Wie sicher ist Turkish Airlines?

25. Februar 2009, 17:00 Uhr

In der Statistik des Flugunfallbüros Jacdec belegt Turkish Airlines den letzten Platz. stern.de erklärt, warum die türkische Fluggesellschaft so schlecht abschneidet und wie es um die Flugsicherheit in der Türkei bestellt ist.

Amsterdam, Turkish Airlines, Sicherheit, Jacdec

Beim Absturz in Amsterdam gab es neun Tote und 50 Verletzte©

Das mühsam aufgebaute Image von Turkish Airlines als sichere Fluglinie hat durch den Absurz in Amsterdam einen erheblichen Dämpfer erlitten hat. Jetzt sind die Flugunfallexperten am Zug. Sie müssen die einzelnen Puzzleteile des Unglücks von Flug TK 1951 zu einem Bild zusammensetzen, um die Absturzursache zu finden. Eine Arbeit, die viele Monate in Anspruch nehmen wird.

Das Jet Airliner Crash Data Evaluation Center (Jacdec) listet in seinem erst Anfang Februar erschienenen Sicherheitsranking der 60 größten Fluggesellschaften die türkische Staatsairline auf den hintersten Platz. Der Sicherheitsindex bewertet die Flugleistung aus den letzten 35 Jahren im Verhältnis zu den Todesopfern. Der Wert 0,00 steht für eine reine Weste. Die meisten europäischen Fluggesellschaften haben einen Index unter 0,10. Turkish Airlines kommt auf einen Wert von 3,00.

Sicher genug für "Star Alliance"

Trotz dieser ernüchternden Sicherheitswerte bestand Turkish Airlines das aktuelle "Iosa Safety Audit" der Airlinevereinigung Iata, in dem festgelegte Sicherheitsstandards bei der Betriebsdurchführung kontrolliert werden. Das Iosa-Audit war die Eintrittskarte für den begehrten Beitritt zur Star Alliance gewesen, den Turkish Airlines im April letzten Jahres feierlich beging. Damit ist die Fluglinie im größten Airlineclub der Welt, in dem auch die Lufthansa Mitglied ist.

Seit einigen Jahren vollzieht sich bei der ehemals staatlichen Fluglinie ein rasanter Wechsel zu einem internationalen Premiumcarrier. Die Flotte der 1956 gegründeten Airline wuchs binnen weniger Jahre auf über 100 fabrikneue Flugzeuge an. Viele neue Routen kamen hinzu.

Mehrere tödliche Unfälle

Auf der anderen Seite schlagen jedoch mehrere tödliche Unfälle - die meisten in den 90er Jahren - zu Buche, die laut Jan-Arwed Richter von Jacdec für die aktuelle Sicherheitsbewertung herangezogen werden. Zuletzt stürzte ein Regionaljet im Jahre 2003 im Landeanflug auf Diyarbakir bei dichtem Nebel vor der Landebahn ab. Nur fünf der 80 Menschen an Bord überlebten.

In den letzten 15 Jahren verlor Turkish Airline sechs Flugzeuge bei Unfällen, dabei kamen 151 Menschen zu Tode. Sämtliche dieser Unfälle ereigneten sich auf Inlandsstrecken. Der aktuelle Crash in Amsterdam ist der erste Flugunfall außerhalb der Türkei seit 1974, als bei Paris eine DC-10 abstürzte und 346 Menschen in den Tod riss.

Die Luftfahrt in der Türkei weist wesentlich mehr tödliche Unfälle pro Jahr auf, als alle anderen Länder in Europa. Zuletzt stürzte 2007 eine Maschine der Atlasjet Ende November 2007 beim Anflug auf Isparta gegen einen Berghang und explodierte. Alle 57 Insassen kamen ums Leben. Anders als in der EU existiert in der Türkei keine Flugaufsichtsbehörde, die mit dem Braunschweiger Luftfahrtbundesamt oder der Easa (European Aviation Safety Agency) in Köln vergleichbar wäre. Konkrete Umsetzungen von Sicherheitsanordnungen bleiben dort meist im Dunkeln, so klagten mehreren Piloten unlängst in einem britischen Fachforum für Flugsicherheit.

Solange aber der wahre Hintergrund um die Unglücksursache von TK 1951 nicht ermittelt ist, gibt es – so Jacdec – keinen Grund, Turkish Airlines zu meiden.

