. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
23. Mai 2008, 19:46 Uhr

Von Geburt an Hartz IV

Der neue Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zeigt: Immer mehr Familien rutschen in die Armut. Darunter leiden besonders die Kinder. Im Hamburger "Löwenhaus" versucht man ihre Not zu lindern - mit Essen und Bildung. Von Nikola Sellmair

Ein Platz zum essen, lernen und spielen: Das Löwenhaus unterstützt Kinder aus Familien, in denen das Geld knapp ist© www.das-loewenhaus.de

Morgens um 7.30 Uhr kommen die ersten Kinder ins "Löwenhaus" in Hamburg-Harburg. Freiwillige Helferinnen, die extra jeden Morgen aus den besser situierten Vierteln der Stadt anreisen, geben ihnen das Frühstückspaket: Ein Käsebrot und einen Apfel.

"Mit knurrendem Magen zur Schule"

Zu Hause bekommen diese Kinder nichts, erzählt Rainer Micha, Sozialpädagoge und Gründer des "Löwenhauses": "Es gibt Kinder im Viertel, die werden morgens auf die Straße gestellt und dürfen erst abends wieder auftauchen. Manche kriegen eine Chipstüte zum Frühstück, andere gehen mit knurrendem Magen zur Schule." Micha ist selber in Harburg aufgewachsen. Er hat beobachtet, wie das Arbeiterviertel zum Arbeitslosenviertel wurde, wie immer mehr Familien abrutschten in die Armut.

Hamburg ist die modernste deutsche Stadt, sagen Sozialforscher, denn sie steht für einen alarmierenden Trend: Oben und Unten entfernen sich immer weiter voneinander. Die Mittelschicht schrumpft, ergab gerade eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Dafür wächst der Reichtum. Hamburg boomt, neue schicke Stadtteile entstehen. Gleichzeitig wächst auch die Armut, besonders bei den Schwächsten, den Kindern. Fast jedes vierte Kind lebt hier von Hartz IV. Auch bundesweit nimmt die Kinderarmut deutlich zu, das zeigt der neue Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung.

Rund sieben Euro erhält das Kind einer Hartz-IV-Familie pro Tag. Sieben Euro für Essen, Kleidung, das Geschenk zum Kindergeburtstag und möglichst auch mal einen Besuch im Zoo.

Groß hilft Klein

In vielen Familien ist nicht nur Geld das Problem, sondern auch Bildungsarmut und Chancenlosigkeit. Und genau hier setzt das Löwenhaus an. Das Konzept: Ältere Schüler betreuen am Nachmittag die Kleinen aus den ersten Klassen. Sie helfen ihnen bei den Hausaufgaben, kochen mit ihnen und nehmen sie auch mal in den Arm. "Unsere Großen sind alle Mädchen und Jungen aus dem Viertel, die wissen, wie schwer es ist, sich hier durchzubeißen, nicht zu resignieren. Die sagen den Kleinen: Streng Dich an in der Schule, es lohnt sich!", sagt Rainer Micha. Für die älteren Schüler aus Harburg organisiert er Praktika in Hamburger Betrieben. Und kürzlich hat das "LöwenArtHaus" eröffnet, ein lichter Bau am Wasser, in dem die Harburger Kinder an großen Staffeleien malen oder Tanzworkshops besuchen können.

"Es müsste viel mehr Löwenhäuser geben", sagt die Bielefelder Erziehungswissenschaftlerin Sabine Andresen, die für die "1. World Vision Kinderstudie" zusammen mit ihrem Kollegen Klaus Hurrelmann 1.600 Kinder befragt hat. Das Ergebnis: Arme Kinder sind unglücklicher. "Kinder aus unteren sozialen Schichten sind häufiger unzufrieden mit ihrer Situation in der Familie und in der Schule, sie haben auch weniger erfüllende Freundschaften mit Gleichaltrigen, sie erhoffen sich seltener einen guten Schulabschluss", so Andresen. Ihr Fazit: "Wie glücklich Kinder sind, welche Chancen sie im Leben haben - das hängt in Deutschland leider immer noch davon ab, in welche Familien sie geboren wurden."

