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Europäische Agentur für Flugsicherheit: Boeing 737 MAX: Europäer entdecken beim Unglücksflieger Fehlfunktion des Autopiloten

Die EASA hat ein neues Problem bei der Boeing 737 MAX aufgedeckt: Bei Notfällen lässt sich der Autopilot nicht schnell genug abschalten. Außerdem hat eine erste Fluggesellschaft ihren Großauftrag für den Problemflieger storniert – zugunsten von Airbus.

Boeing 737 MAX auf Parkplatz

Parklatz für die Jets: Pro Monat werden noch über 40 Boeing 737 MAX in Renton produziert, die wegen des weltweiten Flugverbots nicht an die Airlines ausgeliefert werden dürfen.

Getty Images

In der diesjährigen Hauptsaison müssen viele Fluggesellschaften in Europa ohne ihre bestellten Exemplare der Boeing 737 MAX auskommen. Tuifly, Ryanair oder auch Turkish Airlines warten auf die Auslieferung ihrer Jets. Doch ein Ende des Flugverbots des Unglücksfliegers ist nicht Sicht.

Die Wiederaufnahme des Flugverkehrs dürfte in weite Ferne gerückt sein, nachdem die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) dem Flugzeughersteller eine Liste mit fünf Problemfeldern des umstrittenen Flugzeugtyps hat zukommen lassen, wie die Agentur "Bloomberg" berichtet.

Neben den bekannten Schwierigkeiten wie die umstrittene Trimmsoftware MCAS könnte es zu einer Fehlfunktion des Autopiloten kommen. In Notfallsituationen – zum Beispiel bei einer instabilen Fluglage – ließe sich der Autopilot nicht rasch genug abschalten. Dadurch entgehen der Cockpit-Crew wichtige Sekunden, die lebensentscheidend sein können.

Termin für die Wiederzulassung bleibt offen

Die erstmals erwähnten Probleme könnten die "Wiederzulassung der 737 MAX erheblich beeinflussen", sagt der Flugsicherheitsexperte John Cox. Denn die Fehlerbehebungen im komplexen Autopilotsystem machen umfangreiche Tests erforderlich.

In einer Erklärung lehnte die US-Luftfahrtbehörde FAA es ab, die von der EASA aufgeworfenen Fragen zu bestätigen, sagte jedoch: "Die FAA arbeitet weiterhin eng mit anderen Zivilluftfahrtbehörden zusammen, um die Zertifizierungsdokumentation von Boeing für den 737 MAX zu überprüfen. Dieser Prozess beinhaltet eine regelmäßige Kommunikation zwischen allen Parteien."

Airbus A320 statt Boeing 737 MAX

Inzwischen werden Monat für Monat im Werk Renton bei Seattle weiterhin mehr als 40 Maschinen vom Typ Boeing 737 MAX produziert, die aufgrund des im März verhängten Flugverbots an die Airlines nicht ausgeliefert werden können. Längst herrscht vor den Fabrikhallen Platzmangel. Daher werden Mitarbeiterparkplätze und Rollwege mit den unverkäuflichen Jets zugeparkt und dem Flugzeugbauer entgehen Einnahmen in Milliardenhöhe, um die Löhne der Angestellten zu bezahlen.

Einen weiteren Rückschlag musste Boeing zu Wochenanfang hinnehmen: Die Fluggesellschaft Flyadeal aus Saudi-Arabien, die bereits eine Absichtserklärung über 50 Exemplare der Boeing 737 MAX unterschrieben hatte, stornierte den Auftrag.

Dafür sollen bis zu 50 Maschinen des Konkurrenzmodells vom Typ Airbus A320neo zum Einsatz kommen, die von der Muttergesellschaft Saudi Arabian Airlines auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget im vergangenen Monat bestellt wurden. Dabei handelt es sich um die erste Abbestellung einer Fluggesellschaft der 737 MAX zugunsten von Airbus.

Quelle: "Bloomberg"

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