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21. Februar 2007, 15:55 Uhr

In Plüsch und Latex gehüllt

Für den Sommer verordnet Miuccia Prada den Damen Turbane und auch ihre plüschige Kollektion für den kommenden Winter hat es in sich. Stoffe sind das große Thema der Mailänder Schauen, darunter technischen Materialien Neopren, Nylon oder Latex.

Viele Brauntöne und tiefe Dekolletees zeigte die Schau von Bottega Veneta© Francois Guillot/AFP

Prägnant, innovativ und anspruchsvoll: Die stets mit größter Spannung erwartete Prada-Show enttäuschte die Besucher auch dieses Mal nicht. Das wichtigste Trend-Orakel der italienischen Mode überzeugte am Dienstagabend anlässlich der noch bis zu diesem Samstag laufenden Mailänder Designerdefilees Herbst/Winter 2007/08 mit spektakulären Materialexperimenten und ausdrucksstarken Farben.

Plüschige Alpaka-Wolle, die auf Pelzoptik getrimmt wurde, laminierte oder strukturierte Oberflächen - Miuccia Prada legt den Fokus ihrer neuen Kollektion auf den Stoff. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei den Farben, die sowohl zart als auch in kräftigen Nuancen von Orange oder Grün vertreten sind. Die Formen nehmen sich in ihrer Klarheit oft zurück. Nur am Mantel richtet sich der Blickfang auf den Schnitt. So wird ein maskulines Modell seiner Ärmel entledigt zum Kleid oder erhält am Rückteil Volumen, eine Kellerfalte sowie einen breiten Gurt.

Architektur in der Mode

Brioni hingegen liebt das Skulpturale. Cristina Ortiz, die spanische Designerin des italienischen Traditionshauses, gibt ihre Mode mit kunstvollen Drapierungen, architektonisch konstruierten Kragen und voluminösen Rückendekolletés einen dramatischen Gestus.

Roberto Rimondi und Tommaso Aquilano sind mit ihrem Label 6267 die derzeit angesagtesten Newcomer der italienischen Mode. Sie brillierten am Dienstagabend mit kunstvoll gestalteten Kleidern im Bustier-Stil, voluminösen Militär-Mänteln und wuchtigen Strickeinsätzen auf dem Brustbereich.

Aigner schlägt eine Farbpalette aus intensiven Brauntönen, Flieder und einem tiefen Rot vor. Die in München ansässige Marke variiert zwischen ausgestellten Miniröcken und engen Hosen und betont Taillen mit fünf schmalen, miteinander verbundenen Gürteln.

Auch Animal-Prints bleiben im kommenden Winter in Mode, zu sehen bei Dolce&Gabbana© Giuseppe Cacace/Getty Images

Am Mittwochvormittag schließlich präsentierte sich Marni in einem spannenden Zusammenspiel aus technischen Materialien wie Neopren, Nylon oder Latex und natürlichen Stoffen wie Wolle oder Pelz.

Große Namen zu Beginn

Am Tag zuvor noch wirkten die Kollektionen wie aufgeblasen: Bauschige Ballonröcke, aufgeplusterte Ärmel, dramatische Kragen und überdimensionierte Volants geben der Damen-Mode im Herbst/Winter viel Volumen. Demgegenüber stehen schmale Hosen und extrem betonte Taillen. Die noch bis zu diesem Samstag laufenden Mailänder Designerdefilees gefallen sich im kontraststarken Silhouetten-Spiel. Der Wunsch nach Schutz und Panzerung, aber auch eine starke Nuance Aggressivität stecken oft hinter dem Ansinnen, die Frauen mit viel Stoff auszustaffieren.

Am konsequentesten setzt diesen Trend Burberry Prorsum in Szene. Steife, in der Taille stark fixierte X-Silhouetten, über das Knie ragende Stiefel und Handschuhe, die Ritterrüstungen entliehen schienen, wappnen die Trägerin für die Kämpfe des Lebens. Christopher Bailey, der Designer der britischen Marke, hat sich vom Mittelalter inspirieren lassen. Dunkel, beinah düster wirkt sein Farbbild, angeführt von sehr viel Schwarz. Leder ist eines der wichtigsten Materialien der Saison. Stoffe mit Metallglanz und Nietendekore unterstützen den Eindruck einer recht martialischen Mode.

Schlichte Linie bei Jil Sander

Jil Sander hingegen wendet sich bereits wieder vom Volumen ab. Raf Simons, der belgische Designer des Labels, gehörte vor rund einem Jahr zu einem der Initiatoren der neuen Lust an der Stofffülle. In seiner Show vom Dienstag propagierte er eine verschlankte Linie mit schmalen Hosen und Rollkragenpullis sowie körpernahen Mänteln und Kleidern. Doch auch Simons experimentiert mit der Form, wenn Mäntel zu einhüllenden Capes werden, an denen zwei Seitenschlitze Armfreiheit gewähren. Faszinierend seine Art die Strenge seiner Mode zu brechen. So werden außen liegende Abnäher zum dezenten Dekor. Optisch dominiert neben den vielen metallisch schimmernden Oberflächen eine Farbskala von Dunkelblau und Schwarz mit Akzenten in Burgundarot und Flaschengrün.

Giorgio Armani glänzte bei seinem Defilee am Montag mit einem traditionell hohen Prominentenaufkommen. So fanden sich in seinem Theater unter anderem Rock-Ikone Tina Turner, Fußballstar Andrej Schewtschenko und Italiens Filmliebling Ornella Muti ein. In seiner neuen Herbst/Winter-Kollektion baut der Mailänder Designer über flachen Ballerinas eine betont feminine Mode auf. Röcke schlagen die Hosen um Längen. Armani gibt ihnen mit Ballonformen Weite. Farblich dominieren Ton-in-Ton-Optiken in einer Palette von Schwarz, Grau oder Sand. Am Abend funkeln rauschhaft die Kristalle.

 
 
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