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31. Mai 2010, 11:18 Uhr

Deutsche Hinterbliebene wollen Frankreich verklagen

228 Menschen waren an Bord, als ein Air-France-Flugzeug im Juni 2009 in den Atlantik stürzte - keiner überlebte. Die Familien der 28 deutschen Opfer der Katastrophe haben nun angekündigt, Frankreich zur Rechenschaft zu ziehen.

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Ein Wrackteil der abgestürzten Air-France-Maschine: Die Angehörigen der deutschen Opfer wollen nun Frankreich zur Rechenschaft ziehen© EPA/DPA

Ein Jahr nach dem Absturz einer Air-France-Maschine über dem Atlantik haben die Hinterbliebenen schwere Vorwürfe gegen die Fluggesellschaft und den Flugzeugbauer Airbus erhoben. Der Unfall hätte vermieden werden können, wenn die Maschine vom Typ A330-200 ein Ersatzsystem zur Geschwindigkeitsmessung gehabt hätte, erklärte die deutsche Angehörigen-Organisation HIOP am Montag in Paris. Air France habe aber anders als etwa die Lufthansa darauf verzichtet, dieses 300.000 Euro teure System einbauen zu lassen.

Es sei auch "nicht hinnehmbar", dass Airbus vor dem Hintergrund bekannter Probleme mit den Geschwindigkeitsmessern dieses System nur als Option anbiete und nicht serienmäßig in seine Flugzeuge einbaue, kritisierten die Hinterbliebenen. Der Air-France-Flug AF447 war am 1. Juni vergangenen Jahres auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich ins Meer gestürzt. Dabei kamen 228 Menschen ums Leben, unter ihnen 28 Deutsche.

Nach Angaben der französischen Ermittler war der Ausfall der Geschwindigkeitsmesser "ein Faktor" bei dem Unglück, aber nicht die alleinige Ursache. Wie sich nach der Katastrophe herausstellte, hatte es schon in den Jahren davor immer wieder Probleme mit den außen am Flugzeug angebrachten Mess-Sonden des französischen Herstellers Thales gegeben.

"Katastrophales Management"

Die Ursachen der Katastrophe fielen "zum großen Teil in die Verantwortung von Air France und Airbus, die von der französischen Regierung kontrolliert werden", sagte HIOP-Vertreter Winfried Schmidt, der seine 27-jährige Tochter bei dem Absturz verloren hat. Während Air France ein "katastrophales Management bei der Sicherheit" vorzuwerfen sei, habe Airbus "die fehlende Verlässlichkeit der Geschwindigkeitssonden" gekannt. Obwohl es "mehrere dutzend" ähnliche Vorfälle in den vergangenen Jahren gegeben habe, sei "keine verändernde Maßnahme vorgenommen" worden.

Zudem habe es die französische Luftfahrtaufsicht DGAC unterlassen, eine EU-Richtlinie umzusetzen, die eine Weitergabe von solchen Zwischenfällen an die europäische Luftfahrtaufsicht EASA verlange, kritisierten die HIOP-Vertreter. Diese habe nicht die Möglichkeit gehabt, das Unglück durch Anweisungen zur Verbesserung der Flugzeuge zu verhindern und "das Leben von 228 Menschen zu retten".

Die französische Behörde für die Aufklärung von Flugunfällen (BEA) wiederum vermeide es bis heute, einen Zusammenhang zwischen dem Ausfall der Geschwindigkeitsmesser und weiteren technischen Problemen herzustellen, die aus dem Flugzeug vor dem Absturz gemeldet worden seien. Es gehe offenbar darum, "aus wirtschaftlichen Gründen jede Kritik gegen Airbus und (seinen Mutterkonzern) EADS zu vermeiden", kritisierten die Hinterbliebenen.

ukl/AFP
 
 
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