So sorgen Sie richtig fürs Alter vor

22. Februar 2010, 19:46 Uhr

Altersvorsorge ist wichtig. Aber welche Strategie passt zu Ihnen? Was bringt das Riestern, was steckt hinter Rürup? Hier können Sie in sechs Schritten bestimmen, was das Richtige für Sie ist. Von Joachim Reuter

Lassen Sie sich nicht von der Vielzahl der unterschiedlichen Vorsorgeprodukte aus der Banken- und Versicherungswelt verwirren. Es bringt auch nichts, aus Angst vor einem Fehlkauf die Entscheidung auf die lange Bank zu schieben. Denn je früher Sie sich um Ihre Altersvorsorge kümmern, desto mehr profitieren Sie von staatlicher Förderung. Gehen Sie einfach die folgenden sechs Schritte auf dem Weg zu Ihrer neuen Rente. Mit den ersten drei Schritten sind Sie bereits auf der sicheren Seite. Nach dem Pflichtprogramm sind die letzten drei Schritte die Kür.

Schritt 1: Die gesetzliche Rente richtig einschätzen

Es passiert ganz automatisch: Jeder abhängig Beschäftigte zahlt in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Den Beitrag von derzeit 18,9 Prozent des Bruttoeinkommens (2014 bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 5950 Euro in den alten bzw. 5000 Euro in den neuen Bundesländern) teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Versicherungspflichtige Selbstständige und freiwillig Versicherte zahlen ihre Beiträge in der Regel allein.

Wer aber glaubt, dass die staatliche Rente wie ein privater Sparvertrag funktioniert, irrt gewaltig. Das Monat für Monat eingezahlte Geld wird keineswegs angespart, um es mit Verzinsung im Rentenalter wieder auszahlen zu können. Das 1957 eingeführte System funktioniert nach dem Umlageverfahren. Das bedeutet: Die aktuell eingenommenen Beiträge werden sofort wieder an die heutigen Rentner ausgezahlt.

Einzahler müssen darauf hoffen, dass die folgende Generation in der Lage ist, ihre Rente zu bezahlen. Dieses stille Abkommen heißt deshalb "Generationenvertrag". Doch schon heute genügen die Gelder der Jungen nicht mehr, um den Bedarf der Alten zu decken. Die Staatskasse und damit der Steuerzahler schießt zu. Wie hoch die Rente für die heute Beschäftigten in Zukunft sein wird, ist deshalb kaum kalkulierbar. Eine ungefähre Vorstellung verschafft die Renteninformation. Millionen Arbeitnehmer erhalten sie regelmäßig per Post von der Deutschen Rentenversicherung.

Fest steht, dass das Rentenniveau deutlich sinkt. Die Bundesregierung rechnet bis zum Jahr 2027 mit einem Absacken von heute 48,7 Prozent des Nettoeinkommens vor Steuer auf 45,4 Prozent. Bis 2030 ist sogar ein Absinken auf 43 Prozent möglich. Zumindest diese Lücke muss man schließen, wenn man leben will wie ein heutiger Rentner.

Noch nicht eingerechnet ist dabei die Geldentwertung (Inflation). Von einer heute in Aussicht gestellten Rente in Höhe von 800 Euro bleiben bei einer geschätzten durchschnittlichen Inflationsrate von rund zwei Prozent nach zehn Jahren noch 653 Euro an Kaufkraft übrig, nach 20 Jahren kann man nur noch Waren im heutigen Wert von 534 Euro kaufen. Das ist zwar auch Geld, aber sicher zu wenig, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu erhalten. Um den zu erreichen, sind mindestens zwei weitere Schritte nötig.

Hier finden Sie weitere Informationen zur gesetzlichen Rente und wie sich Ihre späteren Ansprüche berechnen.

