5. Mai 2004, 15:51 Uhr

Blüten aus dem Geldautomat?

Die Gefahr, an einem Bankautomaten Falschgeld zu bekommen, nimmt offenbar zu. Zwar sollen diese eigentlich nur mit von der Bundesbank kontrolliertem Geld befüllt werden, aber einige schwarze Schafe umgehen diese Vereinbarung.

Die Beweislast liegt beim Kunden: Kamen die Blüten wirklich aus dem Automaten?©

Wurde den Konsumenten bei der Euro-Einführung nicht versprochen, das neue Geld sei "praktisch fälschungssicher"? Offenbar nicht, denn die Gefahr, an einem Bankautomaten Falschgeld zu bekommen, nimmt zu. In der Vergangenheit hat es vermehrt Fälle gegeben, in denen Blüten offensichtlich über Geldautomaten in den Umlauf gebracht wurden, erklärte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts (LKA). Er bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatts", das über eine zunehmende Falschgeld-Verbreitung über Bankautomaten berichtet hatte.

Vorfälle in Bayern und NRW

So verzeichnete die Polizei in Bayern über zehn Fälle, in denen Blüten offensichtlich aus Geldautomaten kamen. "Die Fälle sind einfach da", sagte LKA-Sprecher Detlef Puchelt. Anscheinend haben die Banken in ihren Bemühungen nachgelassen, das über Geldautomaten verteilte Geld zu überprüfen. Das ist besonders deshalb kritisch, weil Bankkunden, wenn sie die Bank aufsuchen, davon ausgehen, dass sie kein Falschgeld erhalten.

In Nordrhein-Westfalen wurden nach Angaben des LKA in den vergangenen zwei Jahren 26 Fälle registriert, in denen die Blüten offenbar aus Bankautomaten stammten. Im Verhältnis zu der Gesamtzahl der sichergestellten Blüten ist der Anteil des Falschgelds aus Geldautomaten jedoch "verschwindend gering", betonte der Sprecher des LKA Düsseldorf, Frank Scheulen. So wurden alleine in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr knapp 22.400 falsche Euro-Scheine gemeldet. In Hessen gab es nach Angaben von LKA-Sprecher Udo Bühler in den vergangenen zwei Jahren etwa 10 bis 12 Fälle, in denen die Betroffenen glaubhaft versichern konnten, dass ihre Blüten aus dem Geldautomaten stammten. "Das hatten wir bei der D-Mark aber auch."

Berlin: Zehn Fälle pro Jahr

Nach den vorherigen Verdachtsfällen hat nach einem Pressebericht auch das Berliner Landeskriminalamt bestätigt, dass Bankautomaten in der Hauptstadt mit Falschgeld bestückt wurden. Etwa zehnmal jährlich werde in Berlin Falschgeld unter den Scheinen gefunden, die gerade am Bankautomaten gezogen wurden, meinte der Berliner Falschgeld-Experte Jens Bachmann in der "Berliner Zeitung" (Mittwoch).

Bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) vertraut man in solchen Fällen auf die Technik. Zum einen sei es unmöglich, dass Falschgeld überhaupt in die Maschinen komme, versichert Haspa-Sprecherin Sigrid Kaiser. Die Bank verwendet ausschließlich Bundesbank-geprüfte Noten. Zum anderen wird jede Transaktion Video-überwacht und auf einem Extra-Drucker protokolliert. Das ist das bekannte Rattern beim Geldabheben. Wer sich darauf nicht verlassen mag, dem bleibt nichts anderes übrig, als die sechs Sicherheitsmerkmale der Euro-Scheine einzeln zu prüfen. Eigentlich unzumutbar, wie Hörmann von der Verbraucherzentrale findet, schließlich sei es die "selbstverständliche Pflicht und Schuldigkeit der Banken, echtes Geld unter das Volk zu bringen", so Hörmann.

Erkennen Sie den Unterschied Die meisten Falschgeldscheine werden mit Farbkopierern oder Farbdruckern hergestellt. Sie lassen sich als Fälschungen erkennen, wenn sie anhand von bestimmten Sicherheitsmerkmalen überprüft werden.
Ob ein Euro-Schein echt ist, lässt sich zum Beispiel ertasten. Bei den Originalen heben sich die Abkürzung der Europäischen Zentralbank und die Wertzeichen von der Oberfläche ab.
Auch das Auge erkennt den Unterschied zwischen echten und falschen Noten. Beim Bewegen einer echten Banknote zeigt ein silbriger Streifen aus Spezialfolie mehrfach das Euro-Symbol oder die Wertzeichen, und zwar im farbigen Wechselspiel.
Im Gegenlicht müssen zudem verschiedene Wasserzeichen zu sehen sein: Dazu gehören das Architekturmotiv, die Wertzahl und dunkle, senkrechte Balken.

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