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23. Februar 2009, 15:31 Uhr

Pleitewelle wütet wie selten zuvor

Die Wirtschaftskrise fegt wie ein Orkan durch die Unternehmenslandschaft: Bereits jetzt meldeten 2009 weltweit mehr Firmen Insolvenz an als in den Gesamtjahren 2006 und 2007. Viele Gläubiger gehen leer aus: Knapp 500 Milliarden Dollar Schulden können im Extremfall nicht zurückbezahlt werden. Von Tobias Bayer, Frankfurt

Firmeninsolvenz, Kreditkrise, Finanzkrise, S&P

Eines der Opfer der Kreditkrise: Der US-Elektronikhändler Circuit City musste Ende 2008 Insolvenz anmelden© Lucy Nicholson/Reuters

Die Kreditkrise reißt so viel Unternehmen in den Abgrund wie seit Jahren nicht mehr. Laut der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) mussten seit Jahresbeginn bis zum 17. Februar insgesamt 31 der von den Bonitätswächtern bewerteten Unternehmen weltweit Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Viertel der gesamten Pleiten des vergangenen Jahres und übersteigt bereits die Gesamtzahl der Firmeninsolvenzen in den Jahren 2006 und 2007. Diese Daten gehen aus einem am Montag vorgestellten Bericht von S&P hervor.

Unter den Opfern der Kreditkrise befinden sich bekannte Firmen: In Deutschland mussten unter anderen der Speicherchiphersteller Qimonda, der Unterwäschefabrikant Schießer und der Modelleisenbahnanbieter Märklin Insolvenz anmelden. In den USA traf es den Einzelhändler Circuit City, die Unternehmensberatung Bearing Point, den Medienkonzern Tribune und mit Trump Entertainment einen Teil des Imperiums von Immobilieninvestor Donald Trump. Große Unsicherheit herrscht über die amerikanischen Automobilhersteller General Motors (GM), Chrysler und Ford. Die schwierige Finanzlage lässt die europäischen Töchter der Autokonzerne zittern: In Schweden beantragte GM-Tochter Saab Gläubigerschutz, in Deutschland ist die Zukunft von Opel ungewiss.

Ratingagentur erwartet Rekordzahl von Insolvenzen

Von den 31 von S&P verzeichneten Insolvenzen entfallen 23 auf die USA, fünf auf Schwellenländer, zwei auf Kanada und eine auf Frankreich. Besonders Unternehmen, die unter einer hohen Schuldenlast leiden, sind von einem Ausfall bedroht. Die Ausfallrate bei Firmen mit spekulativer Bonitätsnote kletterte im Januar auf 3,83 Prozent von 3,47 Prozent im Oktober. Damit nähert sie sich dem langjährigen Durchschnitt von 4,25 Prozent.

Die Bonitätswächter erwarten für 2009 einen Rekord für Insolvenzen. In den kommenden zwölf Monaten werde die Ausfallrate auf 13,9 Prozent steigen, schätzt S&P. Das wäre der höchste Stand seit mindestens 28 Jahren. Der bisherige Rekord liegt bei 12,5 Prozent und datiert aus dem Jahr 1991. Eine solche Ausfallrate würde bedeuten, dass im Durchschnitt 17 große von S&P bewertete Unternehmen weltweit im Monat in die Pleite schlittern. Die Gesamtzahl der Insolvenzen würde bis so bis Ende Januar 2010 auf 206 klettern. Erste Anzeichen für solch eine dramatische Entwicklung gibt es bereits. Die Zahl der Unternehmen, die S&P unter der Kategorie "Weakest Links" zusammenfasst, legte in den vergangenen zwölf Monaten ununterbrochen zu. Bis zum 16. Februar schwoll die Zahl auf 265 Unternehmen an. Die Schulden dieser Unternehmen belaufen sich auf 485,7 Milliarden Dollar. Unter "Weakest Links" fallen Firmen, deren Ratingausblick negativ ist und denen damit eine Herabstufung droht.

Von Tobias Bayer, Frankfurt
 
 
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