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26. Oktober 2011, 20:06 Uhr

Geschichten voller Leid und Glück

Immer noch werden in der Türkei Überlebende aus den Erdbebentrümmern gerettet. Die Bergungsmannschaften stehen oft vor schrecklichen Entscheidungen. Kritik regt sich an der Regierung - Ministerpräsident Erdogan räumt Fehler ein.

Türkei, Erdbeben, Erdogan

Ein türkischer Junge schützt seinen Mund. Hinter ihm wirbeln die Aufräumarbeiten jede Menge Staub auf© Tolga Bozoglu/Epa/DPA

Es sind Dramen, die die Welt bewegen. Beispielsweise das des 13-jährigen Yunus, der zunächst aus den Trümmern geborgen wurde - mit dem Arm seines toten Vaters auf der Schulter - und kurz darauf doch starb. Oder das eines 14 Tage alten Babys, dessen Rettung zu den Geschichten gehört, die man gemeinhin gern als "Wunder" bezeichnet. Und noch immer schreiben das Erdbeben in der Türkei und seine Folgen dramatische Episoden.

So stehen Bergungsmannschaft oft vor schrecklichen Entscheidungen. Eine eingeklemmte Krankenschwester habe nur befreit werden können, indem ihr ein Arm bei lokaler Betäubung mit einem Bajonett amputiert wurde, sagte der Arzt Ekin Tasatan türkischen Journalisten. Die 20-Jährige sei bei Sucharbeiten im Schutt eines eingestürzten Gebäudes gefunden worden. Ihr Zustand habe sich dann immer weiter verschlechtert. "Sie wusste nicht, dass wir ihr den Arm abnehmen. Wir konnten es nicht sagen, weil es dann noch schwieriger gewesen wäre." Sie habe geschrien, dass der Arm nicht amputiert werden solle. Später habe sie den Rettern gedankt.

Erdogan räumt Fehler ein

Am Tag drei nach dem Beben werden immer noch Menschen lebend geborgen. Zwei 25 und 27 Jahre alte Lehrerin hielten rund 67 Stunden unter Bauschutt durch, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Auch ein 18-jähriger Student wurde aus einem eingestürzten Haus gerettet.

Die Zahl der Toten des Bebens im Osten der Türkei ist mittlerweile auf 461 gestiegen. Es werden allerdings kaum noch Leichen geborgen. Unmut und Verzweifelung in dem betroffenen Gebiet in der Region Van sind dennoch groß. Den obdachlos gewordenen Menschen gehen die Hilfsmaßnahmen nicht schnell genug vor. Einige warfen den Behörden ethnische Diskriminierung vor. In der Region Van leben überwiegend Kurden, die eine Minderheit im Land sind und gegen die die Türkei im Norden des Iraks gerade vorgeht.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will davon nichts wissen. Die 17.000 bereitgestellten Zelte seien "völlig ausreichend", außerdem habe die Regierung die Erdbebenopfer stets als türkische Staatsbürger wahrgenommen und nicht als Kurden oder Türken. Immerhin räumte der starke Mann im Land Fehler beim Krisenmanagement ein. In den ersten 24 Stunden habe es Versäumnisse gegeben. Erdogan hält diese jedoch angesichts des Ausmaßes der Krise für akzeptabel. Die Regierung beschloss am Mittwoch, nun doch internationale Hilfe für die Versorgung der betroffenen Menschen anzunehmen. Deutschland sagte daraufhin zu, Hilfsgüter schnell in das Erdbebengebiet zu transportieren.

ben/DPA/AFP/Reuters
 
 
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