Vermögensverwaltung auch für den kleinen Geldbeutel

15. Juli 2010, 19:02 Uhr

Die Dienste eines Vermögensverwalters sind vielen Privatanlegern zu teuer. Börsengehandelte Indexfonds machen die Vermögensverwaltung jetzt immer günstiger. Von Julia Groth

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Börsengehandelte Indexfonds werden immer günstiger©

Die Vermögensverwaltung mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) entwickelt sich vom Nischenangebot zum Anlegerliebling. "Kunden fragen diese Leistung immer stärker nach", berichtet Alexander Seibold, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Dr. Seibold Capital, die fast ausschließlich mit Exchange Traded Funds (ETFs) arbeitet. Vermögensverwalter suchen aus dem ETF-Angebot die passenden Produkte heraus und gewichten sie je nach Marktlage. Sie können mit ETFs in ganze Märkte investieren, das Risiko so breiter streuen als mit aktiv gemanagten Fonds, besonders schnell auf Marktentwicklungen reagieren - und ihren Kunden besonders günstige Konditionen bieten.

Vermögensverwalter können immer niedrigere Preise anbieten

Ein Grund dafür, dass die ETF-Vermögensverwaltung beliebter wird, dürfte sein, dass Vermögensverwalter immer niedrigere Preise dafür anbieten können. Das können sie sich einerseits deshalb leisten, weil immer günstigere ETFs auf den Markt kommen - aufgelegt von Neulingen im deutschen Markt wie der Crédit-Agricole -Tochter Amundi, die mit Niedrigpreisen wirbt, um sich gegen die etablierte Konkurrenz zu behaupten. Zum anderen legen ETF-Anbieter mehr und mehr Indexfonds für Nischenmärkte auf. Um in Nischen zu investieren, mussten Vermögensverwalter bislang zu aktiv gemanagten Fonds greifen.

So setzte etwa Vermögensverwalter Seibold bis vor Kurzem für Investments in China und Russland aktive Fonds ein. "Es gab lange keine liquiden ETFs für Schwellenländer", sagt Seibold. "Aber das hat sich jetzt geändert." Insbesondere für die Regionen Asien, Südamerika und Osteuropa gebe es immer mehr davon. Anfang des Jahres konnte Seibold deshalb fast alle aktiven Fonds aus seiner Vermögensverwaltung verbannen.

Passives Investieren senkt Gebühren

Wie viel Geld Kunden für Seibolds ETF-Vermögensverwaltung insgesamt zahlen müssen, lässt sich nicht pauschal sagen - die Gesamtkosten hängen davon ab, wie hoch die Summe ist, die Seibold für einen Kunden verwaltet und wie oft er das Depot umschichtet. Dank des Einsatzes von Schwellenländer-ETFs statt aktiver Fonds konnte er jedoch vor Kurzem die fixe jährliche Verwaltungsgebühr um 0,5 Prozentpunkte auf 0,3 Prozent senken.

Auch Vermögensverwaltungskunden der Quirin Bank können vom Preisdruck im ETF-Markt profitieren. Die Fixkosten für die Vermögensverwaltung der Berliner Bank betragen zwar seit Jahren unverändert 75 Euro im Monat, zuzüglich einer erfolgsabhängigen Gebühr. Die Verwaltungsgebühren, die für die Indexfonds im Depot fällig werden, variieren jedoch - und diese variablen Kosten reicht die Bank direkt an die Kunden weiter. Sinken die Preise für ETFs, sinken also auch die Kosten für Quirin-Kunden.

Kritik an Dachfonds-Kosten

Bei ETF-Dachfonds sieht es bislang nicht ganz so rosig aus - obwohl auch diese vermögensverwaltenden Produkte vom Konkurrenzkampf unter den ETF-Anbietern profitieren dürften. "Manche Dachfonds sind viel zu teuer", sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. So kosten etwa einige ETF-Dachfonds der Frankfurter Investmentgesellschaft Veritas 1,5 Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr. "Das ist fast so viel wie ein Dachfonds, der in aktiv gemanagte Zielfonds investiert", kritisiert Nauhauser.

Für die zwei ETF-Dachfonds des Düsseldorfer Vermögensverwalters Artus Direct Invest zahlen Kunden sogar jährlich 1,8 Prozent Verwaltungsgebühr, zuzüglich einer erfolgsabhängigen Gebühr. "Wir sind besser als viele andere, und das lassen wir uns auch bezahlen", sagt Jörg Bohn, der bei Artus Direct als Chefstratege für die ETF-Dachfonds zuständig ist. "Unsere Leistung besteht eben nicht darin, die günstigsten ETFs zu finden." Das Unternehmen biete seinen Kunden stattdessen ein ausgefeiltes Risikomanagement. Das zuletzt auch recht gut funktionierte: Im Kursrutsch-Jahr 2008 verloren die beiden ETF-Dachfonds deutlich weniger als die Indizes, in die sie mit ETFs im Rahmen ihrer Core-Satellite-Strategie jeweils besonders stark investiert waren.

Neue Konzepte bieten breite Streuung

Deutlich günstiger ist der ebenfalls passiv investierende Arero Weltfonds des Mannheimer Wirtschaftsprofessors Martin Weber: Hier zahlen Anleger jährlich nur 0,45 Prozent Verwaltungsgebühr, eine erfolgsabhängige Vergütung kommt auch nicht hinzu. Streng genommen ist Arero jedoch kein Dachfonds. Denn er investiert nicht in Einzelfonds, sondern bildet einen eigens zu diesem Zweck aufgesetzten Index nach, der wiederum die Entwicklung bestimmter Aktien-, Renten- und Rohstoffindizes abbildet.

Ähnlich funktioniert ein ETF der Deutsche-Bank -Tochter DB X-Trackers: Der Fonds Portfolio Total Return Index ETF imitiert Vermögensverwaltungsstrategien. Dazu kauft er Einzeltitel aus den Bereichen Aktien, Anleihen und Immobilien und soll so die Wertentwicklung eines kompletten ETF-Portfolios nachvollziehen. Dem Fonds liegt ein Index zugrunde, der seinerseits die Entwicklung eines Pools aus ETFs abbildet - damit funktioniert er ähnlich wie ein Dachfonds, ohne jedoch tatsächlich einer zu sein. Mit 0,72 Prozent jährlicher Verwaltungsgebühr ist er allerdings teurer als Webers Weltfonds.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
rs-depot.de (16.07.2010, 17:38 Uhr)
ETF's und Volatilität
Die klassischen Fonds haben wegen überwiegender Erfolglosigkeit ausgedient, keine Frage. Mit Indexfonds (ETF's) liegt man in der Regel bedeutend besser, allein schon wegen der geringeren Kosten. Aber Indexfonds bewegen sich meist mit hoher Volatilität, wie der zugrunde liegende Index eben auch. Da hilft es z.B. mit einem Trendfolgemodell wie der 200 oder 300-Tage-Linie in Krisensituationen den Indexfonds auch mal zwischendurch zu verkaufen. Das verbessert die Performance und schützt vor allzu massiven Kursrückschlägen. Die letzten 15 Jahre seit 1995 trotz den beiden Crashs 2000-2003 und 2008 brachten beim DAX jährlich 7,0% und mit Trendfolge 12,1 % pro Jahr.