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Flüssiges gutes Gewissen

Die tägliche Portion Obst - zum Trinken: Dieses verführerische Versprechen geben Smoothies, praktisch verpackte Getränke aus püriertem Obst und Säften. Aber können sie Äpfel und Bananen wirklich ersetzen?

Von Angelika Unger

Sie heißen "Knorr vie", "Schwartau Fruit2day" oder "True Fruits Smoothie" - und sie versprechen nicht weniger als einen vollwertigen Ersatz für die täglichen Äpfel und Bananen. Beworben mit Slogans wie "Die tägliche Portion Obst" erobern Ganzfruchtsäfte die Kühlregale der Supermärkte. Das Erfolgsrezept der so genannten Smoothies: Sie sind gutes Gewissen zum Trinken.

Zwar weiß jeder, dass er fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag essen sollte, im stressigen Berufsalltag wird der Inhalt des Obstkorbs aber allzu oft Nahrung für die Fruchtfliegen; Möhren und Gurke verschrumpeln im Gemüsefach des Kühlschranks, weil man abends keine Lust mehr hatte zu kochen. Da scheint es verführerisch, die Obstration eines Tages eben schnell herunterkippen zu können.

Anders als bei klassischen Fruchtsäften wandern bei Smoothies ganze Früchte, bis auf Schale und Kerne, in den Mixer. Bei einem "Smoothie yellow" der Firma True Fruits etwa sind es eine viertel Mango, drei Maracujas, ein halber Apfel und je eine halbe Banane und Orange, sagen die Hersteller. Nach dem Pürieren wird das Fruchtmark mit frisch gepressten Säften gemischt, bis es die richtige Konsistenz erreicht hat. Samtig-weich soll sich ein Smoothie im Mund anfühlen - "smooth" eben. Und nebenbei den Trinkenden mit reichlich Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen versorgen.

Mehr Kalorien als Cola

Aber was taugen die Fruchtdrinks wirklich? "Es spricht nichts dagegen, gelegentlich einen Smoothie zu trinken", sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Smoothies seien gesünder als die meisten anderen Convenience-Snacks für zwischendurch und für den schnellen Vitaminkick unterwegs durchaus zu empfehlen.

Auf Dauer seien die Drinks aber kein vollwertiger Ersatz für frisches Obst und Gemüse. Beim Apfel etwa sitzen viele Vitamine und Mineralien unter der Schale, in den Smoothie gelangen sie daher nicht. Zudem gehen bei der Verarbeitung wertvolle Ballaststoffe verloren - Pflanzenfasern, die zwar unverdaulich sind, dabei aber den Magen füllen. "Das Volumen sorgt für ein Sättigungsgefühl", sagt Gahl. Ob wir satt sind oder nicht, wird nämlich vor allem dadurch beeinflusst, wie voll und ausgedehnt unser Magen ist.

Eine 250-Milliliter-Flasche "True Fruits Smoothie yellow" etwa hat 150 Kilokalorien - übrigens fast die Hälfte mehr als dieselbe Menge Cola. Viele Kalorien, aber im Vergleich zu frischen Früchten wenig Masse - und dadurch wenig Sättigungseffekt. Zudem verdaut der Magen Flüssigkeiten schneller als feste Nahrung, so dass man nach einem Smoothie schnell wieder Hunger bekommt.

Ohne Zuckerzusatz zwar - aber mit reichlich Fruchtzucker

Die Getränke schmücken sich zwar mit Slogans wie "ohne Zuckerzusatz". "Aber insbesondere Smoothies mit viel Obst haben einen hohen Zuckergehalt", sagt Gahl. Dass dieser natürliche Fruchtzucker gesünder sei als Haushaltszucker, sei ein Irrtum, warnt sie.

So enthalten etwa 100 Milliliter "Knorr vie" in der Geschmacksrichtung Banane-Kürbis-Kiwi stolze 12 Gramm Zucker. Schwartaus "Fruit2day Mango-Pfirsich" bringt es sogar auf 13,5 Gramm. Zum Vergleich: Dieselbe Menge Cola enthält 10,7 Gramm Zucker.

Püree sorgt für sekundäre Pflanzenstoffe

Als Durstlöscher taugt ein Smoothie also nicht - dafür liefert er zu viel Zucker und Energie. Und wer ihn als gesunden Snack kaufen will, sollte genau aufs Etikett schauen, empfiehlt Antje Gahl: "Smoothie ist kein geschützter Begriff."

Als empfehlenswert bezeichnet Gahl Smoothies, die weder Zucker, noch Konservierungs-, Farb- oder Zusatzstoffe enthalten. "Ein guter Smoothie besteht aus purer Frucht", sagt Gahl. Wichtig sei auch das Verhältnis von Fruchtsaft und Fruchtpüree. "Nur wenn ein Smoothie mindestens zur Hälfte aus Mark, Püree oder stückigen Bestandteilen bestehen, kann er auch mal zwei Portionen Obst substituieren." Smoothies auf Saftbasis könnten allenfalls eine Obst-Ration ersetzen - sie enthalten nur wenige Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Allein schon der Preis spricht aber dagegen, von nun an täglich einen Smoothie zu kippen, statt einen Apfel zu essen. Eine Dreierpackung "Knorr vie" etwa kostet 1,99 Euro, hochgerechnet macht das 6,63 Euro pro Liter. Die Konkurrenz "Fruit2day" von Schwartau ist mit 4,47 Euro pro Liter etwas günstiger. Aber selbst für diesen Preis bekommt man noch mehrere Kilo Äpfel.

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