Angestellte scheitert mit 500.000-Euro-Klage

18. Dezember 2008, 17:09 Uhr

Im Prozess um die Rekordforderung von fast 500.000 Euro Schadenersatz wegen Diskriminierung hat die Klägerin eine Niederlage erlitten. Die Richter sprachen ihr lediglich gut 10.000 Euro zu. Die türkischstämmige Angestellte fühlte sich wegen ihrer Herkunft und ihres Geschlechts diskriminiert.

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Diskriminierung, Urteil, Rekordklage, R+V Versicherung

Die 38-Jahre alte Versicherungsberaterin ist mit ihrer Rekordforderung von 500.000 Euro wegen Diskriminierung zunächst gescheitert©

Eine türkischstämmige Versicherungsberaterin ist mit ihrer Rekordforderung von fast 500.000 Euro Schadenersatz wegen Diskriminierung zunächst gescheitert. Das Arbeitsgericht Wiesbaden wies am Donnerstag die Klage überwiegend ab und sprach ihr nur 10.818 Euro wegen Einkommenseinbußen zu.

Die Frau will von ihrem Arbeitgeber, der Versicherung R+V, 433.900 Euro als Ausgleich für Einkommenseinbußen und mindestens 43.270 Euro Schmerzensgeld erstreiten. Es ist die höchste bisher in Deutschland verhandelte Summe nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungs-Gesetz. Die Klägerin und ihre Anwälte kündigten an, als nächste Instanz das hessische Landesarbeitsgericht anzurufen.

Die Versicherungsberaterin aus Saulgau in Oberschwaben hatte sich benachteiligt gefühlt, weil R+V ihre Stelle wegen ihrer Schwangerschaft an einen Nachfolger vergeben hatte. Der wurde nach Darstellung der Frau auch noch besser bezahlt. Sie selbst war auf einen schlechter dotierten Posten versetzt worden. Das Gericht erklärte die Versetzung für nichtig, sie sei eine "Benachteiligung der Klägerin aufgrund ihrer Mutterschaft und damit wegen ihres Geschlechts".

Die Frau fühlte sich auch als geborene Türkin benachteiligt. Dem folgte das Gericht nicht. Es legte der Klägerin die Prozesskosten auf. Bei dem Streitwert von knapp einer halben Million Euro betragen allein die Gerichtskosten etwa 5900 Euro, dazu kommen die Anwaltskosten. In dem seit Februar in Wiesbaden verhandelten Prozess hatten die Vertreter von R+V stets erklärt, die Klägerin sei weder als Frau noch als Nichtdeutsche benachteiligt worden.

Bei ihrer Schadenersatzforderung hatte die Frau die jährlich erzielbaren Provisionen auf der alten und der neuen Stelle verglichen und den Unterschied bis zu ihrer Pensionierung hochgerechnet. Diese Schadensberechnung kommt für das Gericht "nicht in Betracht". Der Frau stünden lediglich drei Bruttogehälter in Gesamthöhe von 10.818 Euro zu.

DPA
 
 
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KOMMENTARE (7 von 7)
 
juhela (19.12.2008, 23:16 Uhr)
Die Frau hat Recht
Sier konnte nachweisen, dass sie auf ihrem neuen Posten ca. 20 000 Euro pro Jahr weniger verdient. Hochgerechnet auf die verbleibende Lebensarbeitszeit ergibt das ca. 500 000 Euro. Die Höhe des Schadensersatzes ist also durchaus gerechtfertigt. Zumal sie schon sehr frühzeitig klargemacht hat, dass sie keinen Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen will, sondern bereits 6 Wochen nach der Geburt wieder voll arbeiten möchte. Ob sie wegen ihrer Herkunft diskriminiert wurde bleibt fraglich, doch eine Diskriminierung auf Grund der Schwangerschaft ist ja auch vom Gericht bejaht worden. Die 10 000 Euro sind einfach lächerlich und ermuntern Betriebe Frauen zu diskriminieren. Es kostet ja nur ein Taschengeld.
endbenutzer (19.12.2008, 08:29 Uhr)
Mich hätte mal interessiert...
...wie sich die Benachteiligung aufgrund der Herkunft denn geäußert hat. Oder ist hier einfach mal ins Blaue geschossen worden mit der Hoffnung, einen "Ausländerbonus" zu erlangen? Was die andere Sache betrifft, muss ich der Klägerin allerdings zustimmen.
Lou123 (18.12.2008, 18:43 Uhr)
oh,
und umgekehrt natürlich auch???
Lou123 (18.12.2008, 18:41 Uhr)
Lieber Walbe
"Nur wir "Deutschen" nicht."
.
Es wird ja auch etwas schwierig werden, dem Gericht klarzumachen, dass du als "Deutscher" (worauf die Gänsefüßchen hindeuten, kann ich nur spekulieren)aufgrund deiner Herkunft benachteiligt bist. Schade eigentlich.
.
Vielleicht sollte man wirklich den Mund halten, damit man nicht als Rassist gilt???
StillerBeobachter (18.12.2008, 17:54 Uhr)
Die Alte hat sie doch nicht mehr alle!
500.000 Euro für Verdienstausfall und Schmerzensgeld sind irgendwie ein schlechter Scherz. Für dieses Geld,das sie hier im Klageweg erstreiten wollte, müsste sie normalerweise 15-20 Jahre lang arbeiten, denn so toll verdienen diese Bank- und Versicherungsfuzzis jetzt auch wieder nicht.
esopherah (18.12.2008, 17:54 Uhr)
10k sind noch zuviel
ich kann das gleichmachertum kaum noch ertragen.
Ich fühle mich auch benachteiligt, ich kann keiner kinder bekommen und deshalb nicht in mutterschutz gehen (hab halt keine mumu und in ner zigarrenkiste kann ichs nicht austragen). Ich will auch, dass meine kollegen für 2 jahre meine arbeit mitmachen müssen (deren familien interresieren mich ja nicht, sollen die doch überstunden schieben).
Ich will jetzt 500k haben!
Walbe (18.12.2008, 17:46 Uhr)
500T€ Klage
Gutes Urteil da ansonsten jede/rausländische/r oder eingebürgerter Bürger dieselben Argumente zurecht basteln kann. Nur wir
"Deutschen" nicht. Unser Problem beginnt hier, denn man sollte den Mund halten damit man nicht als
Rassist gilt und umgekehrt???
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