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Wie sich ein Polizeibericht liest, wenn ein deutscher Mann eine Frau bedrängt

Auch auf dem Oktoberfest in München kommt es immer wieder zu sexueller Belästigung. Zumindest in einem Fall hat die Polizei einen Übergriff drastisch verharmlost. Von "spaßig gemeint" und einem "kecken Burschen" ist die Rede.

Ein Kellner schleppt Maßkrüge auf dem Oktoberfest in München

Maßkrüge auf dem Oktoberfest in München: Ein sexueller Übergriff durch einen jungen Deutschen wurde in einem Polizeibericht als "spaßig gemeinter Griff unter den Rock" bezeichnet

Die sexuellen Übergriffe der Silvesternacht von Köln und anderswo in deutschen Städten haben eine heftige Debatte ausgelöst. Oft wird dabei angeführt, dass auch deutsche Männer Frauen sexuell belästigen würden – nicht zuletzt auf dem alljährlichen Münchener Oktoberfest. Ein Polizeibericht von der Veranstaltung im vergangenen Jahr verharmloste einen sexuellen Übergriff durch einen 20-jährigen Deutschen drastisch. Im Wortlaut heißt es in dem im September veröffentlichten Wiesn-Report der Polizei-München: "Ein spaßig gemeinter Griff unter den Rock seiner amerikanischen Wiesn-Bekanntschaft endete für einen 20-jährigen Deggendorfer äußerst schmerzhaft. Die 'Rockbesitzerin' drehte sich mit samt Maßkrug um und das Trinkgefäß landete wuchtig auf dem Kopf des kecken Burschen."

Die Polizei München verkauft die Geschichte wie eine lustige kleine Anekdote von der Wiesn. Als wäre es völlig normal, Frauen unter den Rock zu grapschen. Kein Wort davon, dass sich der 20-Jährige falsch verhalten hat. Im Gegenteil: "Natürlich handelt es sich hierbei um eine Straftat der gefährlichen Körperverletzung", heißt es weiter – und damit ist nicht der Grapscher, sondern die junge US-Amerikanerin gemeint, die sich gegen den Übergriff zur Wehr setzte. Nach Zahlung einer "vierstelligen Eurosumme" habe die Amerikanerin die Wiesnwache wieder verlassen können.

Polizei: "Vermeidbarer und unsachlicher Einzelfall"

Entdeckt hat die Meldung der Grünen-Politiker Dominik Krause, der sie via Twitter verbreitete:


Nach Informationen von "Süddeutsche.de" hatte sich die Polizei damals auf die Beschwerde eines Journalisten sofort entschuldigt. Geändert wurden die Passagen aber bislang nicht. Ein Pressesprecher der Polizei sagte der Nachrichtenseite, er sei bestürzt darüber, "dass dieser vermeidbare und unsachliche Einzelfall als Beleg für einen sorglosen und systemischen Umgang der Münchner Polizei mit dem Thema genutzt wird". Vielmehr sei das Gegenteil der Fall, so der Pressesprecher: "Unsere Mitarbeiter gehen äußerst sensibel mit der Thematik um." Der Bericht im Netz werde nun – nach fast vier Monaten – sofort geändert.

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