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Anlegen wie die Milliardäre: Das empfehlen die Finanzberater der Superreichen

Geldanlage in Zeiten von Null-Zinsen: Auch Deutschlands Superreiche sorgen sich um ihr Vermögen. Wer kann, leistet sich dafür ein eigenes Family Office. Hier verraten die Berater der Familie Quandt ihre Tricks.

Von Lukas Heiny

Ein Glas Kleingeld

Kleinanleger und Superreiche sorgen sich um ihr Geld. 

Wer wissen will, wie die Reichen und Superreichen ihr Geld anlegen, muss nach Bad Homburg fahren. Dort lassen die Quandts, Deutschlands reichste Unternehmerfamilie, ihr Vermögen verwalten. Sie gehörten zu den ersten, die ihren Reichtum professionell managen ließen. Heute bieten die Erben von Harald Quandt diesen Service auch anderen wohlhabenden Familien an, über ihre Firma HQ Trust.

"Wir sind unabhängige Berater und Vermögensverwalter in einem", sagt Adalbert Freiherr von Uckermann, 54, Geschäftsführer und Seniorpartner des so genannten Multi-Family-Office. Uckermann ist ein gut aussehender Mann, der viel lacht und an Herrn Kaiser erinnert, die Werbefigur, die den Deutschen einst Versicherungen verkaufte. Nur dass er genau das nicht macht. Er ist in einer ganz anderen Welt unterwegs.

Insgesamt verwaltet HQ Trust gut 4,5 Milliarden Euro – von nur 40 bis 50 Kunden. Wieviele es genau sind und wer, das sagt Uckermann natürlich nicht, es ist ein sehr diskretes Geschäft. "Unsere Hauptaufgabe ist es, die Vermögen unserer Kunden zu erhalten", sagt Uckermann. "Und die meisten wollen auch davon leben können." Damit nach Abzug von Steuern, Inflation und den Millionen zum Leben der jeweilige Familienschatz nicht kleiner wird, müssen Uckermann und seine Leute ordentliche Renditen erwirtschaften, 4 bis 6 Prozent jährlich streben sie an. "Das ist erheblich. Die niedrigen Zinsen sind auch für die reichen Leute ein Problem geworden", sagt Uckermann. "Die Strategien, die vor zehn oder 20 Jahren funktioniert haben, funktionieren heute nicht mehr."

Aber welche dann? Und was können Privatanleger von den Reichen lernen? Die vier wichtigsten Grundsätze:

1. Anlagestrategien anpassen

Die niedrigen Zinsen verändern alles. Anleihen seien heute tot, sagt Uckermann. Früher brachten Staatsanleihen oder Lebensversicherungen gute Zinsen. Oft legte HQ Trust früher rund die Hälfte der Familienvermögen so an – bei 4 Prozent Zinsen erreichte man aufs gesamte Vermögen gerechnet 2 Prozent jährlich, eine gute Basis. Heute steckt nur noch ein kleiner Teil des Portfolios in solchen Anlagen, vor allem wenn sich die Familien Liquidität wünschen, aber ihr Geld nicht direkt bei einer Bank lagern wollen. "Sicherheit aus Anleihen ist für unsere Kunden nicht entscheidend", sagt Uckermann. "Die Sicherheit kommt bei diesen Vermögen aus der Diversifikation." Für Normalsparer dürfte im Prinzip das Gleiche gelten.

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2. Vermögen breit anlegen

Etwa 60 Leute kümmern sich bei HQ Trust um die Millionen deutscher Unternehmerdynastien. Experten für Anleihen, für Aktien, für Private Equity, Hedgefonds, Immobilien, Gold, sogar welche für Wald und Ackerboden. Für jede Familie entwerfen sie eine passende Strategie. Sie hinterfragen in oft monatelangen Gesprächen die Risikobereitschaft. Grundsätzlich gilt auch bei den Wohlhabenden: Die Erträge früherer Jahre sind heute "illusorisch", wie Uckermann sagt – und die Schwankungen werden größer. Die Portfolios werden darum möglichst breit aufgestellt, sowohl was Anlageklassen als auch was die regionalen Schwerpunkte betrifft.

