letzte Hemd hat noch nicht mal für die Milliardäre Taschen. Deshalb verstehe ich Leute nicht die auf solche Messen gehen ... sie haben noch nicht begriffen was wirkliche Werte sind. Eigentlich sind sie zu bedauern.
Maria1000 (17.05.2008, 12:49 Uhr)
Stimme Bumpinger zu.
Die gebildeten Reichen kümmern sich nicht um Konsumplunder. Um sowas kümmern" sich nur die unteren Schichten, also Lieschen Müller. Der Luxus wirklich Reicher (ich kenne und kannte einige) besteht für diese selber, und DAS nur kaufen die sich auch mit Geld:
1. Freiheit
2. Zeit
3. haben völlig andere INTERESSEN als wie zum Konsumidioten zu mutieren, also sind statt an Konsum an Karriere, Macht, relaxtes Leben etc interessiert.
Kein wirklich(!) Reicher würde seine Zeit mit Shoppen verplempern...Wirklich Reiche interessiert auch nicht, was der Nachbar DENKT, das ist nur für Lieschen Müller wiederum interessant.
die einzigen, die an solchen Messen und dem dort Gezeigten vielleicht Interesse haben "könnten" (kenne keine solchen Reichen, daher "könnten"!) sind die ungebildeten durch Lottogewinn, Erbe, oder ähnliches "aufgestiegenden" schlecht gebildeten Neureichen! (und mit Bildung meine ich hier NICHT die Schulbildung!).
Solche Messen werden doch nur für die Boulevardmedien, BILD und deren Leser veranstaltet!
Die Handies der meisten Reichen, die ich kenne, sind mindestens 5 Jahre alt und ganz normale Preisklasse ohne Proll-Schnickschnak! Reiche hätten schon gar keine Lust sich alle 3 Monate in ein neues Handymenue und Bedienungsanleitung einzuarbeiten".....*g*
Wenn ich genauer nachdenke, hat auch nicht mal die HÄLFTE einen Plasma-TV oder ähnlichen Plunder, gucken alle noch "Röhre" - vor allem gucken wirklich Reiche eh selten fern, die haben in der Tat Besseres und Schöneres zu tun, z.B. Reisen, Aufenthalt in Ferienhäusern, Hobbies pflegen, usw....
Bumpinger (17.05.2008, 11:54 Uhr)
Alles Blödsinn !
Stimmt. Leute die reich sind kommen nicht zu Messen. Die schicken dann ihre Einkäufer, bzw. Einkäufer unterbreiten Vorschläge, was zu kaufen interessnt wäre. Dann wird ein Termin gemacht im Laden, bzw. der Verkäufer kommt ins Haus. Erst dann wird gekauft. Und überhaupt ist es nur ein Bruchteil von Reichen, die sich Handys mit Diamanten kaufen oder Gewehre mit Gold. Die wirklich Reichen haben sowas in der Regel nicht, die interessieren sich nicht für Handys mit Diamanten oder dergleichen Firlefanz. Das wäre Ktisch. Sie kaufen lieber Häuser oder reisen.
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