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
Mimir (27.02.2009, 20:20 Uhr)
Kurze Replik
Natürlich sind Schreibfehler ärgerlich, aber sie für eine verquere Argumentationskette zu nutzen, die in einer, wie Sie selbst schreiben, Unterstellung münden, ist schon grotesk. Ich werde aufgefordert mir die entsprechende Passage noch einmal durchzulesen, um dann etwas feststellen, was sich aus dem ersten Beitrag nun wirklich nicht ergibt: Dass sich die Äußerung nur auf die (vorhandenen) Fehler bezieht. Aus den Flüchigkeitsfehler wird auf eine vermeintliche Eile des Autoren geschlossen. Diese Annahme führt dann zu dem unhaltbaren Schluss, dass jemand, der es eilig hat, stur und einseitig sei.
Merke:
Wenn man keine Argumente hat, greift man die Diktion eines Autoren an, dann erspart man sich eine inhaltliche Auseinandersetzung.
Es bleibt dabei: Turkish Airlines war, ist und bleibt (?) eine Problemfluglinie. Nicht mehr und nicht weniger. Übrigens: Flüchtigkeitsfehler bei der Wartung von Flugzeugen können weitaus größere Folgen haben, als ein fehlerbehafter, aber durchaus lesbarer Artikel haben kann.
HombreUno (27.02.2009, 18:19 Uhr)
Also ganz langsam,
auf Grund der Rechtschreibung und dem grammatikalischem Aufbau eines Satzes, kann man auch einseitige und sture Berechterstattung unterstellen?
.
Mir stellen sich die Haare zu Berg bei dieser Logik!
hchinaski (27.02.2009, 17:33 Uhr)
Was an dem Satz falsch ist? @Mimir
Was an dem Satz falsch ist merken Sie, wenn Sie ihn etwas genauer und aufmerksamer durchlesen.
Dann werden Sie nämlich feststellen, dass sich meine Äußerung hierzu in erster Linie auf die Rechtschreibung und den grammatikalischen Aufbau des Satzes bezog.
Woraus sich erschließen lässt, dass man es wahrscheinlich eilig hatte beim Verfassen des Artikels.
(Aber Sie scheinen es auch beim Lesen ziemlich eilig gehabt zu haben, wenn sie die Fehler nicht bemerkt haben.)

Daraus resultiert auch meine Unterstellung einer einseitigen und sturen Berichterstattung.
Mimir (27.02.2009, 16:55 Uhr)
Weiterhin objektiv berichten und Fakten nicht ignorieren
Was ist an dem Satz: "Das mühsam aufgebaute Image von Turkish Airlines als sichere Fluglinie hat durch den Absturz in Amsterdam einen erheblichen Dämpfer erlitten hat," falsch? Das ist faktisch richtig und ein Blick auf die Crash-Liste der Turkish Airlines zeigt mit was für einer "never come back" Fluglinie man es hier zu tun hat. Ich finde den Artikel ausgewogen und beanspruche das Recht als Leser objektiv und nicht im Sinne einer Fluglinie informiert zu werden. Wenn ich mir überlege, welche überalterten, schlecht gewarteten Maschinen täglich über meinen Kopf düsen, könnte ich mich für den Gedanken eines Überflugverbotes der Crash-Airlines erwärmen. Aus Gesprächen mit Nachbarn und Kollegen erahne ich, dass dieser Vorschlag auf die Gegenliebe vieler Menschen stoßen würde. Fazit: Lieber etwas mehr für einen Flug bezahlen, als in eine unsichere Maschine zu steigen.
Siehe auch:
http://www.airdisaster.com/cgi-bin/airline_detail.cgi?airline=Turkish+Airlines
starmax (27.02.2009, 05:51 Uhr)
Wenig Sachkenntnis in den Kommentaren
Es spielt schon ein große Rolle, wieviel Geld eine Airline in Zeiten sinkender Gewinne nachweisbar in Sicherheit investiert. Ich würde da doch mal die Überlebenden (zur Hälfte auch Niederländer)zu künftigen Flugabsichten befragen...
Vom Sofa aus läßt sich eben leicht urteilen.
Jacktern (26.02.2009, 21:09 Uhr)
Protektionismus
ich würde diesen artikel als Protektionismus bezeichnen. die lehre die der leser aufgezwungen bekommt ist benutze die überteuerte lufthansa und wenn du es nicht leisten kannst eine andere deutsche linie. wie es oben steht ,,Solange aber der wahre Hintergrund um die Unglücksursache von TK 1951 nicht ermittelt ist, gibt es – so Jacdec – keinen Grund, Turkish Airlines zu meiden`` warum den sonst dieser artikel vo man doch wie gesagt nicht weiss was der grund ist?? meine liebe stern redaktion es sind menschen gestorben etwas mehr mit gefühl. und nein dass die meisten toten türken sind mildert die sache, bei vielen menschen, nicht ab egal was sie als stern davon halten.
Ayhan38 (26.02.2009, 13:42 Uhr)
Erwartungsgemäß
Eigentlich habe ich diese Nachricht schon Gestern erwartet.
Diese Nachricht ist nichts anderes als es ist Zeit auf die Turkish Airlines zu hauen und Bitte ab sofort nur Deutsche Fluggesellschaften benutzen.
hchinaski (25.02.2009, 19:01 Uhr)
Geht's noch?
"Das mühsam aufgebaute Image von Turkish Airlines als sichere Fluglinie hat durch den Absurz in Amsterdam einen erheblichen Dämpfer erlitten hat"
Manchmal frage ich mich, welche Schulausbildung die Verfasser solcher Artikel haben.
Oder liegt es wohl einfach nur daran, dass man so schnell wie nur möglich - und das um jeden Preis - seine festgeschraubten Ansichten zu einem bewegenden Thema loswerden möchte?? Hauptsache die Massen einfach und schnell provozieren. Der Rest scheint vollkommen irrelevant zu sein. Ansonsten hätte man sich nämlich mal intensiver mit diesem Thema beschäftigt und sich mehr Zeit genommen für entsprechende Forschungen bzw. Studien bezüglich der Sicherheit der Gesellschaft Turkish Airlines.
Bei Stern wundert mich die Herangehensweise aber mittlerweile gar nicht mehr.
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