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Dreistes Angrapschen und etwas Wackelpudding bei "Curvy Supermodel"

Ghetto-Bräute, das Comeback der Pralinenschachtel und Peyman Amin eskaliert. Die zweite Woche "Curvy Supermodel" wird zu einer Blaupause der ersten Folge. Wann geht es endlich richtig los?

Von Marie von den Benken

Die erfolgreichsten Curvy Models der Welt heißen Fluvia Lacerda, Nicole Le Bris, Melissa Masi, Danielle Line oder Ashley Graham. Die von RTL 2 nominierte Jury um Angelina Kirsch, Jana Ina Zarrella, Peyman Amin und dem jungen Joachim Llambi, Carlo Castro, ist angetreten, um aus den 15.000 Bewerberinnen wenigstens ein neues "Curvy Supermodel" zu finden. Khadija beispielsweise, die die Minuten vor ihrem ersten Auftritt vor der Jury dazu nutzt, einen Vortrag über die ausgeprägte Größe ihrer Oberweite zu halten. Oder wie sie es selber beschreibt: "Ich habe da halt einen Balkon."

Wohnung mit Balkon gesucht?

Nachdem also erste architektonische Feinheiten abgehandelt sind und den RTL 2-Redakteuren einfällt, dass Khadija ja eigentlich ein Model und keine Mietwohnung sein soll, werfen sie sie gleich schon mal direkt in den Recall und damit der Jury zum Fraß vor. Nach ihrem selbstbewussten Auftritt dort beweist sie kurz, dass sie sich nicht nur mit Balkonen, sondern auch mit Modeling auskennt. Das jedenfalls lässt folgender Dialog vermuten:

"Hast du schon mal gemodelt?"

"Ich hab schon mal Foto gemacht!"

Was ja erst mal ähnlich entwaffnend logisch ist, wie auf die Frage "Hast du schon mal einen Kuchen gebacken?" zu antworten. "Ich hab schon mal Ofen angemacht." Bevor es jetzt aber wieder Bodyshaming-Kommentare gibt, weil in einer Kolumne über "Curvy " die Vokabel "Kuchen" gefallen ist, breche ich an dieser Stelle die Beschreibung von Khadija ab. Sie ist weiter und wird uns daher ohnehin noch erhalten bleiben.

Wackelpudding, Makeup und David Hasselhoff

Nostalgisch wird es dann, als Sina-Laureen auf den Catwalk zurückkehrt. Sie hatte es bereits in Staffel 1 probiert, wurde damals aber mit den Worten "mach aus dem Wackelpudding was Festes" aussortiert. Das hat sie jetzt ein Jahr lang gemacht und will endlich Curvy Supermodel werden. Man sagt zwar, die Hoffnung stirbt zuletzt, in diesem Fall aber bereits nach knapp 80 Sekunden. Mit den Worten "Du hast zwar Kurven, aber unten zu wenig und oben zu viel" schickt sie nach Hause.

Anschließend bezeichnet er Ariella, die in diversen Einspielern etwa 24 Mal betont, dass sie "nicht mal den Müll ungeschminkt raus bringt" als "Ghetto-Schwester". Okay, sie hat mehr Liter Schminke im Gesicht als David Hasselhoff in seinem Leben Alkohol getrunken hat, aber sie auf eine Stufe mit Schwester S. zu stellen, ist dann schon ziemlich übertrieben. Seine Ghetto-Jury-Kollegen pflichten ihm allerdings bei und schicken sie zum Abschminken. Oder wie man bei Disney sagt: Ariella, die Kein-Makeup-Mehr-Jungfrau.

Peyman Amin hat mich fett genannt. Also, meinen Namen

Ohne Schminke überzeugt Ariella alle vier Juroren, und das, obwohl sie die Makeup-Maske trägt, seit sie in der Schule immer gehänselt wurde. Und während ich noch überlege, ob es bei Mädchen im Rahmen der Gender-Korrektheit nicht statt "gehänselt" eigentlich "gegretelt" heißen müsste, haut Peyman Amin den nächsten Kracher raus. Er bezeichnet Sarah Lombardi als perfekte Beraterin für die Curvy-Kandidatinnen. Ausgerechnet Sarah Lombardi, die ihr Gnadenbrot aktuell ausschließlich mit dem Promoten von Fitness- und Diät-Produkten zu verdienen scheint.

Insgesamt hat diese Woche auf jeden Fall Peyman Amin seinen großen Auftritt. Obwohl - eigentlich hatte er den schon vergangene Woche. Auf Facebook. Dort nämlich, unter dem Link zu meiner Kolumne über die Premierenfolge der zweiten Staffel, in der sich die Curvies in eine übergroße Pralinenschachtel quetschen mussten, ließ er sich zu dem Kommentar hinreißen: "Mit deinem vollen Namen könnte man aber auch locker eine ganze Pralinenschachtel füllen."   