Von Nikola Sellmair
 
 
KOMMENTARE (10 von 37)
 
Kejo111 (26.05.2008, 11:55 Uhr)
Sieben Euro pro Tag
"Rund sieben Euro erhält das Kind einer Hartz-IV-Familie pro Tag. Sieben Euro für Essen, Kleidung, das Geschenk zum Kindergeburtstag und möglichst auch mal einen Besuch im Zoo." - Ja, wenn's nur das wäre. Auch die anteiligen Energiekosten müssen daraus bezahlt werden - Warmwasser, Haushaltsstrom, Kochgas ... und ebenso müssen die Kinder aus ihren Regelsätzen die Anschaffungen wie Waschmaschine, Herd, Möbel usw. mitfinanzieren! Ganz zu schweigen vom Schulbedarf (im Regelsatz ist für "Bildung" genau 0,00 Euro vorgesehen!), Sportverein, Schuhen usw. Die Kosten für schulische Tagesausflüge (Museum, Freizeitpark, Schwimmen, Bowling usw.) werden übrigens nicht von der Arge übernommen, sondern nur die Kosten für mehrtägige Klassenfahrten. Und dass unter Hartz IV ein 13-Jähriger gefälligst nicht mehr Bedarf zu haben hat als ein Säugling, ist ein Unding.
Countryjoe (26.05.2008, 10:38 Uhr)
Bewusste Ausgrenzung
In einem Staat der es sich leisten kann, Steuermilliarden ins Ausland verschwinden zu lassen, in dem Reiche immer reicher werden und dessen selbsternannte "Eliten" sich schamlos bedienen, sind die im Artikel zu recht angeprangerten Zustände nur als bewusst gesteuerte Ausgrenzung ganzer gesellschaftlicher Gruppen zu verstehen.
Malwina (24.05.2008, 22:13 Uhr)
Grundsicherung
Ich fordere eine Grundsicherung für Kinder. Kinder müssen raus aus Hartz IV; die Argen sind damit überfordert, sie zu betreuen. Die Grundsicherung muss um einiges höher liegen als das zu völlig Unrecht vom Regelsatz gekürzte Sozialgeld, um den Kindern Zugang zu allen Möglichkeiten der Gesellschaft (hochwertige Nahrung, Gesundheit, Bildung, Kultur etc.) einzuräumen. Können die Eltern dies nicht sicher stellen, bekommen die Kinder einen gesetzlichen Betreuer.
Wir haben in Deutschland so wenig Kinder, und das von den Wenigen ein Viertel in Armut lebt, ist für ein reiches Land wie Deutschland zu viel.
freundliche Grüße Malwina
heiner5362 (24.05.2008, 19:53 Uhr)
@robbe
erst lesen dann denken dann verstehen du null
Robbespierre (24.05.2008, 19:43 Uhr)
@heiner5362
Was für ein Oberprolet! Und dann noch Forderungen nach Euthanasie aufstellen... Komm, geh Dosenbier saufen und Pöbel nicht das Forum zu!
heiner5362 (24.05.2008, 19:16 Uhr)
und übel wird mir
bei dem ganzen ideologischen geschwafel hier.
es geht im artikel um die kinder und hier wird munter die welt "verbesserschlimmert".
das zeigt welches interesse an dem thema überhaupt vorhanden ist, nämlich NULL.
wer die kleinen furzer DERMASSEN stehen lässt wegen seiner ach so überlegenen politischen einstellung, muss sich nicht wundern wenn ihm eines tages ein gar nicht so ideologischer fuss in die fresse tritt.
IHR HABT GAR NICHTS ABER AUCH GAR NICHTS KAPIERT.
schreiben hier nur selbstverliebte narzissten ???
wie wärs mal mit was konstruktivem anstatt sich über alle höhen der welterkenntnis zu setzen.
"ach nö ey da wird mein grüner darjeeling kalt und den pullover hab ich malte zu freitag versprochen, ausserdem is da noch der tantra-kurs und das meeting zur erkenntnis des kalten buddha-furzes steht auch noch an, du."
+
ooooohmmmmm
aber grosse fresse hier im forum,
anstatt mal vorschläge zu machen wie man auch in seinem umfeld zumindest aufmerksam werden sollte.
und reagieren.
fehlt nur noch dass hier der öltonnenpreis diskutiert wird.
heiner5362 (24.05.2008, 18:58 Uhr)
dümmer gehts nimmer
was sich hier so auslässt.
aber wie das problem anpacken ?
die eltern in den arsch treten ?
geht nicht da die sozialfürsorge von den jugendämtern komplett an gewinnorientierte privatinstitutionen vergeben ist.
zwecks abkassieren
euthanasie wäre angebracht wird aber nazifiziert, genauso wie zwangssterilisation.
also den betroffenen kindern im einzelfall -und jeder fall ist ein einzelfall- helfen.
abwägen, wann der schnitt zur familie gemacht werden muss wg. drogenmissbrauch/desinteresse.
wird teuer, aber sollte sich auszahlen, behütete kinder gehen auf wie blumen im frühling.
