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Krieg in der Ukraine Putin befödert "Bluthund" Kadyrow – was das bedeutet

Ein weißer Mann mit dunkelblondem Haar und Vollbart lächelt leicht. Hinter ihm ein mit russischen Flaggen geschmückter Saal
Gilt als Putins "Bluthund": Ramsan Kadyrow, der berüchtigte Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien
© Mikhail Metzel/Sputnik / AFP
Seit Wochen ist Russland in der Ukraine militärisch in der Defensive. Nun befördert Präsident Wladimir Putin den Machthaber der Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow. Was laut Analysten dahinter steckt.

Angesichts der militärischen Rückschläge Russlands hat Wladimir Putin am Mittwoch den autoritär herrschenden Machthaber der Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, zum Generaloberst befördert. Das Dekret über seine Ernennung sei bereits veröffentlicht, er sei Putin "unglaublich dankbar" für die "große Wertschätzung", schrieb Kadyrow am Mittwoch im Online-Dienst Telegram. Generaloberst ist hinter Marschall und Armeegeneral der dritthöchste Dienstgrad der russischen Streitkräfte.

Wie skrupellos der als "Putins Bluthund" verschriene Kadyrow ist, hat er erst am Montag wieder unter Beweis gestellt. Da hat er angekündigt, drei seiner minderjährigen Söhne in den Krieg gegen die Ukraine schicken. Die zwischen 14 und 16 Jahre alten Jugendlichen Achmat, Selimchan und Adam seien bereit, ihre antrainierten Kampffertigkeiten nun bei der "militärischen Spezialoperation" einzusetzen, schrieb Kadyrow am Montag auf Telegram. Zudem hatte er angesichts der Schwierigkeiten der russischen Armee gefordert, "Nuklearwaffen mit niedriger Sprengkraft" gegen die Ukraine einzusetzen. Und Kadyrow hatte heftige Kritik an Generaloberst Alexander Lapin und dessen Rolle bei den Kämpfen um die kürzlich verlorene Stadt Lyman geübt.

Ramsan Kadyrow kritisiert russische Militärführung nicht allein

Mit seiner Kritik steht Kadyrow nicht alleine. Ende September hatte der russisch-nationalistische Militärblog "Rybar" angesichts der drohenden Rückeroberung Lymans durch die Ukraine geschrieben: "Wenn nicht innerhalb von 24 Stunden entschiedene Maßnahmen vonseiten der russischen Militärführung getroffen werden, erwartet Lyman das Schicksal von Balaklija", warnte "Rybar" am vergangenen Freitag. Bekanntlich konnte Russland Lyman nicht halten und hat seine Truppen – so die offizielle Version – Anfang Oktober von dort zurückgezogen.

Kadyrows Beförderung sei "besonders bemerkenswert im Zusammenhang mit der jüngsten Kontroverse um Kadyrow und seine direkte Kritik an Generaloberst Aleksander Lapin vom Zentralen Militärbezirk (CMD)", schreibt die US-Denkfabrik "Institute for the Study of War" (ISW). Putin könnte "die Entscheidung getroffen haben, [...] um die Unterstützung Kadyrows und der tschetschenischen Streitkräfte aufrechtzuerhalten und gleichzeitig das russische Verteidigungsministerium und den Verteidigungsminister Sergej Schoigu zurückzudrängen, von dem sich Putin rhetorisch zu distanzieren scheint."

Putin muss zwischen Interessengruppen ausgleichen

Laut einer Analyse des ISW gelingt es Putin nicht mehr, die konkurrierenden Forderungen der russischen Nationalisten auszubalancieren, die seit Beginn der Mobilisierung immer kämpferischer geworden sind – obwohl sie Putins allgemeine Kriegsziele in der Ukraine teilen. "Kadyrows neuer Rang könnte ein Zeichen dafür sein, dass Putin bereit ist, den radikaleren und lautstarken Forderungen der Silowiki-Basis auf Kosten des konventionellen militärischen Establishments nachzugeben." Als "Silowiki" bezeichnet das ISW Personen mit bedeutender Machtbasis und eigenen Streitkräften – also neben Kadyrow vor allem Dmitri Walerjewitsch Utkin, Chef der "Gruppe Wagner" und deren Unterstützer.

Militärisch könnte Putin angesichts der Probleme bei seiner Teilmobilmachung mit Kadyrows  Beförderung versuchen, mehr ausgebildete Soldaten für die Front zu gewinnen – nun eben verstärkt aus dem muslimisch geprägten Tschetschenien. Kadyrow, der für seinen brutalen Führungsstil bekannt ist, hat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine als einer der glühendsten Kriegsbefürworter hervorgetan. Er steht auch schon seit langem im Ruf, russische Gesetze ohne Folgen für ihn zu umgehen. Der tschetschenische Machthaber wird wegen seiner von schweren Menschenrechtsverletzungen geprägten Amtsführung seit Jahren von internationalen Nichtregierungsorganisationen kritisiert.

Kadyrow war vor seiner jetzigen Ernennung zum Generaloberst bereits dreimal zum General befördert worden - jeweils bei den Streitkräften des Inneren, der Polizei und der Nationalgarde Tschetscheniens.

Quellen: DPA, AFP, "Institute for the Study of War" am 4.10.2022"Institute for the Study of War" am 5.10.22".

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