"Curvy Supermodel" auf RTL 2: Das sind die neuen Kurvenstars
Anastasiya

Anastasiya


Du kannst mir mal den Boulah runter rouzen

Ja, Sie haben richtig gehört. Peyman Amin, der Modeljury-Hopper, hat meinen Namen curvy genannt. Okay, er ist natürlich auch einer der wenigen, der weiß, dass mein voller Name Marie Antoinette Emma Cheyenne Malou Delphine Apple Esmeralda Shiloh Tallulah Belle lautet. Aber deswegen muss man mich ja nicht gleich vor meinen besten 3.000 Freunden auf Facebook bloßstellen. Ich verrate ja auch nicht, dass Peyman mit seiner Aussage "Wenn ich an Models denke, dann denke ich an etwas jüngere Mädchen, schlanker und größer - und Sabia erfüllt keine dieser Kriterien" über Sabia Boulahrouz dafür gesorgt hat, dass die doppelte Spielerfrau sich offensichtlich nicht mal mehr zu "Promi Big Brother" traut.

Recall Lagerfeld

Auch diese Woche zeigt sich wieder, dass Bodyshaming keine Einbahnstraße ist. Stellen Sie sich mal vor, bei GNTM würde ein Juror einer Kandidatin auf dem Catwalk beherzt auf den Hintern schlagen. Da wäre aber Kirmes im Feministinnen-Feuilleton. Bei "Curvy Supermodel" etabliert Jana Ina aber unbehelligt den "Ich muss mal kurz was machen“-Ass-Slap-Move und alle Jurykollegen applaudieren begeistert.

Die letzte Entscheidung über die Top 30 fällt dann am Recall-Tag in einem Shooting. Nach der Einleitung von dachte ich kurz, die Curvy-Kandidatinnen würden in einem Gebiss fotografiert. Sie sagte aber gar nicht "die müssen sich in Zähne setzen", sondern tatsächlich "sie müssen sich in Szene setzen." Tja, das passiert, wenn man zu oft bei "Let´s Dance" rumhängt und zu viel Zeit mit Sylvie Meis verbringt. In Szene setzen müssen sich die Mädchen dann in der schon aus der Vorwoche berüchtigten Pralinenschachtel, die, ausgelegt mit schwarzem Samt, immer noch aussieht wie ein übergroßer Sarg. Entsprechend lässt die Jury einiges sterben - vornehmlich Hoffnungen. Am Ende des Tages sind nur noch 30 Kandidatinnen übrig.

RTL 2 - Das Guantanamo der TV-Sender

Nahtlos geht es dann aber am nächsten Tag für alle Mädchen, die es dahin geschafft haben, wo Dieter Bohlen schon lange nicht mehr war (Top 30), noch mal richtig zur Sache: Das Statuen-Shooting. Mit grauem Vollbodypainting stehen die Kandidatinnen in Statue-Pose in einem Park um einen Springbrunnen herum und dürfen sich eine Stunde nicht regen. Was von Amnesty International schon seit Jahrzehnten als nicht erlaubte Foltermethode gilt, ist RTL 2, dem Guantanamo der Deutschen Fernsehsender, gerade gut genug. Mit dem Versprechen, ein Maler würde ein Gemälde von ihnen anfertigen (quasi das Instagram des 17. Jahrhunderts), werden die Mädchen zum Stillstehen motiviert. Ein kurzer Blick auf das Kunstwerk zeigt nach 60 Minuten (bei RTL 2 in Echtzeit durch eine kurze Werbepause überbrückt) ziemlich eindeutig, dass dieser Künstler etwa so viel mit Pablo Picasso gemein hat, wie Menderes Bagci mit Luciano Pavarotti. 

Keiner geht noch, keiner geht noch raus

Das Resümee des Shootings fällt am Ende recht kurz aus. Alle Jury-Mitglieder verkünden ihre Favoriten der Statuen-Challenge. Carlo Castro entscheidet sich für Bianca. Peyman Amin war von Hanna beeindruckt. Jana Ina hat es Lorna angetan und Angelina Kirsch identifiziert Khadija als diejenige mit der schwierigsten Pose. Passend zu der eigentümlichen nicht chronologischen Schnitt-Politik von gibt es diese Woche keine Entscheidung mehr. Aus den Top 30 fliegt niemand. Es bleibt also die Hoffnung, dass es kommende Woche in Folge drei endlich richtig losgeht. Ich werde das beobachten.

Bis dahin: Alles Liebe, Eure Marie 

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