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15. Juli 2009, 13:19 Uhr

"Wenn du unsicher bist - töte!"

Es sind erschütternde Berichte: Mehr als 50 israelische Soldaten haben ihr Schweigen gebrochen und werfen ihrer Führung vor, sie während des Gaza-Krieges zu Gewalt und Willkür gegenüber Zivilisten animiert zu haben. "Wenn du nicht sicher bist - töte!", habe der Befehl gelautet. Israels Militärführung bezeichnet die Aussagen als Verleumdung.

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Israelische Soldaten auf dem Vormarsch in Gaza (Januar 2009): Nun berichten sie von eigenen Kriegsverbrechen© Neil Cohen/DPA

Israelische Soldaten haben ihrer Militärführung vorgeworfen, sie während des jüngsten Gaza-Kriegs zu mutwilliger Zerstörung und Gewalt gegen palästinensische Zivilisten ermutigt zu haben. Die vor fünf Jahren gegründete israelische Organisation "Breaking the Silence" ("Das Schweigen brechen") veröffentlichte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht mit 54 anonymen Aussagen von Kampfsoldaten, die zur Jahreswende an der dreiwöchigen Militäroffensive "Gegossenes Blei" teilgenommen haben. Bei dem Einsatz, der am 18. Januar endete, waren mehr als 1400 Palästinenser getötet und 5000 weitere verletzt worden.

Die israelische Armee teilte mit, sie bedauere, "dass eine weitere Menschenrechtsorganisation Israel und der Welt einen Bericht vorlegt, der auf anonymen und allgemeinen Zeugenaussagen basiert, ohne ihren Hintergrund und ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen". Es handele sich um "Diffamierung und Verleumdung der israelischen Armee und ihrer Kommandeure". Menschenrechtler haben dagegen schon mehrfach brutales Vorgehen der israelischen Armee während des Feldzugs angeprangert.

Wildes, zielloses Schießen

In dem jüngsten Bericht werden Zeugenaussagen zitiert, nach denen Häuser und Moscheen unötig zerstört und Phosphorbomben in dicht bevölkerten Gebieten eingesetzt worden sein sollen. Zudem wird eine Atmosphäre geschildert, die Soldaten zu wildem, ziellosem Schießen ermutigt habe. Soldaten hätten auch grundlos auf Wassertanks geschossen und Computer, Fernseher und andere Gegenstände in privaten Wohnungen zerstört. In mehreren Berichten ist die Rede davon, dass palästinensische Zivilisten als "menschliche Schutzschilder" eingesetzt wurden.

Die Kommandeure hätten den Soldaten vermittelt, dass sie ohne moralische Einschränkungen vorgehen können und das wichtigste sei, dass kein israelisches Leben verloren geht, heißt es. Einer der Soldaten erzählte, sein Kommandeur habe gesagt: "Keinem meiner Soldaten soll ein Haar gekrümmt werden und ich bin nicht bereit, es einem Soldaten zu erlauben, sich selbst durch Zögern zu gefährden. Wenn Du nicht sicher bist - töte!" Im Zweifelsfalle habe man getötet. "Die Feuerkraft war wahnsinnig. Wir haben einfach damit begonnen, verdächtige Orte zu beschießen. Im Häuserkampf ist jeder dein Feind. Es gibt keine Unschuldigen." Ein anderer Soldat berichtete von "Hass und Freude am Töten" unter seinen Kameraden.

"Schuld des Systems, nicht des Soldaten"

"Man fühlt sich wie ein kleines Kind mit einem Vergrößerungsglas, dass Ameisen anschaut und sie verbrennt", sagte ein anderer Soldat dem Bericht zufolge. "Ein 20-Jähriger sollte anderen Menschen nicht diese Dinge antun müssen."

Michael Manekin von "Breaking the Silence" erklärte, die Zeugenaussagen bewiesen, "dass die unmoralische Art und Weise, auf die der Krieg geführt wurde, Schuld des Systems und nicht des individuellen Soldaten war. Dies ist ein dringender Aufruf an die israelische Gesellschaft und Führung, einen unverschleierten Blick auf die Dummheit unserer Politik zu werfen."

Zuletzt hatten auch Menschenrechtsorganisationen das nach ihrer Einschätzung unverhältnismäßige Vorgehen des israelischen Militärs gegen palästinensische Zivilisten kritisiert. Auch israelische Soldaten hatten bereits von einem brutalen Vorgehen gegen Zivilisten im Gaza-Krieg berichtet. Bei der Offensive gegen die radikal-islamische Hamas waren einer palästinensischen Menschenrechtsorganisation zufolge 1417 Menschen getötet worden, darunter 926 Zivilisten. Die israelische Regierung bestreitet die Zahlen.

DPA/Reuters
 
 
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