Hinter den Kulissen des Discounters

16. Dezember 2002, 11:53 Uhr

Sogar die Gutverdiener gehören mittlerweile zur Klientel. Ein stern-Report über Kunden, Krämer und Kampfpreise.

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Einmal im Jahr veröffentlicht das US-Magazin »Forbes« eine Liste der reichsten Männer der Welt. Die neueste ist vom März. Auf Platz drei (hinter Microsoft-Gründer Bill Gates und dem Investment-Guru Warren Buffett) liegen zwei Brüder aus Essen: Karl und Theo Albrecht, die Gründer der Billigladenkette Aldi. Sie besaßen laut »Forbes« 26,8 Milliarden Dollar. Heute, Ende November, dürften daraus fast 28 Milliarden Dollar geworden sein. Denn von den 30 Milliarden Euro, die sie in ihren exakt 3741 deutschen und rund 2600 Auslandsfilialen jährlich einnehmen, bleiben den beiden Brüdern fünf Prozent Umsatzrendite. Das sind, vor Steuern, 1,5 Milliarden Euro im Jahr!

Pro Woche ein neuer Aldi

Das aber ist den beiden Aldis längst nicht genug. Woche für Woche eröffnen sie mindestens einen neuen Laden, allein in den vergangenen sechs Monaten 77. Und während überall Umsätze und Gewinne einbrechen, machten die Brüder, die ihr Discount-Imperium seit 1961 in Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt haben, einen Umsatzsprung von zehn Prozent.

Nicht zuletzt dank der teils tatsächlichen, teils eingebildeten Verteuerung durch den »Teuro« rennt mittlerweile fast jeder zum Aldi. 95 Prozent der Arbeiter, 88 Prozent der Angestellten, 84 Prozent der Beamten, selbst 80 Prozent der Selbstständigen kaufen dort. Die Zahl der Aldi-Kunden ist in den letzten zwölf Monaten um 20 Prozent gewachsen - so die Ergebnisse einer Umfrage, die Forsa vergangene Woche für den stern erhoben hat. Unter denen, die regelmäßig einmal pro Woche bei Aldi an der Kasse stehen, bilden die Selbstständigen, also die Besserverdienenden, mit 49 Prozent die größte Gruppe.

Champagner ist der Renner

In der »Forbes«-Liste sind die beiden Aldis in den vergangenen Jahrzehnten von ganz unten immer höher geklettert. Wenn sie nicht schon so alt wären, Karl ist 82 Jahre, Theo 80, dann könnten sie in einigen Jahren die reichsten Männer der Welt sein. Zu diesem Anlass würden die extrem sparsamen Männer aber allenfalls ein Fläschchen »Champagner Veuve Durand« brut zu derzeit 9,99 Euro entkorken, einen der Renner aus ihrem Stammsortiment, mit dem Besserverdienende sich die Kofferräume ihrer Oberklasse-Autos vollpacken.

Kein PR-Abteilung

Bedienungsanleitung auf der Rückseite der Flasche im stets leicht piefigen Aldi-Deutsch: »Genießen Sie diesen Champagner gut gekühlt als Aperitif, zu leichten Vorspeisen und zu allen Anlässen, die eine besondere Würdigung verdienen.« Flotte Texte oder flotte Sprüche gibt es bei Aldi nicht. Aldi hat keine Pressestelle. Aldi hat keine PR-Abteilung. Aldi hat keine Werbeabteilung. Die Schlagzeile über den einmal wöchentlich erscheinenden Anzeigenseiten in den Zeitungen lautet immer gleich: »Aldi informiert«. Da Aldi-Stammkunden die Preise ihrer Stammartikel auswendig können, enthalten die Anzeigen überwiegend Sonderangebote vom »Angora Fußwärmer für Damen und Herren« für »Stück 4,99« bis zum »Multimedia Home Entertainment Design Center Medion Titanium MD 8000 mit Intel Pentium 4 Prozessor« für 1199 Euro. Die Firma Aldi hat in ihrer mehr als 50-jährigen Geschichte nicht einen Pfennig für Werbeagenturen ausgegeben.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 49/2002

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