Schritt 2: Eine Betriebsrente sichern

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat einen rechtlichen Anspruch auf eine betriebliche Altersversorgung. Immer weniger Unternehmen jedoch zahlen eine solche Betriebsrente (Fachausdruck: Direktzusage) komplett selbst. Die Firmen sind aber gesetzlich verpflichtet, ihren Beschäftigten mindestens einen externen Anbieter von Betriebsrenten zu vermitteln. Dazu zählen Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen sowie (Direkt-)Versicherungen. In diese Einrichtungen können Arbeitnehmer und Arbeitgeber flexibel einzahlen. Ein wesentlicher Vorteil: Die Kosten für solche betrieblich organisierten Sparverträge sind in aller Regel niedriger als beim privaten Abschluss, die Rendite ist deshalb höher. Weil der Arbeitgeber das Geld in der Regel direkt aus dem Bruttogehalt überweist, hat das außerdem Vorteile bei der Steuer und den Sozialabgaben.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Betriebsrente.

Schritt 3: Die Riester-Rente abschließen

Jeder Arbeitnehmer kann einen staatlich geförderten Riester-Sparvertrag abschließen. Sie wurde 2002 eingeführt und ist nach dem damaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) benannt. Das Argument, man habe für Riester-Sparen nicht genug Geld übrig, zieht kaum. Denn der so genannte Sockelbetrag, den Sparer selbst aufbringen müssen, beträgt nur fünf Euro pro Monat (60 Euro pro Jahr).

Achtung: Finanzberater reden oft von einem "Mindestbeitrag", derzeit in Höhe von vier Prozent des Einkommens, also deutlich mehr als der Sockelbetrag. Wer den Mindestbeitrag zahlt, bekommt die maximale Förderung. Doch das ist kein Muss. Lassen Sie sich also davon nicht verwirren! Sie allein bestimmen die Höhe Ihrer Riester-Sparrate.

Auch wenn Sie Ihre Rate niedriger wählen als den Mindestbeitrag, profitieren Sie von allen Vorteilen des Riester-Sparens. Als eine Art Entschädigung und Anreiz zugleich fördert der Staat den Einstieg erheblich, per Geldzuschuss und Steuervergünstigung. Wie viel Zusatzrente genau herauskommen kann, hängt von Form und Anbieter ab.

Was für wen taugt, lässt sich, abgesehen von der Risikobereitschaft, am ehesten am Einstiegsalter des Sparers festmachen.

Zur Wahl stehen drei Riester-Arten:
(1) Riester-Fondssparen - geeignet für alle unter 40 Jahren
(2) Riester-Rentenversicherung - für 40- bis 45-Jährige
(3) Riester-Banksparen - für Mitte 40 und älter

Hier finden Sie die wichtigsten Fakten zur Riester-Rente auf einen Blick.

Alternative für Selbstständige und Freiberufler: Rürup-Rente

Selbstständige und Freiberufler dürfen in der Regel keine geförderte Riester-Rente abschließen. Das ist nur in Ausnahmefällen möglich, zum Beispiel, wenn sie mit einem/r "Riesterberechtigten" verheiratet sind. Seit 2005 gibt es für diese Gruppe aber die sogenannte Basis- oder auch Rürup-Rente (nach ihrem Erfinder, dem Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup). Sie bringt deutlich höhere Steuervorteile als das Riestern: 2014 dürfen Rürup-Sparer bis zu 15.600 Euro (Verheiratete: 31.200 Euro) jährlich steuerlich gefördert anlegen. Bis 2025 soll dieser Betrag auf 20.000 Euro (Verheiratete: 40.000 Euro) steigen.

Mehr Informationen zur Basis-Rente finden Sie hier.

Schritt 4: Über Wohneigentum nachdenken

Studien zeigen: Immobilienbesitzer sind im Alter durchschnittlich wohlhabender als Mieter. Außerdem denken die meisten Deutschen beim Stichwort Alterssicherung ohnehin an selbst genutztes Wohneigentum. Und das zu Recht.

Experten gehen davon aus, dass sich gut gelegene und gepflegte Wohnimmobilien in wirtschaftlich wachsenden Regionen noch auf Jahrzehnte mindestens als wertstabil erweisen - trotz schrumpfender Bevölkerung und sogar, wenn die heimische Volkswirtschaft nur noch vor sich hin dümpeln sollte. Auch die an allen anderen Sparformen nagende Geldentwertung (Inflation) kann dem Wohnimmobilienwert weniger anhaben.

