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Ratgeber Zähne
8. Oktober 2008, 13:53 Uhr

Bekenntnisse eines Zahnarzt-Hoppers

Zeit seines Lebens nahm unser Autor Bernhard Albrecht vor Zahnärzten Reißaus, die schnell und umfangreich bohren wollten. Bei seiner Recherche stellte der Journalist und Arzt fest: Oft ist er zu Recht geflohen. Von Bernhard Albrecht

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Karies? Kann sein – oder nicht sein. Bei der Diagnose bestehen große Spielräume, erfuhr Bernhard Albrecht bei seiner Recherche© silke wernet

Kennen Sie einen guten Zahnarzt?“ Stellen Sie diese Frage mal auf einer Party. Oder besser: Tun Sie es nicht, wenn Sie von Ihrem Gastgeber noch einmal eingeladen werden wollen, denn Gespräche über Zahnärzte dauern Stunden, machen schlechte Laune und sind richtige Partykiller. Ich habe es neulich gewagt und mich selbstverständlich tags darauf bei meiner Gastgeberin mit Blumen entschuldigt. Pure Not hatte mich zu meiner Frage getrieben. Ich bin bekennender Zahnarzt-Hopper – sobald ich die leisesten Zweifel an einem Zahnarzt habe, suche ich einen anderen auf. Und jetzt war es mal wieder so weit.

Angeblich sollen ja 95 Prozent der Deutschen mit ihrem Zahnarzt zufrieden sein. Aber ich schwöre Ihnen: Unter 15 Gästen der Party fand ich keinen, der sagte: „Ja, meinen kann ich dir empfehlen!“ Stattdessen walzte jeder seine Horrorgeschichten aus und füllte sie mit dramatischen Details.

Zum Beispiel mein Freund Malte: Fünf fehlerhaft gelegte Inlays hatte sein neuer Zahnarzt gefunden, unter denen die Karies wucherte – fünf qualvolle Wurzelbehandlungen waren die Folge, und zahllose Sitzungen über mehrere Monate. Oder Antje: Weil ein Zahnarzt, wie sie sagt, nicht erkannte, dass in der Wurzel ihres Frontzahns eine Entzündung wütete, breitete diese sich aus und löste den Kieferknochen unter dem Zahn großflächig auf. In mehreren Operationen bauten Kieferchirurgen ihn wieder auf, erzählt sie, aber immer noch müsse sie fürchten, dass das teure Implantat nicht halte.

Im Vergleich dazu sind meine Probleme banal. Zwar bekomme ich alle paar Jahre eine Füllung verpasst, und jetzt steht die erste Zahnkrone an, aber trotz meiner bald vierzig Jahre habe ich noch das komplette Gebiss und nie eine Wurzelbehandlung erleiden müssen.

Im Zweifel gegen den Bohrer

Meine Philosophie ist einfach auf den Punkt gebracht: Immer wenn ein Zahnarzt an zu vielen Zähnen bohren will, nehme ich Reißaus. Das mag feige und unvernünftig klingen, aber ich habe drei Zeugen aus dem Zahnarztstand, die mir in den vergangenen zwanzig Jahren bestätigt haben, dass ich richtig gehandelt habe. Das rätselhafte Problem ist, dass ich immer wieder auf Zahnärzte treffe, die vier, fünf oder mehr kariöse Stellen in meinem Mund entdecken, die angeblich dringend saniert werden müssen – und dass wiederum andere Zahnärzte sagen, sie sähen keinen oder kaum Behandlungsbedarf. Mein letzter „Hauszahnarzt“ Dr. O. war einer von den guten, die dem Motto „So wenig bohren wie möglich“ folgen. Drei Zahnärzte hatte ich verschlissen, bis ich ihn gefunden habe.

Gefunden in ... GesundLeben GesundLeben
Ausgabe 4/2008

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Füllung Karies Stein Zahn Zahnarzt Zunft
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