Krieg gegen Iran
Lohnt sich die Flucht in die Karibik als Alternative zur Golf-Kreuzfahrt?

Der Persische Golf fällt als Kreuzfahrtziel aus. Und nun? Was das Wetter betrifft, bietet sich zum Beispiel die Karibik an – der stern hat die beliebte Destination getestet.
Karibik-Strand auf Great Stirrup Bay
Zugang nur für Karibik-Kreuzfahrer: Einer der Strände auf Great Stirrup Bay 
© Niels Kruse / stern

27 bis 30 Grad, leichte Brise und keine Wolke am Himmel – das Wetter am Persischen Golf ist derzeit nahezu perfekt. Nicht ohne Grund gelten Februar, März und April als die besten Monate, um Ecken wie Dubai, Katar oder den Oman zu besuchen. Jedenfalls in normalen Zeiten. Doch das Frühjahr 2026 ist nicht normal.

Am letzten Februartag hatten die Angriffe auf den Iran gerade begonnen, da feuerte das Mullah-Regime zurück: Im Stundentakt gingen Raketen auf die Vereinigten Arabischen Emirate nieder Die Gäste des Fairmont-Hotels auf der berühmten "Palme" in Dubai entkamen nur knapp einer Katastrophe: Trümmerteile eines abgefangenen iranischen Geschosses regneten über sie nieder, an der Hotel-Einfahrt brach ein Feuer aus.

Von der heilen Welt zum Kriegsgebiet in nur wenigen Stunden

Von einem Tag auf den anderen war die Bling-Bling-Destination mit ihren Glitzerfassaden, mit Dauersonnenschein und dem großen Sicherheitsversprechen zum Kriegsgebiet und damit unbesuchbar geworden – und mit Dubai auch gleich die gesamte Golf-Region. 

Zu Beginn des Krieges waren die Reiseveranstalter noch halbwegs optimistisch und cancelten ihre Orienttouren zunächst für wenige Tage. Doch daraus wurden Wochen, dann die gesamte Frühlingssaison, mittlerweile wollen Reedereien wie MSC ihre Fahrten in die Region sogar erst Ende 2027 wieder aufnehmen. 

Und nun? Tausende Gäste, die ihre Kreuzfahrt bereits gebucht haben, müssen sich entscheiden: Geld zurück oder das Angebot ihres Reiseveranstalters annehmen, auf einem anderen Schiff in eine andere Region zu fahren. Doch was wäre eine Alternative zum Persischen Golf? Was das Wetter betrifft, zum Beispiel die Karibik – der stern war jetzt dort.

Szenenwechsel auf die andere Seite des Globus:

Wenn der Regen kommt, und das passiert hier in der Karibik schnell, gibt es auf Great Stirrup Cay eine „Villa“ als Unterschlupf. Schlafzimmer und Sofaecke, natürlich in Beige, eigenes Bad und Spa mit Lagunenblick, dazu Kapselkaffee, Früchtekorb, Zitronenwasser sowie ein paar Filme. „Dune – Part Two“ zum Beispiel – ein Drei-Stunden-Epos, mit dem sich locker auch die längsten Schauer überbrücken ließen. 

Bis zu 1000 Euro kostet eine exklusive Edel-Loge im VIP-Bereich „Silver Cove“ auf der privaten Bahamas-Insel, die nur für Passagiere der Norwegian Cruise Line (NCL) erreichbar ist. Wie sandfarbene Läden in einem Outlet-Center reihen sich die „Villen“ aneinander, am Ende der Promenade wartet ein Pavillon mit dem Logo eines berühmten Champagner-Herstellers.

Wolken über der Karibik
Drama kann der Himmel über der Karibik gut – allerdings bleiben Regen und Wind selten lange  
© Niels Kruse / stern

Rechts davon schwappt das Meer noch seichter an den Strand als dort, wo die Standardgäste sind und man den hellen Sand vor lauter Liegen nichts sieht. Aber eben auch: 1000 Euro für einen Tag – der, je nach Wetter, auch nur ein halber werden kann.

So wie an diesem Sonntag, der Letzte im März. Zwei Tage zuvor wurde der Neuzugang der NCL-Flotte im Hafen von Miami auf den Namen „Norwegian Luna“ getauft. Das mit Streetart bemalte Schiff der gehobenen Klasse pendelt künftig zwischen Florida und den Bahamas hin und her. Leider kündigt die Wettervorhersage starke Winde an, der Landgang auf Great Stirrup Cay fällt dreieinhalb Stunden kürzer aus als geplant. 

So was kann passieren. Bei der Tauffahrt der „Disney Destiny“ im vergangenen November wurde der Ausflug auf die unternehmenseigene Insel „Castaway Cay“ um einen ganzen Tag verschoben. Grund war Polarluft, die sich ihren Weg bis in den Süden Floridas gebahnt und die Temperaturen innerhalb von wenigen Stunden von 30 auf 13 Grad heruntergerissen hatte. Auch das passiert ab und an. Doch das Gute an dieser Ecke der Welt: Weder Kälte noch Regen bleiben lange.

Miami – Kreuzfahrt-Hauptstadt der Welt

Die Karibik ist die weltweit beliebteste Kreuzfahrtregion, Miami gilt als Kreuzfahrt-Hauptstadt. Von hier aus stechen die Ozeanriesen aller großen Reedereien in See. Sieben, acht Schiffe liegen gleichzeitig vor Anker – vor allem die der amerikanischen Betreiber. NCL und Carnival, Royal Caribbean ist etwa mit der „Wonder of the Sea“ vor Ort, einem der drei größten Kreuzfahrer der Welt. An An- und Abreisetagen tummeln sich Abertausende von Gästen gleichzeitig am Hafen und treiben die Preise für eine Uber-Fahrt in absonderliche Höhen.

Villa Silver Cove
Einen Strandtag auf einer Privatinsel lässt sich auch in kleinen "Villen" verbringen – für nicht ganz günstige 1000 Euro pro Tag
© Niels Kruse / stern

Ein typischer Trip von Florida aus dauert zwischen drei Tagen und einer Woche. Üblicherweise steuern die Boote dabei mindestens ein, eher zwei bis drei Ziele im benachbarten US-Ausland an. Dazu gehören auch die zahlreichen Privatinseln, die zwar von den Reedereien gepachtet und betrieben werden, aber zu den Bahamas, Belize oder Haiti gehören. 



Manchmal sind die konkurrierenden Eilande nur einen Steinwurf voneinander entfernt: Von Great Stirrup Bay aus sind die riesigen Royal-Caribbean-Schiffe „Utopia of the Seas“ und die „Icon of the Seas“ zu sehen, die vor Little Stirrup Bay liegen. Weil der Reederei der Inselname aber zu wenig eindrucksvoll erschien, hat sie ihn kurzerhand in „Perfect Day at Coco Bay“ umbenannt. Den halb natürlichen, halb künstlichen Trauminsel-Charme mit seichten Badebuchten, Schnorcheltouren und Wasserrutschenparks gibt es hüben wie drüben.

Kreuzfahrtschiffe auf CocoBay
Die Konkurrenz ankert gleich nebenan. Die beiden Royal-Caribbean-Schiffe „Utopia of the Seas“ und die „Icon of the Seas“ vor Coco Bay
© Niels Kruse / stern

Auch die deutschen Reedereien sind in der Karibik unterwegs, bislang allerdings weitgehend insellos. Aida mietet für seine Ausflüge die Isla Catalina der Dominikanischen Republik und Tui als Tochter von Royal Caribbean nutzt mit den „Mein Schiffen“ Coco Cay mit.

Seit Kriegsbeginn im Golf haben die Buchungen von Karibik-Kreuzfahrten deutlich zugenommen, auch das US-Unternehmen NCL registriert mehr Buchungen aus Europa. Deutsche Passagiere erwartet auf US-Schiffen allerdings ein etwas anderes Ambiente, denn der Durchschnittsgast kommt aus den USA. Entsprechend sind die Boote gestaltet: die Rutschen größer, die Musik lauter, das Frühstücksrührei krümeliger und der Speck härter, dafür wird nicht am Alkohol gespart.

Fazit: In der Karibik ist es etwas lauter

Anders als auf vielen deutschen Schiffen versteckt sich die Erwachsenenunterhaltung auch nicht hinter mattem Glas, sondern belegt offen ein halbes Deck: Einarmige Banditen (natürlich Fullscreen), Roulette und Craps locken genauso ihr Publikum an wie die großen Abendshows, die selbstverständlich von Broadway- und Hollywood-Künstlern bespielt werden.

Fazit: Wer seine Golf-Kreuzfahrt gegen eine in der Karibik tauschen möchte, muss zwar mit ein paar Wetterkapriolen rechnen und weitgehend auf Ausflüge in glitzernde Stadtfassaden verzichten. Dafür bekommt man aber ein kunterbuntes Entertainment-Programm, Beachlife und sehr kontaktfreudige wie entspannte Mitreisende geboten. Einziges Manko: Die An- und Abreise von jeweils mindestens rund zehn Stunden ist für Kreuzfahrten von weniger als einer Woche deutlich zu lang.

Transparenzhinweis: Die Recherchereisen wurden unterstützt von Norwegian Cruise Line und Disney Cruise Line. Dies hat unsere redaktionelle Unabhängigkeit in keiner Weise beeinflusst.

PRODUKTE & TIPPS

Kaufkosmos