Bloß keine Angriffsfläche bieten

5. Juni 2013, 09:15 Uhr

Oscar Pistorius will einen Freispruch vom Mordvorwurf. Seitdem er seine Freundin Reeva Steenkamp tötete, zeigt er sich als gebrochener Mann. So auch beim ersten Gerichtstermin seit Februar.

Oscar Pistorius, Mord, Kapstadt

Oscar Pistorius präsentierte sich im Gerichtssaal ernst, abweisend und unnahbar©

Als Oscar Pistorius kurz vor neun Uhr, zunächst abgeschirmt von Leibwächtern und Polizisten, den Gerichtssaal betritt, bricht ein Blitzlichtgewitter über ihn herein. Aber zur Überraschung aller sah der des Mordes angeklagte Südafrikaner aus wie immer: im grauen Anzug und blauen Hemd, mit akkurater Krawatte, ernstem Gesicht und vor allem ohne Bart. Den hatte sein Onkel in einem Interview angekündigt, weil Pistorius angeblich nicht in der Öffentlichkeit erkannt werden wollte.

Aber anstatt dem großen Medienaufgebot aus aller Welt in diesem spektakulären Prozess neue Bilder zu liefern, präsentierte sich der behinderte Profisportler glatt, abweisend und unnahbar. Als ob ihm PR-Fachleute geraten hätten, dass ein Bart nur Anlass für allerlei neue Geschichten gewesen wäre. Zudem hätte ein Bart den Verdacht nähren können, Pistorius sei nicht nur am "Trauern, Lesen und Beten", wie sein Onkel es geschildert hatte. Es könnte als Zeichen gewertet werden, dass der 26-Jährige mit dem Bart schwer erkennbar alle möglichen Ablenkungen suchen könnte.

Als der nach Darstellung seiner Familie tief deprimierte Pistorius im April eines Abends, angeblich in bester Laune, in Bars und Restaurants gesehen worden war, gab es einen Riesenwirbel in der südafrikanischen Öffentlichkeit. "Mit äußerster Entschiedenheit" widersprach die Familie Pistorius damals den "enttäuschenden Sensations"-Darstellungen der Zeitungen.

Alles Teil einer Image-Kampagne?

Der Ausflug ins Vergnügungsviertel scheint seit den tödlichen Schüssen auf seine Freundin Reeva Steenkamp am 14. Februar der einzige Fehler in der konsequenten Verteidigungsstrategie des disziplinierten Athleten gewesen zu sein.

Im Übrigen wirken die Interviews seines Onkels und seines Managers kurz vor dem Gerichtstermin wie Teil einer klugen Image-Kampagne. Pistorius wird immer wieder als ein gebrochener Mann geschildert, der nicht damit fertig wird, "die Liebe seines Lebens" aus Versehen erschossen zu haben - weil er nachts in seinem Haus hinter einer verschlossenen Toilettentür einen Einbrecher und nicht seine Freundin vermutet habe.

Aber auch die Eltern des Opfers scheinen den Medien-Einfluss, über den sich der Richter am Dienstag sehr besorgt äußerte, ernster zu nehmen: Am Vorabend des Gerichtstermins sendete der britische Sender "Channel 5" eine Dokumentation des Falles und ein Exklusiv-Interview mit dem bisher schweigsamen Elternpaar Barry und June Steenkamp.

"Nur einer weiß wirklich, was passiert ist"

"Wir haben gestritten, wir streiten viel", habe ihre Tochter ihnen gesagt, berichtete June Steenkamp. "Sie muss eine solche Angst gehabt haben in der Toilette, als jemand durch die Tür Kugeln auf sie schoss." Aber die Mutter vermied jede Schuldzuweisung: "Wir wissen nicht, was geschah. Nur einer weiß wirklich, was passiert ist."

Pistorius beteuert, dem nächtlichen Drama sei kein Streit vorausgegangen. Auch am Dienstag vor Gericht sah man einen sichtlich bedrückten Mann. Wieder sagte der 26-Jährige kaum etwas öffentlich. "Ja, Euer Ehren" antwortete Pistorius lediglich, als der Richter fragte, ob er die Entscheidung der Prozessvertagung und die Fortsetzung der Kautionsauflagen verstanden habe. Pistorius bleibt weiter auf freiem Fuß - ausgerechnet am 19. August soll er wieder vor Gericht erscheinen. Das ist der Geburtstag des Opfers. Das Model wäre an diesem Tag 30 Jahre alt geworden.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Mordvorwurf Oscar Pistorius Prozeß
Panorama
Spende sucht soziale Helden
Aktion Deutschlands Herzschlag: Hier können Sie sich bewerben! Aktion Deutschlands Herzschlag Hier können Sie sich bewerben!
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...

 

  von Gast 103454: Wann erbe ich? Betreffend Umzug und Steuer!

 

  von Gast 103439: Geburtstagsparty trotz AU

 

  von MrSweets: IPhone IMatch deaktivieren

 

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.