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17. Mai 2009, 16:31 Uhr

Britin wird mit 66 Jahren Mutter

Elisabeth ist 66 Jahre alt - und schwanger. Wenn alles gut geht, wird die Britin im Juni entbinden. Dann würde sie Großbritanniens älteste Gebärende sein. Wegen ihres unerfüllten Kinderwunsches hatte sie auf die Hilfe einer Klinik in Osteuropa gesetzt. Eine künstliche Befruchtung für Frauen dieses Alters ist äußerst umstritten.

Künstliche Befruchtung

Das Geschäft mit den Eizellen: Kritiker bemängeln, dass in ärmeren Ländern die finanzielle Not von Eizellen-Spenderinnen ausgenutzt werde© Ralf Hischberger/DPA

Elizabeths runder Bauch ist nicht zu übersehen. Und die hochschwangere Frau versucht auch gar nicht, ihre Rundungen vor neugierigen Blicken zu verbergen. Dabei schütteln manche Engländer ungläubig den Kopf, wenn sie die werdende Mutter sehen. Und fangen an zu lästern: Wenn Elizabeths Kind in die Pubertät kommt, wird sie selbst schon 80 Jahre sein, vorausgesetzt, sie erreicht dieses Alter überhaupt. Denn Elizabeth ist 66 Jahre alt, eigentlich im Großmutter-Alter. Doch sie ist dank einer künstlichen Befruchtung im 8. Monat schwanger. Wenn alles gut geht, wird sie im Juni entbinden. Dann würde sie - wenige Wochen vor ihrem 67. Geburtstag - Großbritanniens älteste Gebärende sein.

Elizabeth sieht in ihrem Alter kein Problem: "In meinem Betrieb arbeiten viele junge Frauen für mich, und ich bin fitter als die Hälfte davon", sagte die Geschäftsfrau dem "Sunday Mirror". "Es kommt nicht auf das Alter an, wichtig ist, wie man sich fühlt". Außerdem sieht sie gar nicht ein, dass sie sich verteidigen muss. "Das geht nur mich und mein Baby etwas an, niemanden sonst."

Aus einer geschiedenen Ehe hatte Elizabeth schon drei Stiefkinder. Doch der sehnlichste Wunsch der wohlhabenden Geschäftsfrau aus der Grafschaft Suffolk im Osten Englands war es, ein eigenes Kind zu haben, erzählen Freunde. Aber für eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege war es zu spät, und eine künstliche Befruchtung in Großbritannien kam nicht infrage. Das staatliche Gesundheitssystem NHS wie auch private Kliniken lehnen Befruchtungen von Frauen in Elizabeths Alter ab.

Weniger Bedenken hatte eine Klinik in der Ukraine, die schon mehreren älteren Frauen ihren Kinderwunsch mittels Spender-Ei und Sperma erfüllt hatte, berichteten britische Medien. Und es klappte auch bei der 66-Jährigen. "Sie war im 7. Himmel, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr", zitierte die "Daily Mail" eine Freundin. Und die Schwangerschaft soll bislang gut verlaufen sein. "Sie steht morgens etwas später als gewöhnlich auf, aber sie geht von montags bis freitags noch zur Arbeit", erzählte die Freundin.

Elizabeth ist nur eine von vielen Frauen, die wegen ihres unerfüllten Kinderwunsches auf Hilfe etwa in Osteuropa setzen, wo die Regeln weniger streng als zu Hause sind und mitunter auch Geld für das Spenden von Eiern fließt.

Eine künstliche Befruchtung für Frauen dieses Alters - in Deutschland hatte Ende 2007 der Fall einer 64 Jahre alten Mutter aus Aschaffenburg Schlagzeilen gemacht - ist äußerst umstritten. Mediziner warnen vor gesundheitlichen Gefahren für Mutter und Kind. Kritiker bemängeln zudem, dass in ärmeren Ländern die finanzielle Not von Eizellen-Spenderinnen ausgenutzt werde. Auch das Umfeld von Mutter und Kind reagiert nicht immer verständnisvoll. "Das war ein Schock", sagte eine Nachbarin, die trotz Elizabeths unübersehbaren Bauch erst durch die Medien von der Schwangerschaft erfuhr.

Mahnende Worte kamen auch von der Kirche: "Ein Kind ist ein Geschenk, kein Recht", sagte ein Sprecher der Anglikanischen Kirche. "Wer dieses Geschenk nicht bekommt, hat verständlicherweise einen großen Kinderwunsch. Aber es ist wichtig, das Wohl des Kindes dabei zu berücksichtigen."

Eine Lanze für die Mutterschaft im hohen Alter bricht dagegen die Britin Susan Tollefsen, die im vergangenen Jahr ihre Tochter Freya im Alter von 57 Jahren zur Welt brachte. "Ich weiß, dass es viele für egoistisch von mir hielten, ein Baby mit 57 zu bekommen, aber Freya könnte nicht mehr geliebt und umsorgt werden. Wenn ich gesund bleibe, sehe ich keinen Grund, dass ich nicht selbst 80 oder 90 werde und sehe, wie sie erwachsen wird."

Thomas Pfaffe, dpa
 
 
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