Der Glaube an Horoskope und seine Kritiker

26. Februar 2006, 13:54 Uhr

Lebenshilfe? Unfug? Horoskope sind umstritten. Jeder fünfte Deutsche glaubt einer aktuellen Umfrage zufolge an die Macht der Sterne. Kritiker vermuten die Macht eher bei den Astrologen.

Horoskope, Horoskop, Astrologie

Man kann sich auch seinen Lotto-Schein gemäß Horoskop ausfüllen lassen©

Die Sterne lügen nicht - sagt der Volksmund. Können sie auch gar nicht - sagt der Rat Deutscher Planetarien: "Über unser persönliches Schicksal sagen sie nämlich gar nichts aus." Jeder fünfte Deutsche sieht das anders: In einer repräsentativen Umfrage des Offenbacher Marplan-Instituts bekannten sich fast 19 Prozent der Deutschen zu ihrem Glauben an Horoskope. Astrologen beobachten eine zunehmende Nachfrage nach Schicksaldeutung anhand der Gestirne. Die christlichen Kirchen warnen, allein solchen Zukunftsvorhersagen zu folgen.

"Zeitungshoroskope sind Unterhaltung"

Der Frankfurter Theologe Jochen Kramm, der "hin und wieder" sein Horoskop in der Zeitung liest, betont: "Einen spielerischen Umgang damit halte ich für unbedenklich - es kippt, wenn man sich bei wichtigen Entscheidungen wie Vertragsabschlüssen abhängig macht von Astrologen." Der Leiter des Zentrums Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) erklärt den Hang zur Sterndeutung mit dem Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen. "Es wird eine Art Lebensgesetz in den Sternen gesehen." Doch Kramm mahnt: "Was in Tageszeitungen geschieht, ist eine Form von Unterhaltung; aussagekräftige Horoskope können nur professionelle Astrologen erstellen - und das ist teuer."

Bis zu 500 Euro werden nach Angaben von Christoph Schubert-Weller fällig, der seit mehr als 20 Jahren mit Astrologie sein Geld verdient. Ein persönliches Horoskop anhand ihrer Geburtsdaten ließen sich laut Marplan-Umfrage schon 9,1 Prozent der Deutschen erstellen. 5,2 der 2475 im Dezember des vergangenen Jahres Befragten gaben an, schon einmal eine Wahrsagerin besucht zu haben.

"Wissenschaftliche Grundsätze" versus "freie Wildbahn"

"Es gibt eine Menge Leute, die ihre Kenntnisse in der freier Wildbahn erworben haben und entsprechend praktizieren", warnt indes sogar Schubert-Weller, der Vorsitzender des Deutschen Astrologen-Verbandes (DAV) ist, einer "Vereinigung der nach wissenschaftlichen Grundsätzen arbeitenden Astrologen". Der Astrologen-Verband hat 850 Mitglieder, von denen sich nach diversen Tests gut 200 "Geprüfte Astrologen DAV" nennen dürfen. Schubert-Weller schätzt, dass es insgesamt 2000 hauptberufliche Astrologen in Deutschland gibt.

Ihre Horoskope - laut Lexikon die "Aufzeichnung der Stellung der Gestirne bei der Geburt eines Menschen zur Charakterdeutung und (angebl.) Zukunftsvorhersage" - ergeben etwa, dass "die im Sonnenzeichen der Jungfrau (24.8.-23.9.) Geborenen unter dem Einfluss des Merkur" stehen, der "erhöhte Kommunikationsfähigkeit garantiert". Stieren (21.4.-20.5.) wird "ein verstärktes Talent zur sinnlichen Wahrnehmung" nachgesagt, Zwillinge (21.5.-21.6.) sollen intellektuell und vielfältig interessiert sein.

"Ein Ausweis von Möglichkeiten"

Astrologe Schubert-Weller indes betont: "Ein Horoskop ist keine feste Zuschreibung, sondern ein Ausweis von Möglichkeiten." Der studierte Philosoph und Sozialpädagoge sagt: "Diese Bildersprache heißt nicht: Die Sterne haben festgelegt so und so bist und bleibst du."

Fremdbestimmung - nicht durch die Sterne, sondern den Astrologen?

Der Pfarrer Ferdinand Rauch, den das Bistum Fulda zum Beauftragten für "Sekten- und Weltanschauungsfragen" bestellt hat, ist da rigoroser: "Für mich sind Horoskope Unsinn." Er halte nichts von dieser Art Zukunftsdeutung, "weil man sich fremd bestimmen lässt - und zwar nicht von den Sternen, sondern von unbekannten Menschen, die Sternen bestimmte Deutungen zumessen". Dass Umfragen wie die von Marplan ausweisen, dass viele Menschen das anders sehen als er, wundert Rauch nicht: "Es war schon immer ein geheimer Wunsch des Menschen, die Zukunft in der Hand zu haben."

Der Bielefelder Historiker Christian Büschges, der über "Die Macht der Sterne. Astrologie zwischen Wissenschaft, Religion und Politik (1450-1650)" gearbeitet hat, bestätigt das. "An den Grundlinien hat sich wenig geändert, die wurden schon in der griechischen Antike geprägt", erläutert der Professor. "Zu einem Massenphänomen wird Sterndeutung im 18./19. Jahrhundert, fast parallel zur Entdeckung des Ich." Inzwischen gibt es allein im Internet reichlich Möglichkeiten, täglich sein Ich neu zu entdecken: Die Suchmaschine Google etwa weist für den Begriff "Horoskope" mehr als drei Millionen Einträge aus.

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