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Hauptsache weg Flucht im Privatjet – Russen zahlen 28.000 Euro für einen Sitz

Russland: Ein Privatjet an dem International Aviation and Space Salon in der Stadt Schukowski
Ein Privatjet an dem International Aviation and Space Salon in der Stadt Schukowski in der Nähe von Moskau. Die Nachfrage nach privaten Maschinen ist in Russland sprunghaft angestiegen. 
© Marina Lystseva / Picture Alliance
Die Mobilmachung in Russland schlägt Tausende in die Flucht. Während die einen zu Fuß die Grenze zu Georgien überqueren, chartern andere Privatjets. Unternehmen stellen eine 50-fache Steigerung der Nachfrage fest. 

Seit dem 21. September verlassen tausende Russen fluchtartig ihr Land. Allein nach offiziellen Angaben der jeweiligen Außenministerien reisten innerhalb von wenigen Tagen 98.000 russische Bürger nach Kasachstan ein, 53.000 nach Georgien, 43.000 nach Finnland und 3800 in die Mongolei. Beliebte Fluchtziele sind auch die Türkei und Armenien. Russische Bürger brauchen für die Einreise in diese Länder keine Visa. Offizielle Zahlen liegen hier nicht vor. Doch Flüge sind seit dem ersten Tag der Mobilmachung keine zu bekommen. Alles ausverkauft.

Mit solchen Problemen plagen sich die reichen Russen jedoch nicht. Sie buchen Privatjets, um Russland zu verlassen. "Normalerweise erhalten wir täglich 50 Anfragen, jetzt sind es etwa 5000. Die Situation ist absolut verrückt", erzählte Ewgeni Bykow, der Direktor des Unternehmens Your Charter dem britischen "Guardian"

Hauptsache weg aus Russland

Armenien, Türkei und Aserbaidschan seien die gefragtesten Ziele. Zwischen 22.000 und 28.000 Euro seien die Russen bereit, für einen Sitz im Privatflieger zu bezahlen. Die Anmietung eines Jets mit acht Plätzen koste derzeit zwischen 90.000 und 156.000 Euro, was um ein Vielfaches teurer sei als der normale Tarif.

Bykow fügte hinzu, dass sein Unternehmen begonnen habe, größere Flugzeuge einzusetzen, um der Nachfrage gerecht zu werden und in der Lage zu sein, die Preise zu senken. Aber das sei nicht genug. "Wir können einfach nicht genügend Plätze für alle finden", erklärte der Unternehmer. 

Nachfrage nach Flügen steigt um das 50-fache

Eduard Simonow, Direktor der privaten Fluggesellschaft FlightWay, beobachtet ebenfalls diese Entwicklung. Die Nachfrage nach Flügen nach Armenien, in die Türkei, nach Kasachstan und Dubai sei "um das 50-fache gestiegen", sagte er dem "Guardian". Internationaler Sanktionen gegen Russland würden es zudem erschweren, Flugzeuge zu chartern. "Alle europäischen privaten Transportunternehmen haben den Markt verlassen. Jetzt ist die Nachfrage größer als das Angebot, und die Preise gehen durch die Decke", so Simonow.

Es sind nicht aber nicht nur Millionäre, die auf der Jagd nach Privatjets sind. Einige Unternehmen chartern Flugzeuge, um ihre männlichen Mitarbeiter auszufliegen. Laut der russischen Zeitung "Kommersant" flog eine Videospieldesign-Firma aus Moskau 100 Mitarbeiter und ihre Familien mit einer gemieteten Maschine aus. 

"Wir bekommen einen völlig neuen Kundenstamm, sowohl Unternehmen als auch Personen, die noch nie zuvor privat geflogen sind", sagte Simonow. "Es gibt viele, die noch etwas Geld übrig haben und weg wollen."

Flugplätze statt Restaurant-Reservierungen

Ein Mitarbeiter einer der Moskauer Concierge-Dienstleistungsunternehmen schilderte die Situation: "Die meisten unserer jungen männlichen Kunden sind aufgebrochen, nachdem Putin letzte Woche die Mobilisierung verkündet hatte. Zuvor war ich damit beschäftigt, Tische in Restaurants und Bars an den Patriarchen-Teichen zu reservieren", erzählte er und bezog sich dabei auf eine angesagte Gegend in Moskau. "Jetzt durchsuche ich nur noch Flugbuchungs-Websites, um den letzten Sitzplatz für einen Flug nach Eriwan zu finden."

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