verkloppen keine leute in der s-bahn und stehen nicht besoffen an der ecke, sondern werden in einem intakten umfeld gefördert.
damals hiess dieses angebot "sonnenborn", heute scientology scandinavia.
weil aus staatlicher hand nichts gefördert wird, werden rattenfängern tür und tor geöffnet.
pilotprojekte wie im artikel beschrieben kann ich nur begrüssen, ist aber nur ein tropfen auf den heissen stein.
und es sollte unter freiheitsentzug kommen, wer sein kind dermassen vernachlässigt.
nicht unter 15 jahren.
das ist vergewaltigung nötigung missbrauch schutzbefohlener und und und.
wer seine würmer derart abschiebt hat seine eigene existenz verwirkt.
deshalb sollte sich die "mutter der nation, selbsternannt" mal gedanken machen nicht nur die sprösslinge der reichen zu finanzieren, sondern gezielt problemfälle in den sozialen brennpunkten in angriff zu nehmen.
die freiwilligen initiativen kontaktieren und mal was wirklich konstruktives auf den weg bringen.
nicht wahr v.d.leyen.
es kann nicht jedes kind mit dem hummer am kindergarten vorgefahren werden.
politiker haben den falschen blickwinkel : immer nach oben.
Robbespierre (24.05.2008, 18:36 Uhr)
@Idefix
Ich spreche nicht von einem Sozialismus-ähnlichem System, da schwingt mir nämlich zuviel DDR mit. Lesetipp: "Schwarzbuch des Kapitalismus". Keine Sorge, das ist keine Aneinanderreihung von Verbrechen, das ist eine sehr kluge Analyse dessen was geht und was die Konsequenzen sind. Und jetzt eine Wissensfrage: Warum glaubst Du, kündigen z.B. die Gymnasiallehrer nicht? Sie sind Spezialisten und Leistungsträger im Staatsdienst. Verlassen sie das Land in Schaaren? Ich war übrigens auch mal neoliberal eingestellt, die Wende kam so mit dreissig. Da war die Uni schon ein paar Jahre vorbei und das wahre Leben erwies sich dann doch anders, als durch die neoliberale Brille der VWL-Seminare betrachtet...
kralli19 (24.05.2008, 18:17 Uhr)
Exilanten
Was melden sich denn schon wieder die ganzen China-Exilanten hier ? Freut euch einfach, das es euch so gut geht, wir wollen HIER in DEUTSCHLAND was bewegen. Versteh gar nich, aus welchen Löchern ihr immer kriecht....nennt man glaub ich Web-Marketing, oder ? Bezahlte Schreibereien mein ich !
Idefix1234 (24.05.2008, 12:05 Uhr)
@Robbespierre
". Leider denken viele so altbacken wie Sie, wie man es Ihnen und ihrer Generation im kalten Krieg beigebracht hat."
Nein, ich bin nicht so alt wie Du denkst...26 Jahre bin ich. Wohingegen ich, wohl im Gegensatz zu dir, schon meine akademische Pubertät hinter mir gelassen habe. Klar, auch ich habe im Sturm und Drang so manches von mir gegeben ;-)
Sei nicht überrascht, wenn irgendwann auch Du mal deine Meinung änderst. Du wärst in bester Gesellschaft….Ich denke nur an Joschka Fischer, Gerhard Schröder, Oswald Metzger. Alle wurden müde von einem Idealismus, der in unsrer Welt nicht funktioniert und schon gar keine Probleme löst.
Aber auf meinen Kommentar bist Du inhaltlich immer noch nicht eingegangen: Wie willst Du die Leistungsträger in einem Sozialismus ähnlichen System halten? Wie wirst Du sie überzeugen?
MEHR ZUM ARTIKEL
Europavergleich "Der Armutsbericht wird aufgebauscht"

Dem dritten Armutsbericht der Bundesregierung zufolge ist jeder achte Deutsche von Armut bedroht. Doch steht Deutschland damit schlechter da als andere Industrienationen? Nein, meinen Experten. Die Bundesrepublik kann sogar mit skandinavischen Ländern mithalten. mehr...

Armut in Deutschland Wölkchen und der Traum vom Leben

Laut aktuellem Armutsbericht ist inzwischen jeder achte Deutsche arm. Vor allem alleinerziehende Mütter in den ostdeutschen Bundesländern haben es schwer. Petra H. aus Rostock ist eine von ihnen. Seit Jahren kämpft sie um einen Job, um Geld und eine Zukunft für sich und ihre drei Töchter. mehr...

Armut in Deutschland Zum Sterben zu viel

13 Prozent der Bürger in Deutschland sind trotz staatlicher Transfers von Armut bedroht. Aber was steckt hinter den Zahlen? Wie sieht die Armut aus, wie fühlt sie sich an? stern.de hat die Tafel in der Arbeitslosenhochburg Gelsenkirchen besucht und mit Betroffenen gesprochen. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe