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Fall Maddie: Nanny bricht ihr Schweigen - und erhebt Vorwürfe

Rund zehn Jahre nach dem Verschwinden der dreijährigen Maddie gibt die damalige Kinderfrau ihr erstes Interview. Sie berichtet von den dramatischen Stunden im Mai 2007 und von Pannen der Behörden.

Maddie McCann wird seit rund zehn Jahren vermisst.

Maddie McCann wird seit rund zehn Jahren vermisst. Das Verschwinden bleibt rätselhaft.

Vor zehn Jahren verschwand die dreijährige Madeleine "Maddie" McCann spurlos im Portugal-Urlaub ihrer Eltern. Seit zehn Jahren läuft eine beispiellose Suche nach dem Mädchen - Verschwörungstheorien, Audienz beim Papst und TV-Auftritte der Eltern inklusive. Und nach zehn Jahren bricht erstmals die Frau ihr Schweigen, die sich am Tag des Verschwindens um Maddie und ihre Geschwister kümmerte: die damals 20-jährige Nanny. Dem britischen Boulevardblatt "Daily Mirror" berichtet die Frau, die anonym bleibt, über ihre Erinnerungen an das Verschwinden von Maddie McCann und an Pannen der Ermittler. Die Bilder der Nacht im Mai 2007 verfolgen die Frau demnach noch immer: die verzweifelte Suche der Eltern nach ihrer Tochter, die weinende Mutter, die Schreie "Sie haben sie genommen!"

War die Polizei zu lange untätig?

In dem Ferienresort an der sollen mehrere Kinderfrauen gearbeitet haben, aus Sicherheitsgründen seien sie davor gewarnt worden, sich nachts allein in dem Umfeld zu bewegen. Auch von Vergewaltigungen soll die Rede gewesen sein. "Ich hatte auch das Gefühl, das die Einheimischen uns ablehnten", sagt die Britin. Die Betreiber der Ferienanlage in Praia da Luz haben das Resort inzwischen geschlossen.

Der portugiesischen wirft die frühere Nanny in dem Interview Untätigkeit vor - so soll es 90 Minuten gedauert haben, bis die Beamten am Ort des Verschwindens eintrafen - wertvolle Zeit bei einem vermissten Kind. Im Apartment der McCanns sollen in der Zwischenzeit Menschen ein- und ausgegangen sein und so einen möglichen Tatort verunreinigt haben. "Niemand sagte: 'Wir müssen die Wohnung absperren.'" Statt der Polizei habe zunächst sie mit anderen Kinderfrauen nach Maddy gesucht. Später sagte die Nanny nach eigenen Angaben bei der Polizei aus, das Protokoll habe fünf Seiten gefüllt. Die Unterlagen, mit denen die Polizei dann gearbeitet habe, hätten nur noch einen Umfang von zwei Seiten gehabt. "Ganze Stücke von Informationen sind so verloren gegangen."

Das Fazit der Nanny zu den Ermittlungen: "Ich denke, eine Menge Dinge hätten anders laufen sollen. Die Auswirkungen waren katastrophal."

Die Suche nach Maddie McCann geht weiter

Noch heute werde die damalige Betreuerin nach dem Verdacht gefragt, s Eltern könnten mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun haben. Sie widerspricht dieser Theorie: "Auf keinen Fall, das Timing hätte eine Verwicklung überhaupt nicht zugelassen, auch die Reaktionen der Eltern lassen den Verdacht nicht zu. Keine Chance." Es gebe keine Hinweise darauf, dass die McCanns ihre Kinder vernachlässigt hätten. "Sie gaben das Bild einer perfekten Familie ab."

Ob sie glaube, dass Maddie noch am Leben ist, fragen die "Daily Mirror"-Reporter: "Glauben ist vielleicht das falsche Wort, es ist Hoffnung. Ich hoffe, sie lebt. Vielleicht ist es naiv, aber der beste Fall in der schlimmen Situation wäre, dass Maddie von einer reichen Person entführt wurde, die selbst keine hatte."

Der einzige Mensch, der wisse, was vor zehn Jahren passierte, sei aber: Maddie McCann. Inzwischen wäre sie fast 14 Jahre alt. Die Sondereinheit der britischen Polizei hat die Suche nach ihr noch nicht aufgegeben, genauso wenig wie die Eltern.

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