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Ausstellung in Berlin: Patrick Demarchelier und #MeToo: Über der Schönheit liegt ein Schatten

Patrick Demarchelier gehört seit den 70ern zu den erfolgreichsten Fotografen der Welt. Doch im vergangenen Jahr wurde der Franzose der sexuellen Belästigung bezichtigt. Trotz der Vorwürfe sind seine Arbeiten nun in Berlin ausgestellt.

Gisele Bündchen

Das brasilianische Supermodel Gisele Bündchen, fotografiert im Jahr 2002

Er war 1989 der erste nicht britische Fotograf, der Prinzessin Diana porträtieren durfte und hatte in den Neunzigern jedes Supermodel vor der Linse: Der Franzose Patrick Demarchelier gehört seit fast fünf Jahrzehnten zu den ganz Großen der Branche. Doch über seinem Schaffen liegt ein Schatten, seit der "Boston Globe" im Februar vergangenen Jahres einen Artikel veröffentlichte, in dem mehr als 50 weibliche und männliche Models schwere Anschuldigungen erhoben.

Sie berichteten von unangemessenen Berührungen am Set, ungewollten Küssen bis hin zu Vergewaltigung. Unter den vermeintlichen Opfern waren auch bekannte Namen wie die Kanadierin Coco Rocha oder die Australierin Abbey Lee Kershaw. Sie beschuldigten Fotografen, Agenten, Stylisten und Casting-Direktoren der sexuellen Belästigung. Zu den angeblichen Tätern sollen Terry Richardson, Bruce Weber, Mario Testino und eben Patrick Demarchelier gehören - alle vier Legenden ihres Fachs. Einige Zeitschriften beendeten daraufhin die Zusammenarbeit mit den Künstlern, ihre Bilder wurden zum Teil von Kunstmessen verbannt.

Patrick Demarchelier weist Vorwürfe der sexuellen Belästigung zurück

Die Berliner Galerie Camera Work geht einen anderen Weg. Bis zum 14. September sind dort 30 Werke von Patrick Demarchelier zu sehen. Zum Teil bekannte Arbeiten des 76-Jährigen, zum Teil auch neue, nie zuvor gezeigte Fotos. "Für uns gilt die Unschuldsvermutung, solange es zu keinem Prozess gegen den Künstler kommt", sagte Galerie-Sprecher Alexander Golya.

Demarchelier selbst hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als "lächerlich" zurückgewiesen. "Menschen lügen und erfinden Geschichten", sagte der dreifache Vater nach Erscheinen des "Boston Globe"-Artikels. Die Anschuldigungen seien "Lügen von Models, die frustriert werden, wenn sie nicht arbeiten".

Die Öffentlichkeit meidet der in New York lebende Fotograf seither dennoch. Der Eröffnung seiner Berliner Ausstellung blieb er fern und auch für Interviews stand Demarchelier nicht zur Verfügung.

Die Galerie Camera Work zeigt die Werke von Patrick Demarchelier noch bis zum 14. September 2019 in der Kantstraße 149 in Berlin. Der Eintritt ist frei. Mehr auf www.camerawork.de

jum