Zweite Explosion auf der "Lisco Gloria"

9. Oktober 2010, 08:13 Uhr

Die Ostseefähre "Lisco Gloria" mit 236 Menschen an Bord ist nach einer Explosion in Brand geraten. Alle Menschen wurden gerettet, doch das Schiff brennt immer noch lichterloh. Eine zweite Explosion hat die Löschmaßnahmen zurückgeworfen. Dennoch treibt das Schiff nicht mehr führerlos auf dem Meer.

Das brennende Fährschiff "Lisco Gloria" treibt nicht mehr auf der Ostsee. Wie der dänische Seenotrettungsdienst SOK mitteilte, konnten zwei an Bord gegangene deutsche Spezialisten die Anker zwei Seemeilen südlich der Insel Langeland werfen.

Nach Angaben des Havariekommandos kühlen die Einsatzkräfte das Schiff hauptsächlich, um ein weiteres Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Eine neue Explosion habe allerdings den Brand auf dem Schiff erneut verstärkt, berichtet das SOK. Die "Lisco Gloria" habe 15 Grad Schlagseite. Wegen der 200 Tonnen Dieselöl an Bord wurde das dänische Umweltschiff "Marie Miljø" zur Verhinderung einer Ölpest herbeigerufen.

Unerklärliche Explosion in der Nacht

In der Nacht war die Fähre an Bord auf der Ostsee in Flammen aufgegangen. Nach Angaben des Havariekommandos in Cuxhaven gab es gegen Mitternacht eine Explosion auf dem Oberdeck der "Lisco Gloria". Das Schiff war von Kiel nach Klaipeda (dem früheren Memel) unterwegs befand sich zu diesem Zeitpunkt elf Kilometer nördlich der schleswig-holsteinischen Insel Fehmarn. An Bord waren 204 Passagiere - unter ihnen 89 Lkw-Fahrer - und 32 Besatzungsmitglieder. Die Unglücksursache war zunächst nicht geklärt.

Die Flammen griffen auf weitere Teile der rund 200 Meter langen Fähre über. Sechs Schiffe eilten der "Lisco Gloria" zu Hilfe, darunter die Fähre "Deutschland". Mit diesem Schiff wurden alle Menschen an Bord lebend in Sicherheit gebracht. Die Feuerwehr in Kiel sprach von etwa 20 Leichtverletzten. Sie hatten Rauchgas eingeatmet. Eine Person wurde nach Angaben der Kieler Wasserschutzpolizei mit einer Trage von Bord der "Deutschland" geholt. Das Schiff hatte kurz nach 6.00 Uhr im Kieler Marinestützpunkt festgemacht. "Die Leute sind sehr erschöpft", sagte Revierleiter Uwe Marxen von der Wasserschutzpolizei. "Sie haben sehr schwere Stunden hinter sich."

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Die "Lisco Gloria" verkehrt zwischen Kiel und Klapeida in Littauen (Archivbild von 2004)©

Die Passagiere stammten überwiegend aus baltischen Staaten und Russland, sagte Marxen. Die Verletzten werden in Kiel von Ärzten betreut. Einige kamen in die Universitätsklinik. Zwei Verletzte waren von dänischen und deutschen Marinehubschraubern bereits in Krankenhäuser nach Kiel geflogen worden, berichtete die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Das leere Schiff stand auch am Morgen noch in ganzer Länge in Flammen. Mehrere Schiffe mit Löscheinrichtungen versuchten, der Flammen Herr zu werden, unter ihnen das Feuerlöschboot "Kiel". Die brennende Fähre trieb in Richtung Dänemark.

Die 2002 gebaute "Lisco Gloria" gehört der Reederei DFDS Seaways und hatte Kiel laut Fahrplan um 23.00 Uhr verlassen. Sie bietet in den Kabinen Platz für 302 Passagiere.

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