Wichtigstes Kriterium in Sachen Wertstabilität ist die Lage. Mallorca-Fincas, Kreta-Hütten, Florida-Apartments oder Toskana-Höfe haben mit Alterssicherung nichts zu tun - eher mit aufwendiger Freizeitgestaltung.

Das Risiko einer Fehlinvestition ist allerdings auch hierzulande gestiegen: "Traumhäuser" auf der grünen Wiese oder Massen- Siedlungsreihenhäuser weit außerhalb von Städten haben schon heute in vielen Regionen deutlich an Wert verloren. Verkäufer in Teilen Sachsen-Anhalts, in Thüringen und in Vorpommern, aber auch im Ruhrgebiet, im Saarland und in Bremerhaven dürften innerhalb der vergangenen zehn Jahre oft ein Verlustgeschäft gemacht haben. Im selben Zeitraum verzeichneten dagegen Immobilien in den Großräumen München, Rhein-Main sowie im Rheinland und in Hamburg deutliche Wertzuwächse.

Laut einer Studie der Deutschen Bank stehen neben Einfamilienhäusern zunehmend innerstädtische Wohnungen ganz oben in der Käufergunst. Prüfen Sie, ob sich der Umstieg von Miete auf Eigentum lohnt.

So kann sich die Investition rechnen: Mietfreies Wohnen im Alter spart einem Single 530 Euro im Monat, ein Zwei-Personen-Haushalt muss 632 Euro weniger für Wohnen aufwenden, schätzt der Baufinanzierer LBS.

Aber Vorsicht: Nicht jeder Mensch ist ein "Immobilien-Typ". Wer sich darüber unschlüssig ist, den Aufwand drumherum als zu groß empfindet oder einfach völlige Ortsungebundenheit will, sollte vom Eigenheim die Finger lassen. Es gibt noch weitere Vorsorgemöglichkeiten.

Schritt 5: Prüfen, ob eine Lebensversicherung sinnvoll ist

Eine Kapital bildende Lebensversicherung kann auch für die Alterssicherung sinnvoll sein. Kein anderer Sparvertrag schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: finanzielle Absicherung von Angehörigen (und/oder größeren Krediten) im Todesfall und garantiert verzinste Kapitalauszahlung im Erlebensfall.

Wegen des niedrigen Zinsniveaus am Kapitalmarkt sinkt aber auch die Garantieverzinsung: Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Lebensversicherer ihren Kunden ab Anfang 2015 für Neuverträge nur noch 1,25 Prozent Verzinsung auf den Sparanteil zusagen dürfen. Derzeit sind es noch 1,75 Prozent.

Hier finden Sie ausführliche Informationen, welche Lebensversicherungen nützlich für Ihre Alterssicherung sind.

Schritt 6: Noch Geld übrig? Dann mit Fonds an die Börse!

Altersvorsorge und Börse - das passt für viele Sparer nicht zusammen. Ein Fehler, denn trotz der zeitweise heftigen Kursschwankungen bieten Aktien, Zinspapiere und auch Immobilienfonds-Anteile langfristig attraktive Renditechancen.

Davon können auch Vorsorgesparer profitieren. Seit 1998 bieten Banken und Sparkassen auf Altersvorsorge spezialisierte Investmentfonds an, die sogenannten AS-Fonds. Das Kürzel "AS" steht für Altersvorsorge-Sondervermögen. Weil die Fonds zur Absicherung im Ruhestand gedacht sind, müssen sie sehr strenge gesetzliche Regelungen erfüllen.

Da der Gesetzgeber sich nie zu einer Förderung der AS-Fonds hat durchringen können, ist die Nachfrage der Kunden und die Zahl der AS-Fonds allerdings gering. Seit Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuchs im Juli 2013 dürfen keine neuen AS-Fonds mehr aufgelegt werden. Bestehende Fonds haben aber Bestandsschutz.

Wenn Sie mehr über das Sparen mit Fonds wissen wollen, dann klicken Sie hier.

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