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bAV - Betriebliche Altersversorgung: So funktioniert die Betriebsrente

Die Betriebsrente bietet jede Menge Vorteile. Das Gute: Jeder festangestellte Arbeitnehmer hat Anspruch darauf. Hier erklären wir Ihnen, wie Sie sich die Betriebsrente sichern.

Auch wenn der Chef sich querstellt: Beharren Sie auf Ihre Rechte, es geht um Ihre Rente

Auch wenn der Chef sich querstellt: Beharren Sie auf Ihre Rechte, es geht um Ihre Rente

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat einen rechtlichen Anspruch auf betriebliche Altersversorgung, oft gebrauchtes Kürzel: bAV. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Unternehmen eine Betriebsrente zahlen muss, wie es besonders bei größeren Firmen und Konzernen viele Jahre üblich war. Im Gegenteil: Betriebsrenten, die allein das Unternehmen für seine Mitarbeiter finanziert und organisiert (auch "Direktzusage" genannt), sind ein Auslaufmodell.

Konkurssicher vorsorgen

Aber Firmen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Beschäftigten mindestens einen "externen Anbieter" von Betriebsrenten zu vermitteln. Dabei handelt es sich um sogenannte Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen sowie (Direkt-)Versicherungen. In diese Einrichtungen können Arbeitnehmer und Arbeitgeber flexibel einzahlen.

Die Kosten für solche betrieblich organisierten Sparverträge sind in aller Regel niedriger als beim privaten Abschluss, die Rendite ist höher.

Und so wird gespart: Meist wird ein Teil des Jahresgehaltes - etwa vom Monatslohn oder auch Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder Sonderzahlungen - in die betriebliche Versorgung "umgewandelt" (Fachausdruck: "Entgeltumwandlung"). Weil der Arbeitgeber das Geld in der Regel direkt aus dem Bruttogehalt überweist, hat das steuerliche Vorteile. Bei bis Ende 2004 abgeschlossenen Verträgen beispielsweise sind bis zu 2856 Euro im Jahr steuer- und sozialabgabenfrei. Eine etwas kompliziertere Regelung gilt für Neuverträge ab 2005. Hier werden derzeit maximal rund 4656 Euro im Jahr steuerlich gefördert, zum Teil fallen aber Sozialabgaben an.

Ein Beispiel: Ein 40-jähriger Arbeitnehmer zahlt jährlich 1500 Euro von seinem Bruttogehalt in eine Pensionskasse ein - das Nettoeinkommen verringert sich dadurch aber nur um etwa die Hälfte der eingezahlten Summe. Die Pensionskasse wird das Geld überwiegend in Zinspapieren und zu einem geringeren Teil in Aktien anlegen. Mit 65 Jahren bekommt der Arbeitnehmer garantiert 51.000 Euro ausbezahlt - konkurssicher. Weil das Geld angelegt wird, kommt noch eine Zusatzrendite obendrauf. Zum Rentenbeginn kann der bAV-Sparer dann wählen: zwischen einer monatlichen Rente und der Auszahlung der Summe im Ganzen oder in Teilen.

Ein weiteres unschlagbares Plus: Alle Anwartschaften auf eine betriebliche Altersversorgung, die durch Entgeltumwandlung finanziert werden, sind sofort unverfallbar. Dem Arbeitnehmer wird seine Rente also garantiert ausgezahlt - auch bei einem Arbeitgeberwechsel. Und auch bei plötzlicher Arbeitslosigkeit wird das bis dahin angesparte Guthaben nicht von den Sozialämtern angetastet, es ist Hartz-IV-sicher. Wie alle anderen Rentenbezüge wird aber auch die betriebliche Altersversorgung ab Rentenbeginn besteuert.

Übrigens: Arbeitnehmer können als betriebliche Altersversorgung auch einen Riester-Vertrag besparen. Dann fließt das Geld allerdings aus dem Nettogehalt (Nettoentgeltumwandlung). Dafür gibt es aber staatliche Zulagen, außerdem können die Aufwendungen bei der jährlichen Steuererklärung geltend gemacht werden. Der Nachteil: Der Sparer zahlt doppelt Krankenkassenbeiträge - während der Ansparphase, und dann später auch noch auf seine Rentenbezüge. Experten raten daher meist von der Kombination Riester-Vertrag und bAV ab.

Welche Variante die günstigere ist, sollte man sich also vorher genau durchrechnen. Doch wie an einen betrieblich organisierten Sparvertrag herankommen?