3. Langfristig auf Aktien und Immobilien setzen

Die Vermögensberater haben in den vergangenen Monaten umgesteuert. Familien, für die sie früher 40 Prozent des Vermögens in Aktien angelegt hatten, hätten heute 60 Prozent im Portfolio. In einzelne Aktien investieren sie dabei nicht, sie vertrauen das Geld lieber professionellen Fondsmanagern bei den Banken an – die sie in einem aufwändigen Prozess auswählen. Die zentrale Frage ist dabei nicht die Performance vergangener Jahre, sondern ob sich der Erfolg in Zukunft wiederholen lässt. Man solle sich nicht blenden lassen.

Und wenn möglich, rät Uckermann seiner Klientel, solle man 20 bis 30 Prozent in direkte Beteiligungen zu stecken, in Private Equity also. Im Schnitt würde das noch einmal 3 Prozentpunkte mehr Ertrag bringen. Unter 30 bis 50 Millionen Euro Gesamtanlagesumme ist das allerdings kaum zu empfehlen. Der Nachteil: Man kommt nicht so schnell an sein Geld heran, ebenso wenig wie bei Immobilien. "Wer aber bereit ist, Illiquidität zu akzeptieren, kann mehr erwirtschaften", sagt Uckermann. "Man muss sich das aber auch leisten können. Wenn man zwischendurch Angst bekommt, weil man das Geld braucht, wird es problematisch." Das gilt auch für normale Sparer, die sich ansonsten in anderen Finanzsphären bewegen: Wer es sich leisten kann, sein Geld langfristig in Aktien oder Immobilien zu stecken, kann höhere Erträge erzielen.

Mit einem Welt-ETF – also einem Indexfonds, der die Entwicklung der Weltbörsen abbildet – könne man nichts falsch machen, sagt Uckermann, das hätten seine Kinder auch im Depot. Die Kosten solcher Fonds sind auch niedrig, ein ganz wichtiger Punkt für Privatanleger. Und man profitiert langfristig – unabhängig vom Auf und Ab der Tagesbörsen. Denn trotz aller Analysemethoden und Prognosemodelle: "Ich habe keine Ahnung, wo der Dax am Ende des Jahres steht", sagt Uckermann. "Eher wo er in zehn Jahren steht."

4. Ruhe bei der Geldanlage bewahren

Permanent beobachten Uckermanns Leute die Märkte, hektisch werden sie selten. Einmal im Monat tagt das Investmentteam. Morgens um neun beginnt die Sitzung im großen Konferenzraum im Untergeschoss. Die zentrale Frage dabei: Müssen wir angesichts der Weltlage unsere Taktik ändern? Muss etwa der Anteil europäischer oder japanischer Aktien in den Portfolios steigen? Bis zum Nachmittag stecken acht Experten den künftigen Kurs ab. Während der Turbulenzen an Chinas Börsen zu Beginn dieses Jahres etwa änderten sie gar nichts. Ihre fundamentalen Annahmen hatten sich nicht geändert. "Wenn die drüben in den Frankfurter Banken nervös werden, können wir ruhig bleiben", sagt Uckermann. Diese Ruhe und der langfristige Blick, das seien die größten Unterschiede zwischen sehr wohlhabenden Familien und normalen Anlegern, sagt er. "Wir arbeiten ohne die Emotionalität der Privatanleger. Das Schlimmste, was Sie machen können, ist sich jeden Tag den Depotauszug anzuschauen."


Seit neuestem testet HQ Trust noch etwas ganz Neues. Sie wollen ihren Service auch über Internet und Smartphone zugänglich machen. Dafür hat sich HQ Trust an dem Fintech-Unternehmen Liqid beteiligt, einem digitalen Vermögensverwalter. "Damit bilden wir unsere Anlage-Strategie auf einer digitalen Plattform ab", sagt Uckermann. Das, was man seit Jahren für sehr wohlhabende Familien mache, biete man nun auch Anlegern mit deutlich weniger Geld an. "Wir betreiben damit die Demokratisierung des Family-Office."

Allerdings: Für Kleinsparer im engeren Sinne ist das immer noch nichts. Man muss schon 100.000 Euro mitbringen, dann erhält man die Einsteiger-Angebote, die das Millionärs-Portfolio über ETFs nachbilden. Und ab 250.000 Euro erhält man das volle Programm "Liqid Select", ein aktives, globales Portfoliomanagement. Sogar Investments in Private Equity – eine Anlageklasse, die bislang für Privatanleger verschlossen ist – sollen dann möglich sein. Derzeit läuft der Testbetrieb, im Mai soll es losgehen.