Der Kommerz mit der Katastrophe

20. Dezember 2012, 10:30 Uhr

Am 21. Dezember ist Schicht im Schacht, die Maya sagen das angeblich und der Nachbar von nebenan auch. Während Tag X nähert rückt, wächst der Hype um Endzeitprodukte - und trägt bizarre Blüten. Von Ilona Kriesl

Weltuntergang, Maya, 21. Dezember, Apokalypse, Asteroid

Ein riesiger Himmelskörper trifft die Erde und macht sie unbewohnbar. Ob uns das am 21. Dezember bevorsteht? Wohl kaum.

Ist es ein Asteroid? Ein explodierender Supervulkan? Oder sind es vielleicht doch wieder mal die Aliens, die unseren Planeten heimsuchen, alles Leben auslöschen und dann wieder verduften? Fest steht: Am 21. Dezember kommt etwas Dickes auf uns zu. Das glauben zumindest einige Internet-Prediger, die seit Monaten die vermeintliche Apokalypse einläuten. Auf einschlägigen Foren warnen sie vor schrecklichen Dingen, die schnurstracks auf unsere Erde zusteuern. Das Tragische an der ganzen Sache: Sie sind es nicht leid, ihre haarsträubenden Endzeitfantasien auch anderen Menschen einzuimpfen.

Der Stein des Anstoßes - und das kann man ruhig wörtlich nehmen - ist ein Kalender der Maya. Auf dem steinernen Relikt steht eine vermeintlich brisante Information: ein Vermerk auf den Weltuntergang am 21. Dezember. Doch die prophezeite Apokalypse entpuppt sich als folgenschwere Fehlinterpretation. An diesem Tag endet lediglich die 13. Periode des Maya-Kalenders - und nicht gleich die ganze Welt. Dennoch schürt das missverstandene Datum noch immer Angst und Panik. Auch einige Geschäftsleute profitieren von den Schatten, die der 21. Dezember vorauswirft.

Konserviertes Käsefondue

Bei dem Schweizer Reto Schätti steht das Telefon jedenfalls nicht mehr still. In letzter Zeit häufen sich die Anrufe von Journalisten und ängstlichen Kunden. Über seinen Onlineshop "Sichersatt" verkauft er "Notfall-Fresspäckli" für den besorgten Bürger. Auch viele Deutsche bestellen bei Schätti, der mittlerweile eine Zweigstelle in Baden-Württemberg betreibt. In seinem Lager stapeln sich gefriergetrocknete Kalorienbomben in Form von Bio-Volleipulver, Weizenriegeln und Dosenbrot. Bis zu zwei Jahrzehnte sind die konservierten Notvorräte haltbar. Reto Schätti selbst glaubt nicht an einen Weltuntergang am 21. Dezember, dafür aber einige seiner Kunden: "Ich spüre eine große Unsicherheit. Viele wollen auf das Unvorhersehbare vorbereitet sein."

Um "vorbereitet zu sein", greifen einige Käufer tief in die Tasche. 239 Euro kostet die Monatskiste für eine Person - sie enthält genug Nahrung, um eine Person 30 Tage lang über die Runden zu bekommen. Das Sorglos-Paket verkaufe sich zurzeit besonders gut, erklärt Schätti. Für den anspruchsvolleren Endzeit-Gaumen wartet der Geschäftsmann dagegen mit konserviertem Käsefondue "Schweizer Art" und Mousse au Chocolat auf. Notvorrat hin oder her: "Kleine Leckereien dürfen schließlich auch nicht fehlen", findet der Schweizer.

Zittern in geselliger Runde

Ist die hauseigene Speisekammer erst einmal prall gefüllt, stehen Weltuntergangs-Apostel derzeit vor dem nächsten Problem: Wo verkrieche ich mich auf Lebenszeit, wenn die Welt tatsächlich untergeht? Wem das heimische Kellerloch auf Dauer zu ungemütlich erscheint, kann sich noch in die luxuriöse Endzeit-WG der amerikanischen Firma "Vivos" einmieten. Zahlungskräftige Zeitgenossen können den Weltuntergang dann in Bunkern mit Flachbildfernsehern und Ledersofas verbringen. Kostenpunkt für das Zittern in geselliger Runde: Gut 35.000 Dollar, umgerechnet rund 27.000 Euro. Sei's drum: Wenn die Welt untergeht, taugt das gute alte Papiergeld bestenfalls noch zum Feuer schüren.

Allein beim Gedanken an den 21. Dezember schlottern die Knie und Schweißperlen rinnen über die Stirn? Abhilfe schafft ein Einkauf in einer Drogerie. Passend zum Weltuntergang bietet ein namhafter Deoproduzent eine "Final Edition" an. Zur Auswahl stehen ein "2012"-Duschgel und ein dazugehöriges Deospray. So bringt die Apokalypse niemanden mehr ins Schwitzen.

"Weltuntergangs-Versicherung" zum Schleuderpreis

Für Vorsichtige hat ein Geschenkartikelshop noch ein besonderes Ass im Ärmel: die weltweit erste Versicherung gegen den Weltuntergang mit einer Deckungssumme von einer Million US-Dollar. Für knapp 50 Euro lasse sich sämtliches Hab und Gut gegen die Apokalypse versichern, schreiben die Betreiber. Tritt der Ernstfall tatsächlich ein, erfolgt die Auszahlung der Summe innerhalb der nächsten 48 Stunden. Aber was passiert, wenn die Katastrophe ausfällt? Auch für diesen Fall hat der Onlineversand vorgesorgt: Der Versicherte erhält ein Shirt mit der Aufschrift "Ich überlebte den Weltuntergang 2012" - als Trostpflaster für die Million Dollar versteht sich.

So oder so: Produkte rund um den Weltuntergang sind bestenfalls für die Verkäufer ein lohnendes Geschäft. Sie dürfen sich auch nach dem 21. Dezember noch über das Geld freuen, das ihnen die vermeintliche Apokalypse eingebracht hat.

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Apokalypse Asteroid Baden-Württemberg Maya Tag X.
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