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15. April 2010, 14:14 Uhr

Oberster Piusbruder verpasst Williamson Maulkorb

Der Skandal um Holocaust-Leugner Richard Williamson wird ab Freitag das Regensburger Amtsgericht beschäftigen. Die Piusbruderschaft verpasste dem umstrittenen Bischof im Vorfeld einen Maulkorb - um sich nicht noch weiter zu belasten.

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Umstrittener Pius-Bruder: Bischof Williamson wird nicht persönlich zum Prozess in Regensburg erscheinen© Luke MacGregor/Reuters

Gegen den Holocaust-Leugner Richard Williamson wird am Freitag wegen Volksverhetzung vor dem Amtsgericht Regensburg verhandelt. Der Bischof der umstrittenen ultrakonservativen Piusbruderschaft wird aber nicht selbst vor Gericht erscheinen. Gegen Williamson war zunächst ein Strafbefehl über 12.000 Euro ergangen, gegen den er Widerspruch einlegte. Deshalb kommt es nun - ausgerechnet am 83. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. - zu einer öffentlichen Verhandlung. Der Termin an seinem Festtag dürfte dem Heiligen Vater dennoch denkbar unwillkommen sein, rückt er doch den Skandal um die von Benedikt aufgehobene Exkommunikation des Bischofs wieder in den Blickpunkt.

Die Piusbruderschaft habe Williamson ohne Nennung von Gründen einen öffentlichen Auftritt untersagt, erklärte sein Anwalt Matthias Loßmann am Donnerstag. Ohne einen solchen Maulkorb von oben wäre sein Mandant wohl zu der Verhandlung erschienen. Nach Angaben des Anwalts hat der Generalsekretär der Piusbruderschaft, Christian Thouvenot, Williamson zudem angewiesen, sein Blog und seine Internetseite zu schließen. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde das Verbot von dem Generaloberen Bernard Fellay erteilt. Williamson solle sich dem Gericht nicht stellen und es den Anwälten ermöglichen, "die Lage zu Ihrem Vorteil zu rekonstruieren", hieß es demnach in dem Schreiben an den umstrittenen Bischof.

Dessen Verteidiger will einen Freispruch seines Mandanten erreichen. Obwohl das Gericht das persönliche Erscheinen des in London lebenden Geistlichen anordnete, kann dieser sich durch seinen Anwalt vertreten lassen.

Existenz der Gaskammern bestritten

Williamson hätte einem Verfahren ohne Weiteres entgehen können. Das Amtsgericht wollte ihn ohne öffentliche Verhandlung mit einem Strafbefehl über 12.000 Euro für seine Holocaust-Leugnung davon kommen lassen. In einem nahe Regensburg aufgezeichneten Interview des schwedischen Fernsehens hatte er die Existenz der Gaskammern im Dritten Reich bestritten.

Für Aufregung hatten die Aussagen des Briten vor allem deshalb gesorgt, weil praktisch zeitgleich mit deren Bekanntwerden Papst Benedikt im Januar vergangenen Jahres die Exkommunikation von Williamson und drei weiteren traditionalistischen Pius-Bischöfen aufhob. Der Papst wollte diesen Schritt als Geste der Barmherzigkeit verstanden wissen. Doch vor dem Hintergrund der Aussagen Williamsons folgte ein weltweit verheerendes Echo. Besonders Vertreter des Judentums kritisierten den Pontifex heftig.

Eine schmerzliche Lehre für den Papst

Mit den Vertretern des Judentums gelang dem Papst mit viel diplomatischem Bemühen inzwischen eine Aussöhnung. Eine erneute Exkommunikation zumindest von Williamson nahm der Heilige Vater aber trotz vielfacher Forderungen nicht vor. Allerdings darf Williamson von seinem kirchlichen Status her in der katholischen Kirche so oder so keine Bischofsfunktion ausüben. Der Vatikan will der Pius-Bruderschaft mit ihren 491 Priestern zumindest vorerst nicht die dafür nötigen Kompetenzen geben.

Für den Papst war der Fall Williamson eine schmerzliche Lehre. Nachdem ihm auch kirchenintern ein katastrophales Management vorgehalten wurde, räumte er im vergangenen Jahr offen Fehler ein. Vor allem bemerkte der Vatikan, dass mit einer Internetrecherche bereits rechtzeitig die antisemitische Haltung Williamsons herauszufinden gewesen wäre. "Ich lerne daraus, dass wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen", schrieb der von "sprungbereiter Feindseligkeit" seiner Gegner betrübte Papst im März vergangenen Jahres in einem Brief an alle Bischöfe.

Der Piusbruderschaft hingegen bescherte der Fall eine weltweite Aufmerksamkeit, wie sie sie noch nie hatte. Die Gruppe war 1970 vom traditionalistischen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet worden und steht für einen Katholizismus, der die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnt und etwa die Gottesdienste wie vor dem Konzil ausschließlich auf Latein feiert. Auf ihrer Homepage hat die streitbare Gruppe zum Jahrestag der Rücknahme der Exkommunikation ein Foto des Papstes veröffentlicht. "Danke!" steht schlicht darauf.

APN/AFP/DPA
 
 
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