Guter Rat ist selten: Mit allerlei Tricks versuchen Bankberater und Versicherungsvertreter, die hauseigenen Angebote schönzureden. Der Etikettenschwindel hat Methode. Worauf Sie vor Abschluss eines Vertrags achten sollten.

Beim Beratergespräch gilt höchste Achtsamkeit
Kunden haben die Wahl aus Hunderten von Riester-Anlagen, doch viele entscheiden sich nicht für das passende Produkt. Ein Grund: Sie vertrauen viel zu oft den Vertretern ihrer Bank oder Versicherung. Doch Berater, auch von angeblich "unabhängigen" Finanzdienstleistern, verfolgen immer auch eigene Interessen: Viele preisen vor allem Anlagen an, bei denen es die höchsten Provisionen für sie gibt, bei denen sie und die Institute am meisten verdienen. Das Wohl des Kunden kommt leider oft erst an zweiter Stelle.
Besonders gern werden Rentenversicherungen angepriesen, sie machen rund drei Viertel aller Riester-Produkte aus. Kein Wunder: An dieser Riester-Variante verdienen die Institute am besten, hier sind gewöhnlich die meisten Kosten versteckt. Nur eine kleine Auswahl gibt es dagegen bei Banksparplänen, die Geschäftsbanken haben sie gar nicht im Angebot, sondern nur Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken. Der Grund: Hier ist die Gewinnmarge für den Anbieter am kleinsten.
So ist Eigeninitiative gefordert: Kunden sollten sich umfassend informieren, vergleichen und unabhängigen Rat einholen. Auf den folgenden Seiten erklären wir Ihnen die beliebtesten Tricks der Berater - und wie Sie sich dagegen wappnen.
"1. Platz", "Gesamt-Sieger", "Note: sehr gut": In Hülle und Fülle werben Riester-Anbieter mit Auszeichnungen, die ihnen in Tests verliehen wurden, beispielsweise von Finanzzeitschriften. Der Haken: Es gibt mittlerweile so viele Tests, dass fast jeder Anbieter schon einmal irgendwann für irgendein Produkt ausgezeichnet wurde. Lassen Sie sich von Auszeichnungen nicht verführen, ohne den entsprechenden Test genau geprüft zu haben. Denn die Testbedingungen und Beispielrechnungen sind oft so speziell, dass sie eventuell Ihrer persönlichen Situation nicht gerecht werden. Eine Versicherung, die hervorragend für eine junge, vierköpfige Durchschnittsfamilie geeignet ist, muss natürlich nicht auch für den älteren, alleinstehenden Top-Verdiener gut sein.
Neben Auszeichnungen werben Riester-Fonds gerne mit der bisherigen Wertentwicklung ihrer Angebote. Dann heißt es beispielsweise, dass ein Fonds in den vergangenen fünf Jahren eine durchschnittliche Jahresrendite von 13 Prozent gehabt hat. Achtung: Das sagt natürlich nichts darüber aus, wie sich die Werte in der Zukunft entwickeln werden.
Besonders unseriös sind Prognosen: Immer wieder wenden Anbieter von Fonds oder fondsgebundenen Versicherungen statistische Tricks an, um geschönte Zahlen präsentieren zu können. Doch die Renditehöhe lässt sich bei Fonds nur schwer vorhersagen, ist sie doch von zu vielen ungewissen Faktoren abhängig.
Im Zuge der Finanzkrise beispielsweise mussten renommierte Anbieter aufgrund von Sicherheitskonzepten Aktienfondsanteile in festverzinsliche Papiere umschichten. So wurden Verluste realisiert und auf Anleihen mit geringerer Rendite gesetzt. Die Gesamtrendite wird am Ende wohl erheblich geringer ausfallen als erwartet.