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Dieter Hallervorden provoziert mit der "Mohrenstraße"

Schon 2012 wurde Dieter Hallervorden wegen einer Theater-Inszenierung Rassismus vorgeworfen. Nun sagt er in der Berliner U2 die Station "Mohrenstraße" an - und erntet wieder reichlich Kritik.

Erneut sieht sich Dieter Hallervorden Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt

Erneut sieht sich Dieter Hallervorden Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt

Seit vergangenem Dienstag sagen 27 Prominente in Berlin die Namen von 29 U2-Stationen an. Schauspieler Matthias Schweighöfer kündigt den "Alexanderplatz" an, Wigald Boning die Haltestelle "Deutsche Oper" und Marius Müller-Westernhagen den "Potsdamer Platz". Jan Josef Liefers säuselt aus dem Lautsprecher: "Guten Tag, liebe Reisende, mein Name ist Jan Josef Liefers und Ihre nächste Station ist der Senefelderplatz." An der Station "Mohrenstraße" ist Dieter Hallervorden zu hören – und der erntet nun für die Teilnahme an der Aktion "Mach mal ’ne Ansage" scharfe Kritik von einem Teil der Berliner Bürger, berichtet "Der Tagesspiegel".

Die schwarze Gemeinschaft in Berlin regt sich über Hallervorden als Sprecher auf, denn es gab bereits im Jahr 2012 einen Rassismus-Vorwurf gegen den Schauspieler und Leiter des Schlosspark Theaters. In der Inszenierung "Ich bin nicht Rappaport" war ein weißer Schauspieler als Schwarzer geschminkt. Einige Menschen fühlten sich an die rassistische Tradition des "Blackfacing" aus den USA im 19. Jahrhundert erinnert. Hallervorden wies die Anschuldigungen zurück und gab an, der Autor, Hauptdarsteller und Regisseur Joachim Bliese wolle sich nicht über Schwarze lustig machen. "In meiner Gedankenwelt ist absolut kein Platz für Rassismus", sagte Hallervorden damals.

"Soll die Black Community provoziert werden?"

Doch dass Hallervordens Stimme nun ausgerechnet die "Mohrenstraße" ankündigt, verstört manche Berliner. Christian Kopp vom Verein "Berlin Postkolonial" sagte dem "Tagesspiegel" mit Bezug auf den Vorfall von 2012: "Soll die Black Community Berlins provoziert werden, oder warum wählt man ausgerechnet diesen fragwürdigen Komiker aus, um den kolonialrassistischen Stationsnamen einzusprechen?" Der Verein setzt sich für eine kritische Würdigung der Spuren des Kolonialismus in Berlin ein. Hallervorden als Ansager der "Mohrenstraße" ist für ihn ein Unding.

Doch zum einen kann Hallervorden nichts für den Namen der Station. Außerdem wurden den Promis die Bahnhöfe zugeteilt. Allerdings nicht von den Berliner Verkehrsbetrieben, sondern vom RBB-Radio 88,8, das die Aktion initiierte. Die Wahl der Sprecher soll dabei aus rein pragmatischen Gesichtspunkten erfolgt sein. Die BVG gab an, der Name der "Mohrenstraße" habe nichts mit Sklaven zu tun, sondern beziehe sich auf eine "Delegation afrikanischer Repräsentanten aus der Kolonie Großfriedrichsburg". Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Lengsfeld kritisiert die Anschuldigungen gegen Dieter Hallervorden. Zudem würde sich der Straßenname von dem Begriff "Maure" ableiten, also den Bewohnern Mauretaniens.

Hallervorden bietet neue Ansage an

Doch der Verein Berlin Postkolonial kontert mit einer weiteren Erklärung. Der Straßenname gehe "auf den menschenverachtenden Brandenburger Sklavenhandel zurück und verletzt massiv die Würde schwarzer Menschen", sagt Kopp. Auch die "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" kritisiert das Verhalten Hallervordens. Zwar sei die Ansage an sich nicht rassistisch, doch hätte der Schauspieler die Gelegenheit nutzen sollen, um in der Ansage selbst kritisch Stellung zum Straßennamen zu beziehen. So hätte er sich vom 2012 vorgeworfenen Rassismus distanzieren können.

Die Gruppe setzt sich seit Jahren für eine Umbenennung der Straße ein, beispielsweise Nelson-Mandela-Straße. Zwar hält Hallervorden die neuen Vorwürfe gegen ihn für abwegig, doch er zeigt sich bereit seinen Einsatz zu wiederholen: "Sowie die Mohrenstraße umbenannt wird, sage ich sie neu an".

mka mit DPA

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