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Münsters verschollenes Maskottchen Petra lebt

Jahrelang hielt die ungewöhnliche Liebe zwischen einem schwarzen Schwan und einem weißen Tretboot in Münster. Dann verschwand der Schwan. Jetzt ist er wieder da.

Von Jens Wiesner

  Da war die Welt noch in Ordnung - zumindest für das Münstersche Stadtmarketing: Petra im Jahr 2008 mit Ex-Geliebtem auf Münsters Aasee.

Da war die Welt noch in Ordnung - zumindest für das Münstersche Stadtmarketing: Petra im Jahr 2008 mit Ex-Geliebtem auf Münsters Aasee.

  • Jens Wiesner

Für gewöhnlich richten sich die Augen der Weltpresse nur selten auf Münster. Warum auch? In der beschaulichen Studentenstadt war die Welt schon immer ein wenig mehr in Ordnung als andernorts. Und doch zogen im Sommer 2006 Kamerateams aus aller Welt an den Aasee, um eine der wohl ungewöhnlichsten Liebesgeschichten seit King Kong und der weißen Frau auf Zelluloid zu bannen: Ein schwarzer Schwan, Petra genannt, hatte sich in ein schwanenförmiges Tretboot verliebt und folge dem künstlichen Artgenossen fortan auf Schritt und Tritt. Jahrelang hielt die ungewöhnliche Liebesgeschichte die Westfalen in Atem - und das Stadtmarketing rieb sich die Hände angesichts des neuen Wahrzeichens. Kinderbücher, CDs und zahlreiche Merchandising-Artikel überschwemmten die Stadt. Im Rat Münsters wurde gar darüber diskutiert, den schwarzen Schwan ins Stadtwappen aufzunehmen.

Das böse Erwachen folgte am Neujahrsmorgen 2009: Den Kater noch in ihren Gliedern joggten die ersten verschlafenen Münsteraner um den Aasee und mussten verstört feststellen: Ihr aller Lieblingsschwan war fort. Spontane Suchgruppen durchkämmten das Westfalenland, Experten wurden befragt, doch alle Spuren verliefen ins Leere. Petra blieb vermisst, die Anzeichen deuteten auf ein Ableben in aller Stille. Also tat der Münsteraner, was ein guter Katholik eben tut: Man prostete an den Stammtischen auf das Wohl des wohl verblichenen Mitbürgers, zog für ein Jahr den Trauerflor über - und lebte sein Leben weiter wie bisher.

Fand das ganz große Glück in Osnabrück: Petra

Doch manchmal verhält es sich mit Totgesagten wirklich wie in der Redensart: "Petra lebt" titelte die Münstersche Zeitung am Samstagabend und berichtete, was sich damals vor vier Jahren zugetragen haben muss: Der Abend hatte sich schon zur Nacht geneigt, als es am 2. Januar 2009 bei Wolfgang Herkt, Leiter der Vogel-Pflegestation in Osnabrück, plötzlich Sturm klingelte: Ein junges Paar hatte auf einem Feldweg zwischen Münster und Osnabrück einen völlig entkräfteten und ausgemergelten Schwan entdeckt, Fieber und Durchfall plagten das Tier, es sah nicht gut aus. Mit einem Tropf wurde die Schwanendame laut "MZ" wieder aufgepäppelt und freundete sich mit einem schwarzen Schwanenmann an, der ebenfalls in der Station lebte. Auf die Idee, dass es sich bei dem Findling um die im nur 50 Kilometer entfernten Münster verzweifelt gesuchte Petra handelte, kam in Osnabrück niemand. Und so wäre das Schicksal des Schwanen-John-Does wohl im Dunklen geblieben, hätte nicht eine Journalistin, die um Petras Verschwinden wusste, eine Geschichte über die Vogelstation geschrieben. Die Frau zählte eins und eins zusammen - und schon bald stand Münsters Zoodirektor Jörg Adler auf der Matte der Vogelstation.

Gerne hätte er Petra mitgenommen, zurück in ihre alte Heimat, zurück zu ihren zahllosen Fans - doch der Leiter der Vogelwarte lehnte mit klaren Worten ab. Die Stadt Münster habe einen großen Fehler begangen, indem sie den Schwan trotz eisigen Wetters nicht in ein Winterquartier geholt habe. "Und dann musste dieses Tier dort auch noch das Silvesterfeuerwerk ertragen", erboste sich Herkt in der "MZ". "Schlimmer und dummer und rücksichtsloser gegenüber dem Tier geht es nicht." Das musste auch Zoodirektor Adler zerknirscht zugeben - und zog ohne Petra wieder von dannen. Glücklich, dass Münsters einstiges Wahrzeichen sich nun für Osnabrück entschieden und dort einen Partner habe, sei er aber trotzdem: "Bei uns hatte sie nur ein Tretboot."

mit Agenturen

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