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Reeperbahn Festival: St. Pauli wird zum Mittelpunkt der Musik-Welt

Die zwölfte Ausgabe des Reeperbahn Festivals in Hamburg wird St. Pauli für vier Tage in Ausnahmezustand versetzen. 30.000 Musikfans werden erwartet. Über den besonderen Reiz der Rock 'n' Roll-Sause auf dem Kiez. 

Der Spielbudenplatz beim Reeperbahn Festival

Die Sonne lässt sich beim Reeperbahn Festival traditionell gerne - und für Hamburger Verhältnisse erstaunlich häufig - blicken

Auf brennt noch Licht - das gilt grundsätzlich an 365 Tagen im Jahr, aber anlässlich des Reeperbahn Festivals leuchtet es traditionell noch ein bisschen heller. Bereits zum zwölften Mal trifft sich die internationale Musikszene. Weit über 30.000 Besucher werden erwartet (zum Vergleich: Zur Premiere im Jahr 2006 kamen 9000 Besucher). Das Branchentreffen versammelt über vier Tage Bands, Fans, Plattenfirmen und Journalisten zu 500 Konzerten auf 70 Bühnen, zu Ausstellungen, Filmvorführungen, Lesungen und Diskussionsrunden.

So verschmelzen die Clubs und Locations rund um den zu einer großen Festivalbühne. Obwohl die Veranstaltung im Gegensatz zu den großen Sommer-Open-Airs wetterunabhängig ist, scheint an den Tagen des Reeperbahn Festivals sogar traditionell gerne die Sonne über dem Hamburger Vergnügungsviertel, wenn Musikfreunde mit einem Bierchen in der Hand von Gig zu Gig durch die Straßen von St. Pauli schlendern.

Reeperbahn Festival: Überblick behalten ist unmöglich

Den Überblick zu behalten ist bei dem Angebot an Veranstaltungen schlicht unmöglich. Klingt anstrengend, macht aber auch den Reiz aus: Das Reeperbahn Festival ist eine Party für Entdecker, die sich für den Nachwuchs und für ihnen bisher unbekannte Bands interessieren. Die Macher wuchern nicht mit großen Headlinern, auch wenn sich im Line-up immer ein paar etablierte Acts finden - so wie in diesem Jahr zum Beispiel Beth Ditto und Maximo Park.

Stattdessen geht es darum, Augen und vor allem Ohren offen zu halten für neue Einflüsse - nicht nur, weil die Konzerte der "großen Namen" naturgemäß schnell überlaufen sind. Wenn Hamburg das Tor zur Welt ist, wie die abgedroschene Phrase besagt, dann ist St. Pauli an diesem verlängerten Wochenende der Mittelpunkt der -Welt. Kein Genre, das hier nicht vertreten ist: Indie, Elektro, Soul, Folk, sogar klassische Klänge werden zu vernehmen sein. Ein paar neue Spielorte gibt es auch, erstmals zum Beispiel die Elbphilharmonie - die allerdings als einzige Location nur mit vorheriger Anmeldung zu besuchen ist.

Wie jedes Jahr bietet das Programm neben dem Festival Village auf dem Heiligengeistfeld verschiedene Fixpunkte für den Fan: Der frühere MTV-Moderator Ray Cokes leitet wie gewohnt jeden Festivaltag im Schmidt Theater um 17 Uhr mit seiner charmanten "Reeperbahn Revue" ein - einem launigen Plausch mit von ihm persönlich ausgewählten Favoriten aus dem Line-up; aus dem diesjährigen Gastland Kanada werden über 20 Acts im Rahmen des Festivals auftreten; die britische BBC veranstaltet das Format "Introducing", bei dem Bands ohne Plattenvertrag vorspielen; und bei der Flatstock Convention auf dem Spielbudenplatz sind spektakuläre Siebdruckposter zu bestaunen.

Obwohl das Festival hinter den Kulissen vor allem als wichtige Business-Veranstaltung für die Labels und sonstige Musikmacher funktioniert, kommt also keine Spielart der Pop-Kultur zu kurz. Als Musikliebhaber, der sich gerne treiben lässt, fühlt man sich hier deshalb nie verloren im Mikrokosmos zwischen Feldstraßenbunker und Großer Freiheit - das Licht auf St. Pauli brennt dieser Tage überall, sogar von ganz oben: Auch das Wetter soll mal wieder ziemlich gut werden.

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