Auch Selbstständige können vorsorgen

In vielen Branchen haben Arbeitgeber und Beschäftigte, vertreten von den Gewerkschaften, Standardangebote organisiert. Verwalter und Manager dieser Angebote sind große Versicherer und Banken. Abschließen kann man eine betriebliche Altersversorgung ganz bequem - im Betrieb. Die nötigen Formulare und Hilfen beim Ausfüllen gibt es in Personalabteilungen, Betriebsratbüros oder - in kleinen und mittelständischen Firmen - direkt beim Chef. Der wird bei einer solchen Anfrage seiner Mitarbeiter typischerweise einen Termin mit einem Vertreter des Anbieters verabreden.

Übrigens: Auch viele Selbstständige und Freiberufler können sich eine Art "Betriebsrente" sichern. Dazu stehen beispielsweise Ärzten, Apothekern, Anwälten, Steuerberatern und Architekten jeweils eigene berufsständische Versorgungswerke offen. Für viele ist der Beitritt geradezu zwingend: Denn außer aus freiwilliger, gesetzlicher Rentenversicherung gibt es für diese Gruppe keinerlei andere Rentenbezüge aus der sogenannten Basisversorgung.

Und was tun Beschäftigte in Wirtschaftszweigen ohne Standardangebot? Sie gehen den gleichen Weg: Zur Personalabteilung, zum Betriebsrat oder zum Chef. Lassen Sie sich nicht mit "Haben wir nicht" oder "Weiß ich nicht" abspeisen. Denn jede Firma, und sei sie noch so klein, hat irgendwelche Versicherungsverträge abgeschlossen. Und wenn nicht: Eine Bankkonto-Verbindung besteht ganz sicher. Folglich besteht immer ein Kontakt zu Versicherungsvertretern, Bank- oder Sparkassenberatern. Denen genügt seitens des Firmenchefs das Stichwort "betriebliche Altersversorgung für meine Mitarbeiter", um alles Nötige anzukurbeln - sprich den Mitarbeitern ein solches Angebot vorzuschlagen.

Und wenn gleich mehrere Arten von Vorsorgeverträgen offeriert werden, also zum Beispiel die Wahl zwischen Pensionskasse und Pensionsfonds besteht? In diesem Fall hilft in der Regel nur, sich vom Anbieter beraten zu lassen oder die Prospekte selbst zu studieren.

Besonders viel Kapital ist in den vergangenen Jahren in Pensionskassen geflossen. Diese Form der betrieblichen Altersversorgung stand eine zeitlang - ebenso wie der Pensionsfonds - bei der steuerlichen Behandlung besser da als die Direktversicherung. Dieser Unterschied ist inzwischen aber verschwunden. Die Direktversicherung ist - gerade für kleinere Firmen - die am einfachsten zu organisierende Art der betrieblichen Vorsorge. Eher seltener angeboten werden Unterstützungskassen.

Vorsicht: Verwechseln Sie die Betriebsrentenform Direktversicherung nicht mit der gleichnamigen Bezeichnung für Policen, die Gesellschaften wie Cosmos Direkt, Europa oder die Deutsche Internet-Versicherung ohne Vertreter, also nur via Telefon und Internet, anbieten.

Wichtig: Die betriebliche Altersversorgung kann der Arbeitnehmer bei Firmen- oder Branchenwechsel mitnehmen. Genauer gesagt hat er einen gesetzlichen Anspruch auf den Übertragungswert seiner Betriebsrente, der dann in das Altersvorsorgesystem seines neuen Arbeitgebers fließt. Vorsicht: Der Übertragungswert entspricht nur bedingt den Einzahlungen des Arbeitnehmers. Er kann auch geringer sein, wenn der Arbeitnehmer über die Betriebsrente nicht nur fürs Alter gespart, sondern auch für einen Hinterbliebenenschutz für den Todesfall gezahlt hat. Diese Einzahlungen werden unter Umständen abgezogen.

Tipp: Besprechen Sie sofort, nachdem Sie mit einem neuen Arbeitgeber einig sind, welche Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung er für Ihr zu übertragendes Kapital bietet. Falls Ihnen die Konditionen nicht gefallen, können Sie Ihren alten Vertrag auch einfrieren und einen neuen beginnen. Und: Lassen Sie sich nicht von (mitunter etwas mürrischen) Seufzern des neuen Chefs oder seines Gehaltsbuchhalters beirren. Es ist Teil Ihrer Altersversicherung!

Fazit: Fragen Sie Ihren Chef, nerven Sie die Personalabteilung oder den Betriebsrat. Die betrieblich organisierte Altersversorgung ist empfehlenswert!

frk