Mit dem größten Feuerwerk aller Zeiten eröffnet diese Woche die heißeste Attraktion des Nahen Ostens: Die erste Mega-Insel. Ein Besuch auf der künstlich angelegten Palme im Meer. Von Bianca Lang

Hotel Atlantis: Das erste Luxushotel auf The Palm Jumeirah ist bereits in Betrieb© Balkis Press
Wer in die Zukunft reisen will, der muss nach Dubai. Für den Fall, dass einmal alles Land untergeht, hat der Mensch hier neues ins Meer gebaut: riesige, künstlich angelegte Inseln, gruppiert zu der Welt, wie wir sie kennen, zu einer Sonne, Planeten oder Palmen. Ein Science-Fiction-Szenario aus aufgeschüttetem Sand - mitten im Ozean.
Das erste Mega-Inselprojekt Palm Jumeirah wird nach nur fünfjähriger Bauzeit gerade bezogen, alle Luxusapartments und Villen sind verkauft. Viele Araber haben sich hier ein Domizil zugelegt, auch Russen und, wie es heißt, die Familie Beckham.
Am ersten Tag auf der Palme fühlt man sich wie in einer Stadt gewordenen Allmachtsfantasie. Die herkömmliche Inselidylle wird gestört von Kränen, Großbaustellen und bis zu 20-stöckigen Apartmenthäusern, die die sechsspurige Stadtautobahn säumen und den Blick aufs Meer versperren. Fünf Kilometer weit ragt der Palmenstamm in den Persischen Golf. Auf den abgehenden Wedeln reihen sich Villen mit Privatstränden und gekühlten Pools aneinander. Manche sind bewohnt und opulent begrünt, der Rest ist karger Protz.
Keine Passanten auf der Straße. Die Menschen bewegen sich in großen, klimatisierten Autos fort. Kein Vogel zwitschert, keine Grille zirpt, die Luft ist heißt, feucht und riecht nach nichts. Es gibt eine Bar und zwei Coffeeshops für 100.000 Menschen.
Wer Leben sucht, muss ins Hotel. In das erste vor Ort: Atlantis. Es befindet sich am Scheitelpunkt der Sichel, die die Palme umgibt. Ein Tunnel und eine auf Pfeilern ins Meer gebaute Schnellbahn führen zu dem Komplex, der aussieht wie ein gigantisches Wasserschloss in Algengrün und Lobsterrosa. Eine Mischung aus Walt Disney und Tausendundeiner Nacht.
Das Atlantis ist mit einem angeschlossenen Wassererlebnispark und Delfinzentrum, Sterneköchen und Suiten mit Glaswänden zu spektakulären Aquarien derzeit die größte Attraktion des Nahen Ostens. Mit über 1500 Zimmern ist es das größte Hotel Dubais und - an einem Ort, der pausenlos nach dem nächsten Superlativ strebt - eine Offenbarung.
Die Marke Atlantis hat sich bereits auf den Bahamas mit einem noch größeren Resort einen Namen gemacht. Hier in Dubai jedoch steht der Mythos des untergegangenen Imperiums symbolisch für ein aufgehendes neues Reich. "Atlantis Rising" heißt auch das Motto, wenn Donnerstag das Hotel und die Palme offiziell eröffnen - mit Kylie Minogue und dem größten Feuerwerk aller Zeiten. Für sieben Weltrekorde ist es angemeldet, es soll die Eröffnung der Olympiade in den Schatten stellen und die gesamte Palme ins Licht.
Wer hierhinfährt, will nichts anderes sehen. "Atlantis - The Palm" ist eine eigene Welt. Hier arbeiten 3000 Menschen, hier schwimmen 65.000 Fische. Die Gäste heißen Residents, es gibt Führungen, an jeder Ecke einen Straßenplan, 17 Restaurants, zwei Dutzend Geschäfte, einen Kinder-, Jugend-, Fitness- und Nachtklub. Direktor Alan Leibman bezeichnet sein Megahotel "als Tor zu einer neuen Form des Tourismus".
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