Die Alternative zur Kündigung

Um eine Kündigung zu umgehen, können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf einen Aufhebungsvertrag einigen. Vor allem, wenn der Jobverlust mit einer Abfindung versüßt wird, unterschreiben viele Arbeitnehmer nur allzu gern. Doch damit fangen manch andere Probleme erst an.

Aufhebungsvertrag, Job, Geld, Abfindung, Kündigung, unterschreiben, alternative, arbeit, arbeitnehmer, arbeitgeber, chef

Bitte hier unterschreiben: Wer einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, sollte die Konsequenzen kennen©

Anders als bei einer Kündigung wird der Aufhebungsvertrag im gegenseitigen Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschlossen. Damit entfällt die von vielen als Makel empfundene Kündigung. Problematisch ist es aber, wenn im Zusammenhang mit dem Aufhebungsvertrag eine Abfindung gezahlt wird, die aus Sicht des Unternehmens dem Arbeitnehmer den Jobverlust versüßt und damit rechtliche Probleme einer Kündigung umschifft. Dann muss der Arbeitnehmer sehr genau darauf achten, dass ihm dieser Vertrag nicht als freiwillige Aufgabe des Arbeitsverhältnisses ausgelegt wird. Ansonsten droht eine bis zu zwölfwöchige Sperre für den Bezug des Arbeitslosengeldes, die sich kaum ein Arbeitnehmer leisten kann. Wird aber durch eine Zusatzklausel im Aufhebungsvertrag betont, dass bei Nichtzustandekommen des Aufhebungsvertrages eine Kündigung erfolgt wäre, entfällt diese Sperrfrist.

Als Faustformel für eine Abfindung gilt ein halbes Brutto-Monatsgehalt pro Jahr Beschäftigung im Unternehmen. Diese Abfindung muss aber voll versteuert werden. Allerdings kann sie steuerlich so behandelt werden, als stamme sie aus mehreren Jahren. Ein weit verbreiteter Irrtum ist übrigens die Annahme, im deutschen Arbeitsrecht gäbe es einen Rechtsanspruch auf Abfindung. Nur in einem Tarifvertrag oder einem Sozialplan können Abfindungsansprüche als Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes explizit festgeschrieben werden.

Niemals leichtfertig unterschreiben

Für viele Arbeitgeber ist die Möglichkeit eines Aufhebungsvertrages die elegante Chance, sich ohne Beteiligung eines eventuellen Betriebsrats und ohne eine Kündigung - die von einem Arbeitsgericht vielleicht als nicht wirksam angesehen werden würde - von Mitarbeitern zu trennen. Es winkt das schnelle Geld, mit dem versucht wird, Mitarbeiter zu einer raschen Unterschrift zu bewegen.

Lassen Sie sich von solchen Angeboten nicht unter Druck setzen und überdenken Sie den Ihnen angebotenen Vertrag. Immer wieder handeln hier Arbeitnehmer übereilt und ohne genaue Kenntnis der Konsequenzen. "Höchst problematisch wird es für den Arbeitnehmer, wenn in einem Aufhebungsvertrag der Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mit der Frist übereinstimmt, die der Arbeitgeber bei einer ordentlichen - also fristgerechten Kündigung - zu beachten hätte", verdeutlicht Hans-Christian Presto, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hamburg. "Bei dieser Variante werden die eingesparten Gehälter als Abfindung getarnt. Für den Arbeitslosen bedeutet dies nicht nur eine Sperrfrist, sondern auch ein Ruhen des Arbeitslosengeldes für die gesamte Dauer der Fristunterschreitung."

Fachlicher Rat lohnt sich

Dabei ist die Taktik der Personaler ganz einfach: Der Mitarbeiter wird zu einem persönlichen Gespräch gebeten und dann überraschend mit der Aussage konfrontiert, dass das Unternehmen Arbeitsplätze abbauen müsse. Der Vertrag liegt unterschriftsreif vor. Wer sofort unterschreibt, bekommt die garantierte Abfindungssumme. Andernfalls bleibt nur eine betriebsbedingte Kündigung.

Zum Thema
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.

 

  von Bananabender: Der Mythos Megapixel

 

  von Amos: Warum müssen verunglückte Reitpferde immer eingeschläfert werden?

 

  von Amos: Haus mit 5 Wohneinheiten. Jetzt steht eine Wohnung längere Zeit leer. Wie verhält es sich dann mit...

 

  von Amos: Smartphones zu Weihnachten: Kaufentscheidung abhängig von der Fotoauflösung? Telefonieren wäre doch...

 

  von StechusKaktus: Wie kann die kalte Progression abgeschafft werden?

 

  von bh_roth: Gastherme versetzen

 

  von Bananabender: Drucker Patronen

 

  von bh_roth: Lichterführung bei speziellen LKW

 

  von Amos: Wenn ich einen Karton Sekt aus Bequemlichkeit im Kofferraum "vergesse": wie hoch ist die...

 

  von Musca: Vogelschwarm filmen

 

  von Amos: Da ich als Arzt nicht mehr tätig bin, habe ich meine Berufshaftplicht gekündigt.

 

  von Amos: Eine Fondsgesellschaft schickt mir am 2..12.2014 die Steuerbescheinigung für 2013. Obwohl ich meine...

 

  von Gast: Ist der Nahme "Haircouture" geschützt

 

  von Gast: ich habe eine rente in höhe von 760 ?,wie viel kann ich dazu beantragen?