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Alkohol und Zusammenbruch - darum erfand der Helfer den Tod eines Flüchtlings

Die Geschichte vom toten Flüchtling in Berlin war frei erfunden. Der ehrenamtliche Helfer entschuldigt sein Verhalten mit "einer Mischung aus Betrunkenheit und nervlichem Zusammenbruch".

Menschen stehen vor dem Berliner Lageso an

Menschen stehen vor dem Berliner Lageso an: Hier engagierte sich der ehrenamtliche Flüchtlinghelfer, nahm über Monate Dutzende Personen in seiner Privatwohnung auf

Die Geschichte vom angeblich toten Flüchtling in Berlin schlug am Mittwoch hohe Wellen. Im Laufe des Tages stellte sich heraus: alles frei erfunden. Ein ehrenamtlicher Helfer hatte sich den 24-jährigen Syrer, der in Folge der Zustände rund um das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) verstorben sein soll, schlicht ausgedacht. Der Helfer hat sich mittlerweile von Facebook zurückgezogen, postete zuvor allerdings noch in einer Helfergruppe ein langes, erklärendes Statement. Darin entschuldigt er sich für sein Verhalten und spricht von "einer Mischung aus Betrunkenheit und nervlichem Zusammenbruch".

Er merke demnach seit einigen Wochen, "dass mich mein ehrenamtliches Engagement mehr und mehr an die Grenzen der psychischen und auch körperlichen Belastung bringt". Er sei am Dienstagabend nach einer Feier mit syrischen Freunden und ziemlich viel Alkohol nach Hause gekommen und habe sich in die Geschichte hineingesteigert. Am darauffolgenden Tag habe er sich an nichts mehr erinnern können und erst im Laufe des Nachmittages gemerkt, was er ausgelöst habe. "Ich wollte wachrütteln, etwas verändern und habe dabei (...) ein völlig falsches Mittel gewählt." Er schließt sein Statement damit, dass er nun jeden Fall, den er betreut, an einen anderen Helfer abgeben möchte. "Es tut mir so wahnsinnig leid." 

Der Post des Helfers ist mittlerweile nicht mehr auf Facebook zu lesen. Vermutlich, weil er sein Profil deaktiviert hat. Es kursieren im Netz jedoch weiter Screenshots davon:


Helfer und Partner beherbergten 24 Flüchtlinge in Wohnung 

Der in Berlin lebende Helfer ist Autor und freiberuflicher PR-Berater. Der stern sprach im November 2015 mit ihm, da er und sein Partner in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung innerhalb von wenigen Monaten 24 Flüchtlinge bei sich aufgenommen und versorgt hatten. Sie kümmerten sich nach eigenen Angaben zumeist um Härtefälle, die tagelang vor dem Lageso gestanden haben sollen und einen Schlafplatz brauchten. Manche blieben nur eine Nacht, andere bis zu zwei Wochen. 

Das Berliner Bündnis "Moabit hilft", das den Angaben des Helfers vertraut und den Fall publik gemacht hatte, zeigte sich in einer ersten Reaktion "fassungslos". Man hätte den Helfer in den vergangenen Monaten "als verlässlichen und integren Unterstützer an unserer Seite kennengelernt, der sich auf unterschiedlichste Weise für viele geflüchtete Menschen engagiert hat".

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